taz.de -- Verdacht auf Brandstiftung: Hitlers „Kehlsteinhaus“ am Obersalzberg niedergebrannt
Die Löscharbeiten an der Berggaststätte hoch über Berchtesgaden laufen auf Hochtouren. Eine verdächtige Person wurde festgenommen.
Bild: Das Kehlsteinhaus brennt
dpa | Das von den Nationalsozialisten errichtete [1][Kehlsteinhaus am Obersalzberg in Berchtesgaden] ist in der Nacht zum Samstag durch ein Feuer weitgehend zerstört worden. Die Polizei hält eine Brandstiftung als Ursache für möglich. Eine Person sei festgenommen worden. Die Ermittlungen hat die Kriminalpolizei in Traunstein übernommen.
Die Ermittlungsbehörden in Bayern gehen nach dpa-Informationen davon aus, den mutmaßlichen Verursacher des Großbrandes am Obersalzberg gefasst zu haben. Es gebe deutliche Hinweise, dass ein nach Ausbruch des Feuers im Umfeld des Kehlsteinhauses gefasster Motorradfahrer den Brand gelegt habe, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Ermittlerkreisen. Dass der Fahrer eines Motorrades festgenommen war, hatte zuerst die „Bild“-Zeitung berichtet.
Nach dem Großbrand des Kehlsteinhauses geht Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) von einem Wiederaufbau aus. „Wir werden da kaum eine Ruine stehen lassen können“, sagte er am Rande des CSU-Parteitages in München der Deutschen Presse-Agentur. Das Haus gehört dem Freistaat Bayern in der Zuständigkeit von Herrmanns Ministerium. Die Berchtesgadener Landesstiftung hat das Nießbrauchsrecht übertragen bekommen.
Das Kehlsteinhaus war in den 1930er Jahren von den Nationalsozialisten als Teil des von Adolf Hitler genutzten Komplexes am Obersalzberg erbaut worden und wird [2][inzwischen als frei zugängliche Berggaststätte] genutzt. International ist das Ausflugsziel als „Eagles Nest“ bekannt, was mit „Adlerhorst“ übersetzt werden kann.
Am Freitag war das Lokal jedoch nicht geöffnet. Nach ersten Erkenntnissen von Polizei und Feuerwehr wurden keine Menschen verletzt. Allerdings konnte das Areal auch am Morgen nur mit schwerem Atemschutz betreten werden, was die Suche erschwerte.
Die bereits am Freitagabend begonnenen Löscharbeiten liefen am Vormittag weiter. Die ersten Rettungskräfte waren nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd am Freitagabend um 21.52 Uhr eingetroffen und hatten einen Großbrand festgestellt.
Das 1.838 Meter hoch gelegene Haus am Obersalzberg ist schwer zu erreichen – normalerweise wird das Haus mit Bahnbussen der sogenanten Kehlsteinline erschlossen. Laut Deutscher Bahn dauert die Auffahrt 20 Minuten und verläuft durch fünf Tunnels. Das Gebiet wurde weiträumig abgesperrt.
Erbaut in NS-Zeit
Das Gebäude ist seit 1952 eine Berggaststätte. Es wurde 1938 fertiggestellt und befand sich in einem damals abgeriegelten und für die Öffentlichkeit gesperrten [3][Wohn- und Regierungsareal der nationalsozialistischen Führung]. Eine Ausstellung dort widmet sich der Geschichte des Gebäudes.
Der Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden schreibt auf seiner Seite über das Haus: „Erbaut 1937/38, sollte in der NS-Zeit das damals sogenannte Teehaus als politischer Repräsentationsort abseits der Öffentlichkeit dienen. Tatsächlich blieb die Bedeutung des Kehlsteinhauses gering.“ Häufig sei das Haus von der am Obersalzberg versammelten NS-Entourage zur Erholung und für private Feiern genutzt worden.
24 Oct 2026
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