taz.de -- Ölpreise treiben Geldentwertung: Europäische Zentralbank soll fossile Inflation bremsen
Greenpeace fordert, dass die EZB die Abkehr von Öl und Gas fördert. Hintergrund ist eine Studie zum Kaufkraftverlust durch hohe fossile Preise.
Bild: Gar nicht super: Abhängigkeit von Öl und Gas macht Verbraucher:innen anfällig für geopolitische Krisen und damit verbundene Preissprünge
Die Umweltorganisation Greenpeace fordert, dass [1][die Europäische Zentralbank (EZB)] ihre Instrumente nutzt, um die von hohen Öl- und Gaspreisen ausgelöste Inflation zu bremsen. Sie müsse mit ihren Richtlinien für die Kreditvergabe dafür sorgen, dass fossile Geschäftsmodelle nicht mehr finanziert werden, sagte Mauricio Vargas, Finanzexperte von Greenpeace Deutschland, der taz. Gleichzeitig müssten die Finanzierungsbedingungen für Projekte besser werden, die eine Abkehr von Öl und Gas forcieren.
Hintergrund der Forderung ist [2][eine Analyse zur fossilen Inflation im Auftrag von Greenpeace]. Danach ist der Kaufkraftverlust durch die massiv [3][gestiegenen Ölpreise infolge des Irankriegs] deutlich nach oben gegangen. Im August lag die Geldentwertung in Deutschland bei 2,9 Prozent. Der Analyse zufolge wären es bei einem Ölpreis auf dem Niveau von Januar 2026 nur 1,9 Prozent gewesen. Im Euro-Raum habe die Inflation bei 2,2 Prozent statt bei 3,2 Prozent gelegen. Nach vorläufigen Berechnungen lag die Geldentwertung im September in Deutschland bei 3,3 Prozent – getrieben von den Energiepreisen, die gegenüber dem Vorjahresmonat um 14,9 Prozent kletterten.
Die Abhängigkeit von Öl und Gas mache Verbraucher:innen anfällig für geopolitische Krisen und damit verbundene Preissprünge, betonte Vargas. Deshalb müsse die EZB diese Abhängigkeit stärker als wiederkehrende Inflationsursache anerkennen. „Wer langfristig stabile Preise will, muss die fossile Abhängigkeit verringern.“ Aufgabe der EZB sei, für stabile Preise zu sorgen. Dabei müssten fossile Kosten ebenso eine Rolle spielen wie die Haushaltsdisziplin von Staaten. „Da mischt sich die EZB ja auch in die Tagespolitik ein“, erklärte er. Die chinesische und die ungarische Zentralbank hätten bereits entsprechende Konsequenzen gezogen. Sie fördern Kreditvergaben zur Dekarbonisierung, berichtete er.
Der Analyse zufolge sind Haushalte, die sich von fossilen Energien weitgehend unabhängig gemacht haben, von der Inflation weniger betroffen. Demnach hatte ein Haushalt mit Wärmepumpe, Solaranlage mit Speicher und E-Auto zwischen Januar und August 2026 nur eine Preissteigerung von 1,5 Prozent zu stemmen.
12 Oct 2026
LINKS
[1] /Europaeische-Zentralbank/!t5015736
[2] https://www.greenpeace.de/publikationen/20261012-greenpeace-report-fossilflation-deutsch.pdf?utm_campaign=fossil-fuels&utm_source=pm&utm_medium=referral&utm_term=20261012-fossilflation
[3] /Konflikt-im-Nahen-Osten/!6203157
AUTOREN
Anja Krüger
Energiewende in Gefahr
Energiewende
EZB
Greenpeace
Inflation
ARTIKEL ZUM THEMA
Kaufkraft sinkt weiter: Teurer Sprit treibt Inflation über 3-Prozent-Marke
Die Geldentwertung in Deutschland ist auf dem höchsten Stand seit drei Jahren. Die Kraftstoffpreise legten im September um 37,1 Prozent zu.
EU sorgt sich um Energie: Wie sich die Europäische Union auf eine neue Energiekrise vorbereitet
Vor dem EU-Gipfel in Brüssel werden die Rufe nach Notmaßnahmen lauter. Europaweit sind die Gasspeicher so wenig gefüllt wie noch nie zuvor.
Wirtschaft auf Wachstumskurs: Reiche hebt Konjunkturprognose an
Die Bundesregierung schaut zumindest konjunkturell optimistischer in die Zukunft. Trotzdem pocht die Wirtschaft auf Reformen in ihrem Sinne.
Staatsfinanzen weltweit: Staaten nehmen immer mehr Geld auf
Ein Weltschuldencrash in naher Zukunft ist unwahrscheinlich, doch an den Finanzmärkten wächst die Sorge. Bürger*innen spüren die Folgen auch so.