taz.de -- Jürgen Klopp benennt DFB-Großkader: Möglichst alle mitnehmen
Bundestrainer Jürgen Klopp nominiert für die Länderspiele zwei Kader mit insgesamt 44 Spielern. Talente, so die Botschaft, gebe es in Hülle und Fülle.
Bild: Jürgen Klopp, der neue Held der Fußball Nerds
Manche haben die Gerüchte für einen Witz gehalten. Schon bevor Jürgen Klopp am Donnerstagmorgen auf einer Pressekonferenz seinen XXL-Kader für die anstehende Länderspielphase den Journalisten vorstellte, waren einige Namen an die Öffentlichkeit gedrungen, die in ihrer Karriere noch nie ein Länderspiel bestritten haben. Und selbst die Betroffenen, die von Klopp in den letzten Tagen angerufen wurden, konnten es teilweise kaum glauben.
Am lustigsten fand seine Nominierung offenbar Bambasé Conté von der TSG Hoffenheim. Klopp berichtete: „Am längsten gelacht hat Conté. Ich habe nur Jürgen Klopp gesagt, dann hat er zwei Minuten gelacht.“ Mika Baur von Celtic Glasgow, Felix Keidel [1][vom Bundesliga-Aufsteiger SV Elversberg] und etliche mehr dürften ähnlich verblüfft gewesen sein.
Vier Länderspiele stehen in der zweiwöchigen Länderspielphase an. Und weil Klopp sich einen Überblick verschaffen will („Ich möchte in der Zeit so viele Spieler wie möglich kennenlernen“), hat er zu seinem Amtsantritt ganz groß eingeladen. Er hat gleich [2][zwei Kader mit 44 Akteuren] für jeweils zwei Spiele zusammengestellt. Darunter sind allein 16 Neulinge.
Der Bundestrainer selbst erinnerte daran, dass man im Sommer nach dem frühzeitigen Ausscheiden des DFB-Teams bei der WM den Eindruck gewinnen konnte, der deutsche Fußball liege komplett am Boden. Der von Klopp am Donnerstag noch einmal explizit groß gefasste Kandidatenkreis für die erste Elf dieses Landes vermittelt hingegen das Gefühl, der deutsche Fußball stünde angesichts so vieler Hochbegabter vor einer ganz großen Qual der Wahl.
Über 60 Kandidaten
„In den letzten Wochen ist uns ganz viel Talent ins Auge gesprungen, sogar so viel, dass gar nicht alle dabei sind.“ Klopp sprach drei Stürmer an, die erst einmal noch im U-21-Aufgebot stehen werden, sowie verletzte und derzeit etwas formschwächere Spieler [3][wie etwa Deniz Undav]. Gerüchtehalber soll Klopp im Sommer eine Liste von 57 Nationalmannschaftskandidaten erstellt haben. Am Donnerstag dementierte er die Zahl. Es seien über 60 Spieler gewesen. Vielleicht wäre es für eine gute Übersicht hilfreicher gewesen, Klopp hätte diejenigen benannt, die nicht für das Nationalteam infrage kommen.
Die Botschaft zum Potenzial des deutschen Fußballs war gesetzt. Klopp sah seine erste Aufgabe eine Woche vor dem Nations-League-Spiel in Amsterdam gegen die Niederlande offenkundig vor allem darin, positive Stimmung zu verbreiten. Und so kam es in seinen wortreichen Begeisterungsvortägen, die er an jede Frage anschloss, auch vor, dass er noch einmal nachfragen musste, welche Frage da gerade eigentlich gestellt worden war.
Klopp, dieser Eindruck drängte sich auf, möchte erst einmal möglichst viele mitnehmen. Leitend bei der Auswahl soll nach Klopp folgendes Motiv gewesen sein: „Wir haben nicht geguckt, was haben wir nicht, sondern was haben wir.“ Und er verkniff sich nicht den Hinweis, dass dies ebenso für Probleme jenseits des Fußballs „eine Herangehensweise“ sein könnte.
Zuvor hatte er schon seinen Blick über die Probleme des deutschen Fußballs hinausschweifen lassen. Er sprach die Wahlen in Sachsen-Anhalt an, aus der die AfD mit Abstand als stärkste Partei hervorgegangen war, und erklärte: „Ich möchte Nationalstolz nicht den falschen Leuten überlassen.“ Und: „Ich würde mir oder uns gerne die Fahne zurückholen.“ Er erinnerte an den Begriff des „positiven Patriotismus“.
Positiv
Auch dies gehörte zu seinem Versuch, positive Stimmung zu verbreiten. Über den Fußball, den er künftig mit der DFB-Elf spielen lassen will, und die unzähligen Neuen wurde natürlich ebenfalls mit viel vorfreudigen Worten gesprochen.
Klopp bat indirekt um etwas Geduld. Seine Vorhaben würden Zeit brauchen. „Aber wir werden alles versuchen, um unsere neue Herangehensweise sichtbar zu machen. Ich erwarte sofort mehr. Mehr geht immer.“ Zuerst, kündigte er an, werde er sich auf die Defensive konzentrieren. Fußballerische Qualität werde dann erst sichtbar, wenn man eine defensive Stabilität habe.
Anders als Julian Nagelsmann benötigt Jürgen Klopp dafür Kapitän Joshua Kimmich nicht für seine Abwehrreihe. Er sei als Mittelfeldspieler eingeplant.
Aber einzelne Personalien sind bei diesem XXL-Aufgebot ohnehin nicht von großer Bedeutung. Zuerst geht es Bundestrainer Klopp um etwas Grundsätzliches: „Wir lernen: Spaß unter Druck zu haben ist eigentlich cool.“ Diese beiden Worte fielen am Donnerstagmorgen am häufigsten: „Spaß“ und „cool“.
17 Sep 2026
LINKS
[1] /Sehnsucht-nach-dem-Underdog/!6210515
[2] https://www.sportschau.de/fussball/nationalmannschaft/44-spieler-juergen-klopp-ueberrascht-mit-erstem-dfb-kader,dfb-klopp-kader-104.html
[3] /Debatte-um-Deniz-Undav/!6189389
AUTOREN
Johannes Kopp
Jürgen Klopp
Nationalelf
Nominierung
GNS
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