taz.de -- Bühnen in MV werben für Vielfalt: „Demokratie ist kein Zuschauerraum“
Einheit statt Spaltung: Vor den Landtagswahlen und einem möglichen AfD-Erfolg bitten die Theater in Mecklenburg-Vorpommern zum gemeinsamen Singen.
Bild: Singen für die Vielfalt: Chordirektor Alexandru Constantinescu und Ensemblemitglieder am vergangenen Samstag in Greifswald
„Demokratie lebt davon, dass wir alle unsere Stimme erheben“: So schloss Ende vergangener Woche eine gemeinsame Erklärung der fünf Staats- und Stadttheater in Mecklenburg-Vorpommern. Und das meinen das Theater und Orchester Neubrandenburg/Neustrelitz, die Vorpommersche Landesbühne, das Theater Vorpommern mit Sitz in Stralsund und Greifswald, das Volkstheater Rostock sowie das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin/Parchim ganz wörtlich: Mit Blick auf die Landtagswahlen am 20. September laden sie seit Samstag und noch bis zum kommenden Wochenende zum gemeinsamen Singen „für Vielfalt, für Zusammenhalt und für die Freiheit der Kunst“.
An Tagen der offenen Tür, auf Märkten oder bei den eigenen Saisoneröffnungsfesten sollen Chöre und Ensembles, also einerseits Künstler:innen, andererseits Vereine, Besucher:innen und Anwohner:innen miteinander zum Klingen bringen, „was dieses Land stark macht: das Miteinander der Menschen, die hier wohnen“.
„Entdecken, was uns verbindet“
„Wir sind Theater. Wir sind Orte der Kunst, der Begegnung und der offenen Auseinandersetzung“, heißt es in dem gemeinsamen Aufruf. „Auf unseren Bühnen erzählen wir immer wieder auch Geschichten von Menschen, die anders sind als wir – und entdecken dabei, was uns miteinander verbindet. Kunst kann Widersprüche sichtbar machen, Fragen stellen, Perspektiven verändern. Sie braucht Freiheit, um das tun zu können.“
Deshalb stünden die unterzeichnenden Häuser für die Freiheit der Kunst und die Demokratie. „Wir wollen nicht vorschreiben, was Menschen denken sollen. Aber wir wollen deutlich sagen, wofür wir stehen: Eine Demokratie, in der jeder Mensch die gleiche Würde besitzt. Eine Gesellschaft, in der Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, Religion, sexuelle Identität oder politische Überzeugung kein Grund für Ausgrenzung und Verachtung sein dürfen. Ein Land, in dem Minderheiten geschützt werden und in dem niemand Angst haben muss, seine Meinung zu sagen oder er selbst zu sein.“
Glaube an die Kraft des Miteinanders
Vor der Wahl des Schweriner Landtags am 20. September – [1][bei der ein starkes Ergebnis für die AfD prognostiziert wird] – singe man also: Los ging die Aktion „Dafür!“ am Sonnabend bei der Spielzeiteröffnung des [2][Theaters Vorpommern] in der Stadthalle Greifswald, wo laut dem Norddeutschen Rundfunk mehr als 100 Grefswalder:innen mit einstimmten. Am späten Dienstagnachmittag sollte dann vor dem Volkstheater Rostock gesungen werden, weitere Aktionen sind am 12. und 13. September geplant.
8 Sep 2026
LINKS
[1] https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/landtagswahl/mv-trend-spd-verkuerzt-rueckstand-zur-afd-cdu-rutscht-weiter-ab,mvtrend-168.html
[2] https://www.theater-vorpommern.de/de/
AUTOREN
Alexander Diehl
Theater
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Mecklenburg-Vorpommern
Schwerpunkt Landtagswahlen
AfD Mecklenburg-Vorpommern
Wahlen in Ostdeutschland
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