Gynäkologe Joachim Volz kämpft vor Gericht gegen das Abtreibungsverbot seiner Klinik. Nun will er für die Grünen in den NRW-Landtag. Warum?
Bild: Noch vor wenigen Monaten CDU-Mitglied: Joachim Volz ist Direktkandidat der Grünen für den Landtag in NRW
„Wenn ich vor Gericht nicht weiterkomme, dann muss ich eben politisch etwas tun“, sagt Joachim Volz. Im Februar trafen er und sein Arbeitgeber, das christliche Krankenhaus Lippstadt, sich vor Gericht: Volz hatte dagegen geklagt, dass die Klinik ihm seit einer Fusion mit einem katholischen Träger untersagt, Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen. [1][Das Gericht gab im Grundsatz dem Krankenhaus recht.] Und auch für Volz wird es nun grundsätzlich: Er will 2027 für die Grünen in den Landtag von NRW einziehen.
„Die Grünen haben mich in der Auseinandersetzung mit dem Krankenhaus von Anfang an unterstützt“, sagt Volz, der bis vor wenigen Monaten noch CDU-Mitglied und in seiner Jugend viele Jahre in der Jungen Union aktiv war. Dass er im Frühjahr aus der CDU aus- und bei den Grünen eingetreten ist, hängt auch eng mit seinem eigenen Fall zusammen. „Ich habe zwar viele Jahre lang Abbrüche gemacht. Aber mir war dabei nie klar, wie problematisch die Lage politisch ist“, sagt Volz.
Schwangerschaftsabbrüche hätten für ihn schlicht zu seiner Arbeit als Gynäkologe gehört, sagt Volz. „So bin ich an meiner Uni in Mannheim und Ulm groß geworden, und so haben wir es auch an dem kommunalen Krankenhaus gehandhabt, an dem ich früher als Chefarzt gearbeitet habe.“
Als er ans Evangelische Klinikum Lippstadt wechselte und dort die Frauenklinik mit aufbaute, machte er es zur Bedingung, dass er dort medizinisch indizierte Abbrüche machen dürfe. „Dass es bei diesem Thema irgendwelche Schwierigkeiten gibt, hat mich nie tangiert“, sagt Volz. Bis eben der evangelische Träger mit einem katholischen fusionierte – und Abbrüche nun weitestgehend untersagt sind.
„Es geht um die Rechte der Frauen in unserem Land“
„Dazu kommt ja, dass die Versorgung der Frauen immer schwieriger wird“, sagt Volz. Die Zahl der Ärzt*innen, die die etwa 100.000 Abbrüche jährlich durchführen, nimmt seit Jahren ab. Seit 2003 hat sich ihre Zahl von 2.050 auf 1.110 fast halbiert. „Und erst recht für die späten Abbrüche oder die komplizierten Fälle ist die Versorgungslage katastrophal“, sagt Volz.
Die Rechte von Frauen auf Selbstbestimmung seien derzeit massivem Gegenwind ausgesetzt, sagt Volz. Für ihn ist das auch eine Gefahr für die Demokratie, die auf der Freiheit des Einzelnen beruhe. „Wenn wir diese Freiheit der Hälfte der Bevölkerung wegnehmen, treten wir das Fundament derartig mit Füßen, dass es das ganze Gebäude zum Einsturz bringen kann.“
Deswegen will er mitmischen. Auf Landesebene sieht er da etwa die Krankenhausplanung als Hebel. „Wir brauchen Anreize, wenn nicht gar Verpflichtungen für Krankenhäuser, damit diese Abbrüche anbieten.“ Darüber hinaus will er aufklären – im Wahlkampf, aber auch in Vorträgen oder Seminaren an der Uni.
Ob er wirklich im nächsten Landtag von NRW sitzen wird, ist ungewiss. Einen Wahlkreis hat er, Bielefeld-Gütersloh, einen Platz auf der Landesliste bislang allerdings nicht. Bei der Landtagswahl 2022 bekam der Grünen-Kandidat dort knapp 18 Prozent – und lag damit weit hinter seinen Konkurrenten von CDU und SPD. Volz ist trotzdem optimistisch. „Ich bin überzeugt, dass ich gewinnen werde“, sagt er.
Und wenn nicht? „Dann suche ich einen anderen Weg.“ Zum Beispiel bei der nächsten Bundestagswahl. „Es geht um die Rechte der Frauen in unserem Land, um Gleichberechtigung“, sagt Volz. „Ich möchte da wirklich was bewegen.“
31 Aug 2026
LINKS
[1] /Verbot-von-Schwangerschaftsabbruechen/!6151861
AUTOREN
Dinah Riese
Schwerpunkt Abtreibung
Landtag
NRW
Bündnis 90/Die Grünen
GNS
Reden wir darüber
ARTIKEL ZUM THEMA
Grüne über Schwangerschaftsabbrüche: „Ein Erfolg mit bitterem Beigeschmack“
Ein Arzt hat gegen seinen katholischen Arbeitgeber erstritten, Abbrüche durchführen zu dürfen. Für die Grüne Ulle Schauws ist das nicht ausreichend.
Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen: Teilerfolg für Chefarzt und seine Patientinnen
Joachim Volz darf ambulant weiter Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Als angestellter Arzt des katholischen Klinikums Lippstadt jedoch nicht.
Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen: Kann denn Hilfe Sünde sein?
Joachim Volz führte als Chefarzt jahrelang Schwangerschaftsabbrüche durch. Nun pfuscht ihm der neue katholische Träger des Klinikums in seine Arbeit.