taz.de -- Flutkatastrophe im Himalaja: Tausende noch immer vermisst

Durch die Flutkatastrophe sind in Nepal und China mehr als 780 Menschen ums Leben gekommen. Der Wiederaufbau der Region wird Milliarden kosten.

Bild: Kathmandu, Nepal, am 30. August: internationale Hilfe für die Opfer der Flutkatastrophe

Nur kurz konnten die Menschen in den von der Flutkatastrophe betroffenen Regionen in Nepal und China aufatmen. Dann stiegen am Sonntag die [1][Wasserstände] in den Flusssystemen Bhotekoshi und Trishuli erneut an. In Nuwakot und Dhading erodierten Flussufer, ein Erdrutsch blockierte die wichtige Prithvi-Schnellstraße zwischen Kathmandu und dem Ausflugsziel Pokhara.

Laut der nepalesischen Regierung starben infolge der schweren Sturzfluten mindestens [2][768 Menschen]. Die meisten Leichen wurden in Chitwan nahe der indischen Grenze geborgen. Im Norden Indiens wurden in den Bundesstaaten Uttar Pradesh und Bihar laut Medienberichten [3][ebenfalls Leichen angeschwemmt]. Vermutlich handelt es sich um Menschen, die die Fluten in Nepal mitgerissen haben. In Nepal und China zusammen werden noch immer mehr als 3.000 Menschen vermisst, darunter knapp 900 ausländische Staatsangehörige.

„Trotz schlechter Wetterbedingungen und schwieriger geografischer Voraussetzungen wurden 7.514 Menschen erfolgreich auf dem Luft- und Landweg gerettet“, gab Premierminister Balendra Shah über [4][Facebook] bekannt. Rund 18.700 Sicherheitskräfte seien im Einsatz. Die Regierung sammelt über den „[5][PM Disaster Relief Fund]“ finanzielle Unterstützung für die Region. Hinzu kommen Hilfsinitiativen aus der Zivilgesellschaft.

Internationale Hilfe ist angelaufen

Inzwischen sind indische und chinesische Experten in Absprache mit der nepalesischen Armee gemeinsam im Einsatz, um die Rettungsarbeiten fortzuführen, etwa an einem [6][Wasserkraftwerk] am Fluss Trishuli. Dort werden eingeschlossene Arbeiter vermutet. Nepals Außenminister [7][Shishir Khanal] sagte am Wochenende, Nepal habe keine ausländische Rettungshilfe abgelehnt. Das Land suche weiterhin gezielt nach technischer Unterstützung. Kathmandu hat zudem ausländische Experten für DNA-Tests und forensische Untersuchungen hinzugezogen. Gerade die Identifizierung der vielen Toten und die begrenzten Kühlmöglichkeiten für die Leichen bereiten den Behörden Schwierigkeiten. Indien hat inzwischen knapp [8][70 Tonnen] Hilfsgüter geschickt, China [9][50 Tonnen]. Auch die USA haben weitere Hilfe zugesagt, [10][Starlink] bietet kostenloses Internet an.

Zudem haben die chinesischen Behörden Details zu den auf ihrer Seite vermissten 546 Menschen bekannt gegeben. Unter ihnen sind 261 ausländische Staatsangehörige aus 23 Ländern, darunter drei Deutsche, wie Vertreter der Autonomen Region Tibet mitteilten. Bisher wurden dort 16 Todesfälle bestätigt. Allerdings sind die Informationskanäle stark eingeschränkt. Aufnahmen von Überschwemmungen in Nepal und Tibet sollen sogar [11][zensiert] worden sein.

Der ehemalige nepalesische Parlamentarier Rajendra Bajgain warf Peking mangelnde Transparenz vor: „Was versuchen sie in dieser Region zu verbergen?“ Experten halten einen Gletscherabbruch für den Auslöser der tödlichen Sturzflut, die sich mit enormer Wucht talabwärts wälzte und Bäume und Geröll auf dem Weg mit sich riss.

Chinesische Behörden bestätigten, dass am vergangenen Mittwoch gegen 8:37 Uhr nepalesischer Zeit (4:52 Uhr mitteleuropäischer Zeit) am Südhang des Langtang Lirung in rund 5.200 Metern Höhe Eis und Gestein abgebrochen waren. Behördenvertreter verwiesen – ebenso wie ihre westlichen Kollegen – auf die Instabilität der Gletscher als langfristige Folge der Klimaerwärmung. Laut Nepals Finanzminister Swarnim Wagle könnte der Wiederaufbau Nepal [12][rund 4 bis 5 Milliarden US-Dollar] kosten. (mit dpa)

30 Aug 2026

[1] https://kathmandupost.com/national/2026/08/30/barrier-lake-near-nepal-china-border-fully-drains-china-says

[2] https://kathmandupost.com/national/2026/08/30/death-toll-from-bhotekoshi-flood-reaches-734

[3] https://www.independent.co.uk/asia/south-asia/nepal-floods-bodies-india-up-bihar-tibet-tragedy-b3041433.html

[4] https://www.facebook.com/balenOfficial/posts/pfbid02VbrX4uBRaRmrtiyXax4ssa91GUWA9UTxdhmwY7MPRjGeKJH685q3ASwwTMGK1p9Zl

[5] https://rescue.opmcm.gov.np/donations

[6] https://english.onlinekhabar.com/missing-hydropower-workers.html

[7] https://kathmandupost.com/national/2026/08/29/nepal-has-not-rejected-foreign-rescue-aid-says-foreign-minister

[8] https://www.deccanchronicle.com/nation/india-sends-685-tonnes-of-aid-technical-teams-to-flood-hit-nepal-1983427

[9] https://www.chinadaily.com.cn/a/202608/30/WS6a93e8ebe4b06d4aa055b3d7.html

[10] https://english.onlinekhabar.com/starlink-offers-free-internet.html

[11] /Sturzflut-im-Himalaja/!6208488

[12] https://kathmandupost.com/national/2026/08/30/relief-priority-but-government-assessing-damage-inflicted-by-bhotekoshi-floods

AUTOREN

Natalie Mayroth

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