taz.de -- Hochrechnung nach erstem Halbjahr: Deutschland droht Klimaziel für 2026 zu verfehlen
Der Thinktank Agora Energiewende warnt: Vor allem durch die Energiekrise sind die Emissionen zwar gesunken, aber nicht genug.
Bild: Weniger Emissionen durch weniger Lkw-Verkehr auf den Straßen
Deutschland läuft [1][laut dem Thinktank Agora Energiewende] darauf zu, sein Klimaziel dieses Jahr zu verfehlen. Eine erste Hochrechnung nach dem ersten Halbjahr deutet demnach darauf hin, dass der CO2-Ausstoß bei gleichbleibendem Minderungstempo lediglich auf 635 Millionen Tonnen Kohlendioxid sinken würde. Das würde gegenüber dem Vorjahr zwar einen Rückgang von 13 Millionen Tonnen Kohlendioxid bedeuten, nötig wären aber 40 Millionen Tonnen.
Bis Ende Juni hat Deutschland laut Agora rund 327 Millionen Tonnen CO2 emittiert, zwei Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Nicht nur, dass der Rückgang noch nicht ausreicht – laut den Expert*innen ist der Haupttreiber dahinter nicht die Klimapolitik, sondern die fossile Energiepreiskrise durch die Blockade der [2][Straße von Hormus] seit März 2026.
Die hat beispielsweise zu einer geringeren Produktion der Industrie und weniger Lkw-Verkehr geführt. Außerdem entschieden sich mehr Menschen für Wärmepumpen und E-Autos, was fürs Klima auch längerfristig helfen dürfte.
„Das erste Halbjahr 2026 steht deutlich im Zeichen der fossilen Energiepreiskrise“, sagte Julia Bläsius, Chefin von Agora Energiewende. „Gleichzeitig setzt sich mit den Verkaufsrekorden bei Wärmepumpen und E-Autos der Elektrifizierungstrend bei Verbraucherinnen und Verbrauchern fort.“
Regierung nennt die Warnung verfrüht
Die Expertin empfiehlt: „Diese Dynamik sollte die Bundesregierung nutzen und verstärken, indem sie ihre Energie- und Industriepolitik konsequent auf Erneuerbare Energien und Elektrifizierung ausrichtet.“ Bislang gebe es bei der Antwort von Schwarz-Rot auf die Krise Nachholbedarf.
Das Bundesumweltministerium von Carsten Schneider (SPD) verweist darauf, dass es für eine belastbare Bewertung der Treibhausgasemissionen des Jahres 2026 „noch viel zu früh“ sei. Zudem habe die Bundesregierung mit dem Klimaschutzprogramm 2026 zusätzliche Klimaschutzmaßnahmen beschlossen. [3][Nach Ansicht der Regierungsberater*innen vom Expertenrat für Klimafragen reicht das Programm allerdings nicht aus], um die Klimaschutz-Lücke zu schließen.
28 Aug 2026
LINKS
[1] https://www.agora-energiewende.de/aktuelles/deutschland-droht-2026-erstmals-sein-klimaziel-zu-verfehlen
[2] /Strasse-von-Hormus/!t5612688
[3] /Expertenrat-fuer-Klimafragen/!6179642
AUTOREN
Susanne Schwarz
Schwerpunkt Klimawandel
Klimaschutz
Schwarz-rote Koalition
GNS
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