taz.de -- Alexandria Ocasio-Cortez: Die Linke, die nichts ausschließen mag

Alexandria Ocasio-Cortez friert ihre Eizellen ein und sorgt damit für Schlagzeilen. Zugleich hält sich der linke Star alle politischen Optionen offen.

Bild: Star der US-Linken: Alexandria Ocasio-Cortez

Mit einem kleinen publizistischen Doppelschlag brachte sich Alexandria Ocasio-Cortez am vergangenen Wochenende zurück in die Schlagzeilen. Die 36-jährige linke Kongressabgeordnete aus New York veröffentlichte am Samstag über ihre Social-Media-Kanäle, dass sie sich entschieden habe, Eizellen einfrieren zu lassen – für eine womöglich deutlich spätere Mutterschaft.

Am Sonntag ließ sie sich dann in der [1][ABC-Sendung „This Week“] zu ihrem Standing, zu ihrem Verhältnis zur Demokratischen Partei und zu manchen zugespitzten Positionen der Democratic Socialists of America interviewen. Auf entsprechende Fragen hin schloss sie für 2028 weder eine Senats- noch eine Präsidentschaftskandidatur aus. Diese Formulierung benutzt sie seit vielen Monaten.

Letztere Überlegung geistert als Spekulation schon länger herum, spätestens aber, seit AOC, wie sie überall nur genannt wird, im Februar an der Münchener Sicherheitskonferenz teilnahm. Immerhin war Außen- und Sicherheitspolitik bislang kein Tätigkeitsfeld der überaus eloquenten und scharfzüngigen Abgeordneten. Vielen galt dieses Hereinschnuppern auf dem internationalen Parkett deshalb als Zeichen.

Ende Juli nun hatte eine [2][Umfrage der University of New Hampshire] zu möglichen demokratischen Präsidentschaftskandidaten sie vorn gesehen – wenngleich auch nur mit 22 Prozent, und damit einen Prozentpunkt vor dem ehemaligen Verkehrsminister Pete Buttigieg. Bei ABC bedankte sich AOC herzlich für die Unterstützung. Zugleich betonte sie, jetzt müsse alle Kraft in die Midterm Elections am 3. November gehen. Persönliche Ambitionen müssten zurückstehen.

Tatsächlich dürfte es aber noch einen anderen Zusammenhang zwischen den Zwischenwahlen im November und den weiteren Plänen nicht nur von Alexandria Ocasio-Cortez geben, sondern der gesamten progressiven Welle, die gerade die Demokratische Partei überspült. Im Klartext: Wenn es nicht zumindest ein relevanter Prozentsatz jener Progressiven, [3][die jetzt Vorwahlen gewonnen haben], im November auch gegen republikanische Konkurrenz schafft, wird die Begeisterung so schnell abebben, wie sie begonnen hat. Dann würde auch eine Präsidentschaftskandidatur von AOC in unerreichbare Ferne rücken.

Reproduktive Rechte gehören zu AOCs Kernthemen

Wahrscheinlicher scheint ohnehin, dass sie es 2028 zunächst auf den Senatorenposten von New York abgesehen hat. Diesen hat derzeit der demokratische Minderheitsführer Chuck Schumer inne. Dieser ist nicht nur bei linken Demokrat*innen denkbar unpopulär – sein [4][Einknicken] gegenüber den Republikanern und seine einschläfernde Redeweise mit merkwürdigen Alt-Herren-Witzen ertragen viele nicht, die sich von ihm knallharte Opposition gegen Trumps Staatsumbau erwarten. Die populäre junge Abgeordnete gilt da als ganz anderes Kaliber. Bei einem Podiumsgespräch in Berlin konnte sie [5][selbst deutschen Sozialdemokraten wieder Leben einhauchen].

Und die eingefrorenen Eier? Frauen- und reproduktive Rechte gehören zu AOCs Kernthemen, seit sie 2018 erstmals ins Repräsentantenhaus gewählt wurde. Sie gestand unumwunden ein, dass ihre jetzige Entscheidung nur aus einer privilegierten Position heraus möglich ist. Sie sprach Klassen- und Genderfragen an und sagte, es könne für eine Frau politisch ziemlich gefährlich werden, so etwas wie Eggfreezing öffentlich zu machen.

Ob sie tatsächlich jemals Kinder bekommen möchte, sagte sie im Übrigen nicht. Das geht eigentlich auch niemanden etwas an.

12 Aug 2026

[1] https://www.youtube.com/watch?v=SFwAnMLBSOw&t=1050s

[2] https://scholars.unh.edu/survey_center_polls/983/

[3] /Midterms-in-den-Vereinigten-Staaten/!6198172

[4] /Ende-des-Government-Shutdown/!6127657

[5] https://table.media/berlin/news/alexandria-ocasio-cortez-in-berlin-lehrstunde-fuer-die-deutsche-sozialdemokratie

AUTOREN

Bernd Pickert

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