taz.de -- Rassismus bei Thurn und Taxis: Ekel-Adel scheißt auf Peter Maffay
Die Verhöhnung von Peter Maffay zeigt, warum Gloria von Thurn und Taxis rechtes Idol ist. Ihr Video ist nicht nur geschmacklos, sondern rassistisch.
Bild: Mit weißer Weste: der Sänger Peter Maffay, 1970
Vor kurzem war der [1][Popstar Peter Maffay bei den Regensburger Schlossfestspielen] und hatte sich zu Beginn seiner Show von der Gastgeberin Gloria von Thurn und Taxis distanziert: Der Platz sei, „so schön er ist, belastet durch Äußerungen und Haltungen, die wir nicht teilen“.
Die Rechtsauslegerin saß in der ersten Reihe, Maffay sagte ihr ins Gesicht: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das gilt ungeachtet seiner Herkunft, Hautfarbe oder Religionszugehörigkeit. Radikale, rassistische, menschenverachtende Positionierungen lehnen wir ab.“
Vor dem Konzert hatten Regensburger Initiativen etwa gegen rechts, für eine lebenswerte Stadt oder vom DGB den Auftritt verurteilt, sowie auch alle anderen auf dem Schloss. BMW und auch das Regensburger Autohaus „Stern-Center“, ein Vertragspartner von Mercedes-Benz, hatten bereits zuvor ihr Sponsoring der Festspiele gestoppt. Als global aufgestellte Unternehmen wissen sie, dass Völkisch-Rechtes dem Geschäft schadet. Übrig geblieben als Financiers waren noch eine Designfirma für Haus und Garten sowie ein Münchner Vermieter von großen Kränen.
Gloria von Thurn und Taxis, eine Ikone der Rechten bis Rechtsextremen, hat nun auf ihre Weise auf Peter Maffay reagiert. In [2][einem Instagram-Film ist sie zu sehen] als Frau, die Grimassen schneidet. Im Maffay-Tonfall sagt sie: „Guten Abend meine sehr verehrten Damen und Herren“ und prustet los. Thurn und Taxis macht weiter und imitiert Maffays rollendes „R“ der Rumäniendeutschen übermäßig: „Dieser Platz, diese Bühne, dieses Haus ist wunderschön.“
Sie kneift die Augen zu und wackelt mit dem Kopf: „Aber es ist auch belastet.“ Während im Hintergrund blöd gelacht wird, fährt sie fort im Maffay-Stil: „Deswegen möchte ich sagen: Wir haben uns entschlossen, hier zu spielen, weil wir uns von diesen Aussagen, die belastet sind, distanzieren möchten. Wir sind für Toleranz, wir sind für Diversität, und wir sind für – ihr wisst schon.“ Sie klopft die Hände auf die Knie und dreht sich laut lachend weg. Besonders herzhaft amüsiert sich eine Frau links hinter Thurn und Taxis mit grünem Kleid und knallrotem Kopf. 38 Sekunden sind das.
Das Instagram-Video war von Gloria-Bruder Carl Graf von Schönberg-Glauchau gepostet worden. Mutmaßlich entstand es bei einem heiteren Treffen des [3][Ekel-Adels.] Nach einem Tag war der Film gelöscht. Eine Anfrage der taz bei Thurn und Taxis wie auch ihrem Bruder über die genaueren Umstände dieser Zusammenkunft blieb unbeantwortet.
Thurn und Taxis hat Maffay in dem Video nicht nur imitiert oder nachgeäfft. Sie hat ihn rassistisch beleidigt, sie scheißt auf ihn. Das ist gemein und primitiv. Wegen seiner Herkunft aus Siebenbürgen und dem dortigen Spracheinschlag. Peter Maffay siedelte 1963 im Alter von 14 Jahren mit seinen Eltern von Brașov/Kronstadt in die Bundesrepublik über.
„Rucksackdeutscher“
Seinen ersten Hit „Du“ landete er mit 20. Auch heute berichtet er manchmal, wie sich die Diskriminierung als „Rucksackdeutscher“ mit rollendem „R“ angefühlt hatte.
Ebenfalls mit 20 heiratete die einstige Gräfin von Schönburg-Glauchau wiederum bei den Thurn und Taxis’ ein und hatte ausgesorgt. Mit 19 noch hatte sie laut Wikipedia nach dem Besuch von vier teils privaten Schulen endlich die Mittlere Reife erlangt, muss schwierig gewesen sein.
Seit 1919 gibt es in Deutschland keinen Adel mehr, aber das Haus behielt trotz der Abschaffung die ganzen Vons und Zus in den Namen, vor allem aber auch seinen gigantischen Besitz. Damit blieb der Clan wie wenig andere aus dem zweiten Stand weitgehend verschont.
Jetzt sieht man das Ergebnis dieser Schonzeit.
9 Aug 2026
LINKS
[1] /Peter-Maffay-Konzert-in-Regensburg/!6194995
[2] https://www.instagram.com/reel/DbqWQxnqamr/
[3] /Antifeministische-Allianz/!6094245
AUTOREN
Patrick Guyton
Adel
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