taz.de -- Linker gewinnt Vorwahlen in Michigan: Mit wenig Geld und viel Bürgernähe

Der progressive Demokrat Abdul El-Sayed hat sich die Kandidatur der Demokraten für die Senatswahlen im November gesichert. So geht gewinnen von links.

Bild: Begeisterung für Abdul El-Sayed bei einer Veranstaltung am Abend der Vorwahlen der Demokraten für den US-Senat

Der Republikaner Mike Rogers frohlockte bereits, lange bevor in Michigan alle Stimmen [1][der demokratischen Vorwahlen um den Senat ausgezählt waren.] Schon der dünne Vorsprung von zwei Prozent für Abdul El-Sayed reichte dem republikanischen Kandidaten, sich im Hinblick auf die Hauptwahl im November großspurig zu zeigen. „El-Sayed wird keine Chance haben“, glaubte Rogers.

Dem Optimismus von Rogers liegt die traditionelle Logik der US-Politik zugrunde. Michigan ist ein „Swing State“, Trump gewann hier bei der Präsidentschaftswahl 2016 und 2024. 2020 gewann Joe Biden, den die Demokratische Partei aufgestellt hatte, weil er mit seiner volkstümlichen Art moderate Wechselwähler beschwichtigen konnte. Ein links-progressiver Kandidat mit einem arabisch klingenden Namen hat vor dieser Folie nicht den Hauch einer Chance.

Doch El-Sayed konterte selbstbewusst. „Wenn man in Zukunft von Rogers spricht, wird man sagen: ‚Das ist doch der Typ, dessen politische Zukunft Abdul zerstört hat.‘“ El-Sayed und mit ihm der progressive Flügel der Demokratischen Partei setzen darauf, dass die alten Regeln der Politik nicht mehr gelten.

Panikmache vor links funktioniert nicht mehr, zumal der Mediziner und ehemalige Gesundheitsbeamte mehrmals klargemacht hat, dass er zum Kapitalismus steht und nicht zu den Democratic Socialists gehört. Und auch die Furcht vor arabisch klingenden Namen ist nicht mehr so weit verbreitet wie einst.

Vor allem jedoch sehen Politiker wie El-Sayed in ihrer Kernbotschaft nicht nur einen Weg zur demokratischen Basis und zu Wechselwählern, sondern auch zu bisherigen Trump-Wählern. El-Sayed und Parteikollegen wie Chris Raab in Pennsylvania, Claire Valdez und Darializa Chevalier in New York sowie Melat Kiros in Colorado haben in den Vorwahlkämpfen ein einziges Thema zum Schlüssel ihres Erfolges gemacht: die Korruption.

Sie haben gezeigt, dass man auch mit wenig Geld und mit Bürgernähe Wahlen gewinnen kann. Damit machen sie glaubhaft, dass sie sich wirklich um die Belange der einfachen Leute sorgen und echte Volksvertreter sein möchten. Diesen Beweis bleiben sowohl die Republikaner als auch die Demokraten der alten Schule schuldig. Und zu denen gehört Rogers allemal.

6 Aug 2026

[1] /Vorwahlen-zu-US-Midterms-Kopf-an-Kopf-Rennen-der-Demokraten-in-Michigan/!6201889

AUTOREN

Sebastian Moll

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Zohran Mamdani

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