taz.de -- Hamburger Dom: Hände hoch, wer noch kann
Dreimal im Jahr treffen sich auf dem Hamburger Heiliggeistfeld die Kirmeswütigen. Warum nur will halb Norddeutschland dort seine Endorphine verpulvern?
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„Wer mit mir im Fahrstuhl rauffährt, muss auch mit mir wieder runterfahren.“
Diesen launigen Satz stellte ich vor einigen Tagen einer in meinen Augen waghalsigen Aktion voraus, die – das möchte ich betonen – nicht auf meinem Mist gewachsen war, sondern auf dem zweier Freundinnen, von denen die eine eine enorm große Liebe zum Hamburger Dom hegt, jener Kirmes, die regelmäßig halb Norddeutschland nach St. Pauli schwemmt.
Da ich seit 26 Jahren direkt am Heiligengeistfeld wohne, wo sich das Spektakel dreimal im Jahr abspielt, kann ich sagen: Der Irrsinn bezüglich halsbrecherischer Fahrgeschäfte hat sich in dieser Zeit extrem verschärft. Mittlerweile werden Menschen in 100 Meter Höhe herumgewirbelt, geschwenkt, auf- und niedergeschmissen, als gäbe es kein Morgen.
Oft schon stand ich kopfschüttelnd auf unserem Balkon. Gerne hätte ich den Todesmutigen zugerufen: „Euer Vertrauen in den deutschen TÜV in allen Ehren, aber ist es das Risiko wert? Was, wenn sich eine Mutter löst? Endorphine verpulvert! Denkt mal darüber nach!“
Wenn ich aktuell abends auf dem Sofa entspannen will, dringen die gellenden Schreie derer, die sich vertan haben und nun doch in Panik geraten, während sie an dünnen Seilen auf Hochhaushöhe geschleudert werden, ins Wohnzimmer. Haben sich diese armen Menschen überreden lassen? Wollten sie vielleicht nicht und hatten einfach nur Sorge, man könne sie als Memmen framen? Gruppendruck? Man weiß es nicht …
Ich traue mich normalerweise noch nicht mal, ein Los an einer der Buden zu kaufen – zu groß ist meine Sorge davor, ein mannshohes Stofftier zu gewinnen. Und doch konnten meine Freundinnen mich überreden, in eine „Aussichtskabine“ einzusteigen, die 70 Meter in die Höhe fuhr. Argument: Es würde ja nicht geschwenkt.
War ganz schön. Hat fast nicht gewackelt. Man konnte sich auch festhalten. Und doch: gerne nie wieder!
2 Aug 2026
AUTOREN
Rebecca Spilker
Kolumne Szene
Hamburg
Kirmes
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