taz.de -- Ausbreitung von Ebola in der DR Kongo: Außer Kontrolle
In der Demokratischen Republik Kongo steigen die Ebola-Todeszahlen dramatisch. Die Seuchenbekämpfer brauchen mehr Hilfe – trotz aller Schwierigkeiten.
Bild: Die weitere Ausbreitung der Seuche, sagen Experten, ist kaum zu vermeiden, eine Beerdigung in Kinshasa im Juli 2026
Die Kriege um Nahost und die Ukraine eskalieren, die Hochsommer-Brandkatastrophen in Europa spitzen sich zu, die Weltwirtschaft gerät aus den Fugen, und in Deutschland ist der islamistische Terror zurück. Kein Wunder, dass der Horror der [1][Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo] praktisch null Aufmerksamkeit erzeugt. Aber das Seuchengeschehen in den entlegenen nordöstlichen Regionen dieses instabilen und bitterarmen Landes ist im Begriff, die düstersten Erwartungen zu übertreffen.
Am 21. Juli wurde die Zahl von 1.000 bestätigten Ebola-Toten in der DR Kongo überschritten. Am 25. Juli [2][waren es schon 1.354]. Von den registrierten Infizierten sterben derzeit nach amtlichen Angaben 44 Prozent, nur 17 Prozent genesen. Und die registrierten Zahlen geben nur einen Bruchteil der Realität wieder. Das Kerngebiet der Seuche ist Konfliktgebiet, lokale Milizen wüten seit Jahrzehnten, es herrscht Kriegsrecht und die Staatsverwaltung besorgt daher Kongos notorisch unfähiges und brutales Militär.
Die Mehrheit der Menschen lebt im absoluten Elend, die meisten Kinder wachsen ohne Bildung auf, Fake-Informationen über Ebola fallen bei einer perspektivlosen und entrechteten Bevölkerung auf fruchtbaren Boden. Die weitere Ausbreitung der Seuche, sagen Experten, ist kaum zu vermeiden, denn die nötige Nachverfolgung aller Kontakte von Infizierten liegt weit unterhalb der Schwelle, ab der eine nachhaltige Eindämmung möglich ist.
[3][Medizinische Hilfe von außen] muss da vorrangig die bestehenden Gesundheitssysteme stärken und ihre Arbeitsfähigkeit sicherstellen. Aber die logistischen, politischen, sicherheitstechnischen und auch psychologischen Hürden sind außergewöhnlich hoch. Die bei früheren Epidemien gerade auch in der DR Kongo entwickelten und bewährten Präventions- und Behandlungsmethoden greifen bei der jetzt festgestellten neuen Variante ohnehin nur unzureichend. In einem Umfeld, wo schon das Fehlen von sauberem Wasser und die Nichterreichbarkeit von Dörfern ein kurzfristig nicht zu lösendes Problem darstellen, sind die Herausforderungen noch viel größer.
Die Präsenz internationaler Organisationen in der DR Kongo hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verringert, die Friedensbemühungen für das Land sind zum Stillstand gekommen, und ob die Regierung als verlässlicher politischer Partner funktioniert, wird [4][zunehmend hinterfragt]. Aber das darf kein Grund sein, eine tödliche, aber prinzipiell zu bewältigende Epidemie außer Kontrolle geraten zu lassen.
27 Jul 2026
LINKS
[1] /Ebola-in-der-DR-Kongo/!6181883
[2] https://x.com/StanysBujakera/status/2081158620247703637
[3] /Ebola-Ausbruch-in-der-DR-Kongo/!6195190
[4] /Kampf-um-die-Verfassung-der-DR-Kongo/!6197291
AUTOREN
Dominic Johnson
Schwerpunkt Demokratische Republik Kongo
Ebola
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