taz.de -- Leichtathletik: Ein schnell laufendes Verfahren
Owen Ansah wurde in 10,0 Sekunden erneut Deutscher Meister über 100 Meter. Doch gegen ihn wird ermittelt: Er soll einen Dopingtest verweigert haben.
Bild: Owen Ansah nach seinem Sieg: nachdenklich und von Medien beobachtet
„Ich wollte eine Show bieten“, erklärte Owen Ansah nach seinem erfolgreichen 100-Meter-Sprint in Wattenscheid. Dort, im Lorheidestadion, das früher auch schon Bundesligafußball erleben durfte, haben die [1][Leichtathleten] am Wochenende ihre Deutschen Meisterschaften ausgetragen.
Ein bisschen abseits der „Finals“ in Hannover, wo 24 Sportarten sich für mehr Medienaufmerksamkeit zusammengetan haben und wo die Leichtathletik nur mit dem Hingucker Stabhochsprung vertreten ist. Vielleicht, weil es in Wattenscheid keinen Opernplatz gibt, der als Austragungsort herhalten könnte.
Der Wattenscheider Hingucker heißt [2][Owen Ansah]. Doch das liegt nicht – zumindest nicht nur – daran, dass der 25-jährige [3][Hamburger] seinen Titel zum dritten Mal ersprintet hat, diesmal in 10,0 Sekunden, zwei Hundertstel über seinem eigenen deutschen Rekord.
Es liegt vielmehr daran, dass gegen Ansah ein „sportrechtliches [4][Ergebnismanagementverfahren]“ eingeleitet wurde – ein Begriff, den auszusprechen beinah so lange dauert wie ein Sprint. Ansah wird vorgeworfen, am 9. Juli einen Dopingtest verweigert zu haben.
Er war gerade dabei, berichtet er, zum Flughafen aufzubrechen, weil er kurzfristig zum Diamond-League-Meeting nach Monaco nominiert worden war. Außerhalb des ihm genannten 60-Minuten-Zeitfensters, zu dem sich ein Athlet für Dopingproben bereithalten muss, sei der Kontrolleur erschienen. Er habe so kurzfristig keine Probe abgeben können, sei kurz zuvor auf der Toilette gewesen, und er sei recht spät dran gewesen.
Soweit wird dieser Geschichte nicht widersprochen. Auch dass er beim Meeting in Monaco und am Tag drauf wieder getestet wurde, ohne dass ein positiver Befund bekannt wurde, ist unstrittig. Ansah berichtete jedoch zudem, der Kontrolleur habe ihm nicht mitgeteilt, welche Konsequenzen dieser Nicht-Test haben könne. Die Nationale Antidoping-Agentur (Nada) erklärte jedoch laut [5][Süddeutscher Zeitung], dass das Prozedere „nach den Vorgaben des Anti-Doping-Regelwerks“ erfolgt sei; dazu gehöre auch die „Aufklärung des Athleten über die Konsequenzen einer Verweigerung“ eines Tests.
Noch läuft das Verfahren. Und noch läuft Owen Ansah. In Wattenscheid erntete er für seine Leistung anhaltenden Applaus der 14.000 Stadionbesucher. „Es wurde viel gejubelt. Da hat mir das Publikum heute sehr, sehr geholfen“, sagte Ansah im Anschluss.
Owen Ansah gehört zu den wenigen Medaillenhoffnungen des Deutschen Leichtathletikverbandes bei den anstehenden [6][Europameisterschaften in Birmingham], weniger im Einzelrennen, denn mehr mit der 4-mal-100-Meter-Staffel. Aktuell sieht es so aus, dass er dort starten wird – trotz des laufenden Verfahrens.
26 Jul 2026
LINKS
[1] /Leichtathletik/!t5028167
[2] /Leichtathlet-Owen-Ansah/!6017853
[3] https://taz.de/Sponsoren-fuer-Sportler-im-Exil/!5799107/
[4] https://www.nada.de/recht/sanktionen/ergebnismanagement
[5] https://www.sueddeutsche.de/sport/ansah-leichtathletik-100-meter-dopingtest-li.3518111
[6] https://www.birmingham26.com/home/competitions/european-athletics-championships/overview
AUTOREN
Martin Krauss
Leichtathletik
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