taz.de -- Buckelwal Hartwin: In der Ostsee ist der nächste Timmy unterwegs
Erneut wurde in deutschen Gewässern ein Buckelwal gesichtet. Er zeigt ein ähnliches Verhalten wie Timmy – und wird wohl bald sterben.
Bild: Vermutlich Wal Hartwin, von einer Brücke in Dänemark fotografiert
Nach dem Tod von Buckelwal Timmy, dessen [1][Schicksal um seine Strandung und vergebliche Rettung] wochenlang öffentlich begleitet wurde, ist ein weiterer, vermutlich kranker Artgenosse in der Ostsee unterwegs. Nach Angaben des schleswig-holsteinischen Umweltministeriums wurde er zuletzt in der Kieler Innenförde gesichtet. Er soll etwa zehn Meter lang sein.
Sein Zustand zeigt Ähnlichkeiten mit jenem von Timmy: Auch er hat Hautverletzungen. Der Wal, der von Tierschützern „Hartwin“ getauft wurde, scheint eine Pilzinfektion zu haben. Darauf weisen die weiße Haut, die eigentlich dunkelgrau sein müsste, und rosa Stellen an der Rückenflosse hin. Der Meeresbiologe und Walexperte Boris Culik, den Medien im Norden häufig zitieren, vermutet, dass es Hartwin nicht gut geht. Das schleswig-holsteinische Umweltministerium hat unterdessen eine Meldekette eingerichtet, um über weitere Sichtungen schnell Bescheid zu wissen.
Es waren Tierschützer der Organisation „Stranded No More“, die dem Wal seinem Namen gegeben haben. Sie verfolgen seine Route bereits seit Wochen. Erstmals in der Ostsee sichteten sie ihn Mitte Juni, seit Anfang Juli schwimmt er in deutschen Gewässern. Er sei sehr langsam unterwegs. Auf einem Facebook-Post schrieben sie: „Sobald Wale so tief in die Ostsee vordringen, schaffen sie es nie wieder lebend aus eigener Kraft heraus.“
Auch der Walexperte Heiko Buch-Illing sagte Ende Juni gegenüber der ProSieben-Nachrichtensendung Newstime: „Da gibt’s keine Chance. Er wird sterben.“ Entweder werde der Wal innerhalb der nächsten Wochen stranden oder ertrinken. Buch-Illing äußerte zu dem Zeitpunkt ebenfalls, dass er hoffe, dass Hartwin nicht in Deutschland strande, damit ihm nicht das Gleiche passiere wie Timmy.
Timmy war nach wochenlanger Strandung mit einer Barge tagelang in die Nordsee transportiert worden, wo er dann ausgesetzt wurde. Es wird davon ausgegangen, dass sich der ohnehin extrem geschwächte Wal dabei weitere Verletzungen zuzog. Diese sogenannte Rettungsaktion wurde von einer privaten Initiative bezahlt und durchgeführt.
Wochen später wurde [2][vor der Ostsee-Insel Anholt ein Walkadaver angespült, der als Timmy identifiziert wurde]. Die Todesursache konnte [3][bei der Obduktion] nicht mehr festgestellt werden, Experten gehen jedoch davon aus, dass der Wal wenige Tage nach seinem Aussetzen ertrunken sei, wie sie prognostiziert hatten.
22 Jul 2026
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[1] /Buckelwal-Timmy/!6195544
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AUTOREN
Eva Fischer
Meeresbiologie
Meeressäuger
Wale
Ostsee
GNS
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