taz.de -- momentaufnahmen: Wenn man dem Schicksal auf die Finger guckt
Bild:
Straßenfest in Hamburg-Altona: In einer Nebenstraße tanzen ein paar Menschen vorsichtig vor einer Bühne, auf der ein Techno-DJ auflegt. Gleich um die Ecke bietet eine junge Frau an, Besucher*innen das Tarot zu legen. Auf ihrem kleinen wackeligen Holztisch mit blau gemusterter Tischdecke steht ein Bilderrahmen mit einer Preisliste. Ihre Angebote: ein Impuls für den Moment, Hilfestellung bei einer wichtigen Entscheidung oder eine ausführliche Zukunftsvorhersage. Neben der Liste liegt eine laminierte Karte mit einem QR-Code für Paypal.
Ich setze mich ihr gegenüber auf einen Klappstuhl. Wegen der Bässe von nebenan müssen wir sehr die Köpfe zusammenstecken. „Ich werde mich jetzt mit deiner Energie verbinden“, kündigt sie an und mischt die Karten mit geschlossenen Augen. Ihre Hände bewegen sich schnell, im Takt der Musik durchkämmen sie den Stapel. Eine erste Karte fällt ihr beim Mischen aus der Hand und segelt auf den Tisch herab. Eine zweite und dritte folgen.
Hat sie das gar nicht gemerkt? Doch dann öffnet sie die Augen und greift nach den herabgefallenen. „Das sind deine Karten“, sagt sie und legt sie vor mir aus. Martje Menzel
1 Aug 2026
AUTOREN
Martje Menzel