Ein Expertenbericht empfiehlt, Jugendlichen den Zugang zu Social Media erst ab 13 Jahren zu erlauben. Ursula von der Leyen will im September EU-Gesetz vorschlagen.
Bild: Nicht besonders instagramable: Ursula von der Leyen bei der Präsentation des Social-Media-Berichts am Montag in Brüssel
dpa/kna/afp | Von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen beauftragte Experten empfehlen, den Zugang zu Social Media für Kinder unter 13 Jahren in allen Mitgliedsländern zu beschränken. Die Nutzung sozialer Medien und anderer digitaler Dienste sollte bis zu dieser Altersgrenze nur unter Aufsicht der Eltern oder in einem pädagogischen Kontext sowie zeitlich begrenzt erfolgen, heißt es in einem in Brüssel vorgestellten Bericht.
Von der Leyen nannte den Bericht „sehr überzeugend“. „Soziale Medien sind kein Spielzeug“, betonte die Kommissionspräsidentin. „Wir müssen einen schrittweisen Zugang für unterschiedliche Altersgruppen in Betracht ziehen“, fügte sie hinzu. Bestimmte Internetseiten und Apps könnten also ab 13 Jahren erlaubt sein, andere ab 15 oder 16 Jahren.
Von der Leyen will im September ankündigen, wie sie die Empfehlungen des Gremiums in EU-Gesetze umsetzen will. Die EU-Kommission muss dafür zunächst einen Gesetzesvorschlag machen, über den anschließend das Europaparlament und der Rat der 27 Mitgliedstaaten beraten müssen.
Zahlreiche EU-Länder planen bereits eigene Social-Media-Verbote, darunter Dänemark, Spanien, Griechenland und Frankreich. In Deutschland hat sich ein Expertengremium für eine EU-weite Lösung ausgesprochen, Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) will bis Jahresende aber auch einen eigenen Gesetzentwurf vorlegen. [1][Die deutschen Experten hatten zu einem Verbot] für Kinder unter 13 Jahren oder zu Beschränkungen für einzelne Dienste je nach Risiko geraten.
Jedes EU-Land kann theoretisch ein eigenes Mindestalter festlegen, für die Umsetzung ist aber ohnehin die EU-Kommission zuständig. Sie überwacht die großen Onlinedienste wie Instagram, Tiktok und Snapchat, nur sie kann die Konzerne zu Änderungen zwingen und bei Verstößen Bußgelder verhängen.
13 Jul 2026
LINKS
[1] /Social-Media-Verbot-fuer-Jugendliche/!6187306
Big Tech
Social Media
Europäische Union
Ursula von der Leyen
ARTIKEL ZUM THEMA
Handys an Schulen: Drei Bundesländer verschärfen die Handyregeln
Sachsen und Bayern weiten das Handyverbot aus. Und in Rheinland-Pfalz zeigt die Neubesetzung des Bildungsministeriums Wirkung.
Nach Verbotsplan für Kinder: Briten wollen 16- und 17-Jährigen nachts Social Media sperren
Nach dem Social-Media-Verbot für Kinder will die britische Regierung auch Älteren die sozialen Medien abdrehen – zumindest zeitweise.
Verbot von Social Media: Australien verdoppelt Geldstrafe für Konzern-Verstöße
Unter-16-Jährige dürfen in Australien keine sozialen Medien nutzen, aber das Verbot wirkt kaum. Das Land geht nun mit härteren Strafen gegen Konzerne vor.
Social-Media-Verbot für Jugendliche: The Kids are online
Eine Kommission hat jetzt Altersgrenzen vorgeschlagen, die Kinder und Jugendliche online schützen soll. Doch viele Hoffnungen dürften sich kaum erfüllen.
Leben ohne Social Media: „Nach zwei Wochen verbessert sich die psychische Gesundheit“
Wie wirkt Social Media auf die Psyche? Die Psychologieprofessorin Julia Brailovskaia über die Mechanismen von Plattformen und was Abstinenz bringt.