taz.de -- Mikrokredite in Kambodscha: Weltbank-Kontrolleurin zieht Konsequenzen aus Skandal
Die rücksichtslose Vergabe von Mikrokrediten hat in Kambodscha dramatische Folgen. Die zuständige Weltbank-Tochter weist die Verantwortung von sich.
Bild: Die Weltbankzentrale in Washington DC: Ihre Tochterfirma IFC will für die Folgen ihre Mikrokredite keine Verantwortung tragen
Die Chefin der internen Aufsichtsbehörde der Weltbank (CAO), Janine Ferretti, ist zurückgetreten. Das gab sie auf einem sozialen Netzwerk bekannt. Kurz zuvor hatte die Weltbanktochter International Finance Corporation (IFC) Ergebnisse einer Untersuchung zur Finanzierung von Mikrokrediten in Kambodscha zurückgewiesen.
Der [1][Untersuchungsbericht der CAO] hatte schwerwiegende Vorwürfe an die Weltbanktochter IFC gerichtet. Sie habe bei der Finanzierung von Mikrofinanzinstituten in Kambodscha in mehreren Bereichen gegen ihre Nachhaltigkeits- und Sozialrichtlinien verstoßen.
Teils rücksichtslose Kreditvergabe und aggressive Schuldeneintreibung haben dort zu hoher Überschuldung geführt. [2][Kreditnehmende verkauften ihr Land] – und damit ihre Lebensgrundlage –, um Schulden zu begleichen, einige Menschen nahmen sich sogar das Leben. Auch Fälle von Kinderarbeit sind nachgewiesen.
Laut der Aufsichtsbehörde habe die IFC trotz dieser bekannten Risiken investiert und keine ausreichenden Maßnahmen ergriffen, um die Gefahr der Überschuldung und sozialer Schäden zu minimieren. Die IFC erklärte hingegen, „Risiken und Auswirkungen im Zusammenhang mit Kreditvergabe- und Inkassopraktiken“ fielen nicht unter ihre Richtlinien zum Umwelt- und Sozialschutz.
Naly Pilorge arbeitet für die Menschenrechtsorganisation Licadho, die bei der Weltbankaufsichtsbehörde Beschwerde eingelegt hat. Für sie offenbart die Zurückweisung der Ergebnisse durch die IFC „eine moralisch verwerfliche Herangehensweise an Investitionen und eine schockierende Missachtung der Rolle eines unabhängigen Mechanismus zur Rechenschaftspflicht“.
Die Soziologin Sophia Cramer, die seit Jahren zu Mikrokrediten arbeitet, kritisiert: „Die IFC begründet ihre Investitionen in Mikrokredite damit, benachteiligten Menschen wirtschaftliche Chancen zu eröffnen. Mit ihrer Entscheidung entzieht sie sich jedoch ihrer Verantwortung gegenüber genau dieser Zielgruppe.“
Einige Wissenschaftler*innen, darunter Cramer, haben [3][vor Kurzem hingegen zu einer Verbesserung der Schutzstandards aufgerufen]. Aktuell werden die Nachhaltigkeitsregeln der IFC überarbeitet.
29 Jun 2026
LINKS
[1] https://www.cao-ombudsman.org/sites/default/files/downloads/CAO-InvestigationReport-CambodiaFI04-Oct102025-ENG.pdf
[2] /Entwicklungsgelder-fuer-Mikrokredite/!6009126
[3] https://www.findevgateway.org/news/researchers-and-microfinance-experts-call-on-ifc-to-better-integrate-borrower-related-risks
AUTOREN
Leila van Rinsum
Weltbank
Mikrokredite
Schulden
Kambodscha
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