taz.de -- Die Wahrheit: Topfschlagen mit Regierungschefs
Irland lässt sich die halbjährige EU-Ratspräsidentschaft ab 1. Juli ordentlich was kosten – auch 27 Eiswagen und, ja, ein Clown sind dabei.
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Ein Kindergeburtstag ist diese EU-Präsidentschaft. Das glaubt offenbar die irische Regierung, die zum achten Mal eben diese Präsidentschaft für sechs Monate turnusmäßig am 1. Juli übernimmt. Um das Ereignis gebührend zu feiern, hat man fast 600.000 Euro für Tragetaschen, Schreibwaren und andere Werbeartikel ausgegeben, darunter 11.000 Regenschirme, was in Anbetracht des irischen Klimas zumindest nützlich sein könnte.
Allerdings sind viele Werbepakete an 99 Städte weltweit verteilt worden. So hat man 100 Pakete nach Addis Abeba und Maputo sowie 200 Pakete an den Vatikan geschickt. Dort erscheinen die Regenschirme weniger passend. Aber vielleicht können die Päpste ja etwas mit den Tragetaschen anfangen. Davon will die Regierung 56.400 Stück anschaffen, sie enthalten einen A5-Notizblock und einen Kugelschreiber. Das kostet insgesamt fast 450.000 Euro plus Mehrwertsteuer, aber dafür werden alle Utensilien mit dem Logo der irischen EU-Präsidentschaft versehen. Außerdem gibt es 6.000 Ansteckpins und 3.000 Schlüsselbänder.
„Die erfolgreiche Durchführung der EU-Ratspräsidentschaft, einschließlich eines umfangreichen Veranstaltungsprogramms in Irland, ist entscheidend für Irlands Stellung, Einfluss und Ansehen in der EU, sowie für die Förderung der Agenda der Europäischen Union vor einem komplexen geopolitischen Hintergrund“, heißt es in der offiziellen Ankündigung.
Für das Ansehen ist auch der Transport der EU-Honoratioren wichtig. So mietet man Luxusfahrzeuge für die EU-Gipfel an, darunter gepanzerte Fahrzeuge, und die Tagungsorte werden für 22 Millionen Euro modernisiert, obwohl Irlands Premierminister Micheál Martin den Hill of Tara, 5.000 Jahre lang Inthronisierungsort der Hochkönige von Irland und heiliges Zeremonienzentrum, favorisiert hatte.
Kann Irland sich verteidigen?
Die Gesamtkosten für die Ausrichtung der Präsidentschaft werden sich auf fast 300 Millionen Euro belaufen. Ein Großteil entfällt auf Sicherheitsmaßnahmen, darunter 125 Millionen Euro an die Garda Síochána – die Wächter des Friedens, wie die irische Polizei heißt – für Überstunden und Aufrüstung. Es gab nämlich erhebliche Bedenken wegen der Verteidigungsfähigkeit Irlands, falls ein Schurkenstaat wie Russland versuchen sollte, während einer Veranstaltung einen Drohnenangriff zu starten.
Wer die Iren kennt, weiß aber, dass der Spaß nicht zu kurz kommen wird. So will man am 21. September, dem von den Vereinten Nationen ausgerufenen Weltfriedenstag, eine Party mit 27 Eiscreme-Wagen und einem Clown veranstalten. Diese Rolle ist Friedrich Merz auf den Leib geschneidert, er hat aber noch nicht zugesagt.
Höhepunkt wird das Topfschlagen für die Regierungschefs der EU sein, wobei dem orangefarbenen keltischen Kupferkessel eine blonde Perücke übergestülpt wird, um die Teilnehmer und Teilnehmerinnen zu beherztem Zuschlagen zu animieren.
29 Jun 2026
AUTOREN
Ralf Sotscheck
Kolumne Die Wahrheit
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