taz.de -- KI-generierte Musik besser erkennen: Denn es ist nicht egal
Streamingdienst Deezer macht KI-generierte Musik transparent. Nun hat er ein Tool eingeführt, mit dem sich das auch bei der Konkurrenz erkennen lässt.
Bild: Blöde KI-generierte Musik schmerzt in den Ohren
Ob auf Social Media, im Radio oder bei Streamingdiensten: KI-generierte Musik läuft mittlerweile überall. Aber wird sie überhaupt gemocht und akzeptiert? Eine Studie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel wirft diesbezüglich ernste Fragen auf. In Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftswissenschaftlicher Michel Clement von der Universität Hamburg haben die Ökonominnen Jana Friedrichsen und Julia Schwarz interessante und zugleich ambivalente Ergebnisse ermittelt.
Noch bevor KI-Musik zum Mainstream-Thema wurde, ergab eine zwischen 2018 und 2021 durchgeführte Befragung von 6.000 Menschen bereits, dass diese nicht per se Musik ablehnen, wenn sie nicht von Menschen gemacht ist. Nach dem Hype von KI-Musik im Mainstream folgte eine Befragung von Fans elektronischer Tanzmusik. Je drei KI-generierte Songs bekamen diese vorgespielt. Zunächst wurden die drei Hörbeispiele positiv bewertet. Anders war das Ergebnis, wenn die Befragten vorab über die Machart der Musik informiert waren: dann bewerteten sie diese schlechter.
In der letzten Studie wurden neben Elektronik-Fans (die allgemein Maschinenmusik gegenüber offener sind) auch Pop-Hörer:innen (denen die Identifikation mit echten Menschen wichtig ist) befragt, womit die Studie ein Stimmungsbild im Mainstream-Publikum abbildet. Bei Blindtests, die menschengemachte Musik mit KI-generierter Musik mischten, zeigte sich: Musik aus der Retorte kam sogar besser an, als die Menschengemachte.
In der Machart begründet
Wirtschaftswissenschaftlerin Schwarz mutmaßt, dass dies [1][in der Machart von KI-Musik begründet] liegt: „Die Trainingsdatensätze bestehen aus Musik, die gut ankommt, weshalb die Resultate dem ähneln, was wir sowieso mögen.“ Das heißt aber noch nicht, dass KI-Musik per se akzeptiert wird.
Einer der insgesamt vier Testgruppen wurde nachträglich die Machart der Hörbeispiele offenbart und eine neue Bewertung ermöglicht. Ergebnis: Die Wertschätzung nahm sofort ab. „Das Label an sich hat eine stärkere Gewichtung als die Musik“, erläutert Schwarz.
[2][Streamingdienste versehen KI-generierte Musik bis jetzt kaum mit einem solchen Label.] Doch Konsument:innen wurde nun ein Werkzeug dafür in die Hand gegeben: [3][Letzte Woche führte der französische Streamingdienst Deezer, der selbst seit geraumer Zeit KI-Musik kennzeichnet, ein Feature ein,] mit dem Nutzer:innen von der Konkurrenz ihre Playlists und Musikbibliotheken auf den Anteil KI-generierter Musik untersuchen lassen können.
Eine clevere PR-Maßnahme für ein Unternehmen, das sich als Anlaufstelle für KI-müde Konsument:innen anbietet. Zugleich übt Deezer damit auch Druck auf andere Plattformen aus, in Zukunft für mehr Transparenz zu sorgen. Selbst wenn Hörer:innen beim ersten Hören Wohlgefallen an KI-Musik finden: Der Unterschied ist ihnen nicht egal. Das wird sicherlich einen Einfluss darauf haben, wo sie ein Streaming-Abo abschließen.
18 Jun 2026
LINKS
[1] /KI-Remixtools-bei-Spotify-Urheberrechte-und-Kuenstlerschutz-bisher-ungeklaert/!6182190
[2] /Probleme-beim-Musikstreaming-Boom/!6072418
[3] https://www.deezer.com/explore/de/ai-music-detector/
AUTOREN
Kristoffer Cornils
Streaming
Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
Transparenz
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