taz.de -- Aus dem Tagebuch des Fifa-Präsidenten: Chillt doch endlich mal ne Runde!
Nach einer mal wieder leidigen Pressekonferenz ist Gianni Infantino genervt. Er denkt über die Gründung einer Fifa-Journalistenschule nach.
Bild: Infantino beim Nachhilfeunterricht für Journalisten
11. Juni 2026
Eigentlich ist alles bestens. Wir haben die besten Fußballspieler der Welt hier in Mexiko, den USA und Kanada versammelt, die besten Trainer, die besten Schiedsrichter. Aber wie fantastisch wird dieses Turnier erst, wenn nur noch die besten Journalisten vor Ort sind. Bei der Pressekonferenz gestern war wieder zu spüren, dass der Weltfußball an dieser Stelle ein Problem hat. Vielen fehlt es an einem Grundverständnis, was die Fifa alles leistet. Ich habe es satt, immer wieder das Selbstverständlichste erklären zu müssen. Zum Glück muss ich das auch nur alle drei, vier Jahre machen.
Vielleicht sollte ich ein Fifa-System einführen lassen, in dem alle Fragen erfasst und mit Punkten bewertet werden. Dann könnten sich nur die besten Journalisten für eine WM qualifizieren. Und wir sollten eine Fifa-Journalistenschule ins Leben rufen. Das könnten wir im Rahmen eines Demokratieprogramms aufsetzen. Es gibt ja schon auch ein paar gute Journalisten. Richtig gut fand ich die Frage, wer mein WM-Favorit ist.
Einigen Journalisten scheint es aber nicht um den Fußball zu gehen, sondern darum, mir und der Fifa zu schaden. Deshalb war ich schon etwas vorsichtiger als beim letzten Mal vor der WM in Katar. Das war damals schon blöd, dass ich meine Vorabrede verschriftlicht hatte. [1][Als ich aufgezählt habe,] dass ich mich als Araber, Afrikaner, Schwuler, Behinderter und Wanderarbeiter fühle, hat doch tatsächlich einer nachgefragt, ob ich mich nicht auch als Frau fühle. Das hatte ich blöderweise vergessen, irgendjemand muss meine Rede geleakt haben.
Und dieses Mal quatscht dieser Engländer was von Kontrollverlust der Fifa, [2][weil einer von unserem 170-köpfigen Schiedsrichterteam fehlt.] Der hat natürlich nicht die Fifa-Mitteilung gelesen, in der sich der somalische Schiri bei der Fifa für ihren Einsatz bedankt.
König Donald
Wir sind nicht die Könige der Welt, habe ich ihm geantwortet. Dass es derzeit nur einen König in der Welt gibt, habe ich ihm lieber mal nicht gesagt. Das hätte wieder Geschrei gegeben. Das sage ich nur Donald. Seither nennt er mich König des Fußballs. Und jeder weiß ja, dass der Fußball die Welt regiert.
Die Aufgeregtheiten dieser Journalistenpennäler. Chillt doch endlich mal ne Runde! Wie oft habe ich schon erklärt, dass jeder Dollar, der [3][für die Tickets gezahlt wird], der Entwicklung des Fußballs dient. Eigentlich müsste eine Spendenquittung bekommen, wer ein WM-Ticket kauft. Aber das liegt leider nicht in der Macht der Fifa. Natürlich kann sich das nicht jeder leisten. Das konnte ich auch nicht, als ich damals meinen Eltern im Bahnhofskiosk ausgeholfen habe. Und jetzt?
An meinem Beispiel können doch alle sehen, was in der Welt des Fußballs möglich ist. Was jetzt nicht ist, kann ja noch werden. Aber jetzt ist genug geschrieben. Ich muss aus dem Haus, die WM eröffnen. Das wird gut.
11 Jun 2026
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