taz.de -- Konzertempfehlungen für die Stadt: Lange Tage und volles Programm

Bex Burch und Mit­strei­te­r:in­nen oszillieren zwischen Struktur und individueller Freiheit, ein inklusives Festival stellt alte Fragen neu.

Bild: Elektronik trifft auf Punk und Noise: Der kenianische Produzent Slikback ist am Samstag in der Neuen Zukunft zu sehen

Es ist ja nicht einfach, dem Wahnsinn da draußen etwas entgegensetzen. Ob Klangwelten als Modell dafür taugen? „Gegen Töne“ lautet das Motto der diesjährigen Ausgabe [1][des Crescendo]. Das Musikfestival der Universität der Künste geht bei freiem Eintritt auf die Zielgerade. Zum Finale am Samstag finden Flöte und Schlagwerk zusammen. Und der Freitag bietet Gelegenheit, zu Kammermusik runterzufahren – mit Blick auf das Wochenende sicher eine gute Idee.

Denn die kommenden Tage bieten reichlich Anlass, in Schnappatmung zu verfallen, aus Angst etwas zu verpassen. Zum Beispiel, wenn ZackiBoy zum Release seines Albums „Softy“ Höhen sowie Untiefen des Alltags berappt und besingt (13. Juni, 20 Uhr, Salon Wellenmaschine, [2][Ticketlink]). Zudem verabschiedet sich die Reihe Jazzexzess in die Sommerpause, mit einem tollen Doppelkonzert zwischen ergebnisoffenem Dialog, Abstraktion und cineastischen Momenten. Beim Quartett Tilia des Gitarristen und Komponisten Paul Jarret trifft etwa die eindrucksvolle koreanische Schlagzeugerin Sun-Mi Hong auf den tollen Leipziger Bassisten Robert Lucaciu. (13. Juni, 20.30 Uhr, House of Music, [3][Ticketlink])

Und schon ab Donnerstag lockt das [4][Festival „Paradise Must Be Nice“], das wie schon im letzten Jahr ein eklektisches Programm in atmosphärischen Räumen präsentiert. Am Freitag geht es in der Gedächtniskirche darum, eine religiöse Klangsprache nicht traditionellen Harmonien und experimenteller Elektronik gegenüberzustellen. Elektronik trifft dann am Samstag in der Neuen Zukunft auch auf Punk und Noise, unter anderem in Gestalt brachialer Sounds des kenianischen Produzenten Slikback.

Am Montag gibt es eine spannende Avantgardezusammenkunft, bei „As yet untitled“, einem Projekt der Klangforscherin und Instrumentenbauerin Bex Burch. Deren munteres Experimentieren bietet immer auch reichlich Schauwerte. Weitere Stationen der Reihe, bei der der lokale Kontext eine Rolle spielen soll, sind London, Chicago und New York. (15. Juni, 20 Uhr, Kuppelhalle des Silent Green, [5][Ticketlink])

Blank Barrierefrei

Am nächsten Freitag beginnt dann das dreitägige inklusive Improvisationsprojekt „Beyond Innocence“. Bei dem treffen professionelle Musiker:innen aus der Berliner Echtzeitmusikszene auf Schauspieler:innen mit und ohne Behinderung. An zwei Tagen in offenen Workshops, am Sonntag dann beim Abschlusskonzert, das so manches Konzept infrage stellen soll: Etwa, was Musikalität und Talent genau bedeuten? (19. bis 21. Juni, jeweils ab 18 Uhr, Ausland, [6][weitere Infos]).

Schade, dass sich das mit dem Fundraiser für „Ick mach Welle“ überlappt. Dieses ebenfalls inklusive elektronikaffine Musikprojekt, das unter anderem Workshops und ein Mentoringprogramm anbietet, erhält nämlich seit diesem Jahr keine Förderung mehr und braucht jede Unterstützung. Jenseits [7][der aktuell laufenden Crowdfundingkampagne] gibt es am Samstag Gelegenheit, das bemerkenswerte Output von Menschen mit und ohne Behinderung live zu erlauschen, im Rahmen des Festivals „Alle oder keine:r“ (20. Juni, ab 16 Uhr, About Blank, [8][Ticketlink]).

12 Jun 2026

[1] https://www.udk-berlin.de/universitaet/fakultaet-musik/veranstaltungen-und-projekte/crescendo26/

[2] https://rausgegangen.de/events/zackiboy-softy-releaseshow-0/

[3] https://www.eventbrite.de/e/jazzexzess-w-lucia-martinez-the-fearless-paul-jarret-tilia-tickets-1986890212110?aff=oddtdtcreator

[4] https://www.paradisemustbenice.de/

[5] https://www.eventbrite.de/e/bex-burch-as-yet-untitled-tickets-1986412147205?aff=SGWeb1

[6] https://ausland.berlin/de/eveant/beyond-innocence-workshop-series

[7] https://gofund.me/87b7adad0

[8] https://de.ra.co/events/2438479

AUTOREN

Stephanie Grimm

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