taz.de -- Spahn, „Nius“ – und aber Ewald Lienen: „Betagte Onkels und Tanten übernehmen die Doppelruine“
Heiß konnte es immer schon mal werden, aber eben nicht menschengemacht! Die Intrige gegen Merz erscheint dagegen Spahn-gefertigt. Und die FDP? Really?
Bild: Dürfte die DFB-Elf mit einem haltungsstarken Menschen wie Ewald Lienen in die USA einreisen?
taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in dieser Woche?
Friedrich Küppersbusch:Spiegel online hängt in einer [1][Murmeltierschleife mit irgendwelchen Nazi-Karteien] fest.
taz: Und was wird besser in der nächsten?
Küppersbusch: Vielleicht finden sie die AfD-Mitgliederkartei.
taz: Die WM steht vor der Tür, wie sehr werden die Menschen zu [2][Patrioten] in den kommenden Wochen?
Küppersbusch: Schade, dass kein Spieler wie der legendäre Friedensaktivist und DKP-Kandidat Ewald Lienen in Nagelsmanns Aufgebot dabei ist. „Trump-Regime verbietet deutscher Mannschaft die Einreise“ wäre doch geiler als in der Vorrunde rausfliegen wie immer.
taz: Es gibt Gerüchte darüber, dass Kanzler Merz abgesetzt werden solle. Kann sich Jens Spahn schon mal warmlaufen?
Küppersbusch: Soll? Ist! Spahns Warmlaufen besteht genau darin, seine Springer-Fanboys ein wüstes Wüst-Gerücht herausplästern zu lassen. Ergebnis: Merz wird schärfer infrage gestellt und so weiter demoliert. Wüst muss schicklich unziemliche Ambitionen dementieren. Zugleich orchestrieren Medien eine Söderdämmerung in Bayern und weiß in der Union jeder: Wüst müsste man zum Jagen tragen, sein präsidiales Image und das Wort „Putsch“ leben in unterschiedlichen Sonnensystemen. Kurz: Die zugegeben frivole Frage „Wem hat das alles genutzt“ findet ihre überraschende Antwort in – Jens Spahn.
taz: Die FDP wurde für tot erklärt. Was kann Kubicki noch reißen?
Küppersbusch: Die Lindner-Erzählung war: In einem großen, alten, morschen und verkalkten mittelständischen Unternehmen gründet der Enkel ein schickes Start-up und erfindet den ererbten Laden (Erbschaftsteuern runter!) neu. Das hat funktioniert, war gelogen, ist gescheitert. Das neue Narrativ wäre also, dass ein paar betagte Onkels und Tanten nun die Doppelruine übernehmen. Die Sesamstraße wird jetzt aus der Loge von Waldorf und Statler regiert. Kubickis neuer Generalsekretär Martin Hager führt die [3][Lobbygruppe „Republik 21]“, die sich mit 2 Millionen Euro Steuergeld aus dem Bundespresseamt abmüht, der Union die Brandmauer auszureden. Seine FDP würde nicht mit der AfD koalieren, verspricht Kubicki, zugleich sollte das die Union aber mal nicht ausschließen. Damit schnurrt die neue FDP auf eine Art „Weißer-Kragen-Rechtspartei“ zusammen und grüßt damit aus den 50ern, wo die AfD zu Hause ist.
taz: Der ungarische Regierungschef Magyar kämpfte diese Woche für die Freigabe von EU-Geldern in Brüssel. Erfüllt Ungarn ohne Orbán jetzt die Voraussetzungen dafür?
Küppersbusch: Ich glaub, so was nennt man „Vorschuss“.
taz: „Nius“ macht Werbung in der BVG. Würden Sie das verbieten, wenn Sie könnten?
Küppersbusch: „Nius“ macht vor allem moribunde Verluste, 33 Millionen Euro ausweislich der öffentlichen Zahlen aus 22–24. Das finanzieren wir übrigens alle mit, wenn wir Arztpraxen konsultieren, wo [4][Mäzen Gotthardts] Medizin-Software installiert ist. Unter Gesundheitsminister Spahn soll sein Business besonders gut gelaufen sein. Stichwort: Zwangsgebühr. Jedenfalls brennt da auch lichterloh viel Geld für digitale und andere Werbung ab, günstigere Empfehlungen für „Nius“ etwa bei Youtube. Wie man es mit dieser Riesenkohle schafft, nur 524.000 Gratis-Abonnenten einzusammeln, bleibt erstaunlich. Zumal, wenn man dagegen journalistische Kanäle betrachtet wie „Jung & Naiv“ (614.000 Abos) oder „Parabelritter“ (706.000 Abos) und viele andere. Und die sind, eher taz-Style, crowd- und userfinanziert. Dass „Nius“ nicht aus sich heraus überzeugt, sondern Werbung und Reichweite kauft, ist offensichtlich. Um so erstaunlicher: Andere Medien fallen drauf rein und verwechseln das mit Relevanz.
taz: Europa hat der sogenannte Heat Dome erreicht. Helfen fancy Begriffe dabei, dass die Leute endlich verstehen, wie arg die Erde erhitzt ist?
Küppersbusch: Die vordergründige Erklärung mit einem Hitzestau unter einem hermetischen Hochdruckdeckel – „Heat Dome“ eben – ist die gleiche, wie sie vor 100 Jahren gewesen wäre. Nur eben auf einer bereits rund 1,5 Grad menscherwärmten Erde. Letzteres fällt in der Berichterstattung gern hinten runter, kennt man, nichts Neues, Miesepeterkram.
taz: Und was macht der RWE?
Küppersbusch: Ja, Mist. Erst in der Relegation knappst gescheitert, und prompt gehen jetzt mal gleich acht Spieler. Manche werden zweite Liga spielen, halt ohne RWE.
Fragen: Viktoria Isfort, alec
31 May 2026
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Friedrich Küppersbusch
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