taz.de -- Industrie in der Krise: Katherina Reiche ist die wahre Low Performerin

127.300 Industriejobs gingen in einem Jahr verloren. Und was macht das Wirtschaftsministerium? Es teilt ein billiges Motivationsvideo von Lobbyisten.

Bild: Wenn es um den Schutz von Arbeitsplätzen in der Industrie geht, hat Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) wenig Ideen

Es stellt sich langsam die Frage, wer die eigentlichen Low Performer in diesem Land sind. Sind es, [1][wie der Kanzler meint], die rund 45 Millionen Menschen, die tagtäglich malochen gehen und sich [2][angesichts der gegenwärtigen Krise] fragen, ob ihr Job sicher ist und sie sich Miete, Lebensmittel und Tanken noch leisten können? Oder sitzen die eigentlichen Leistungsverweigerer ganz woanders?

Dass das Land in einer wirtschaftlichen Krise steckt, ist nicht zu leugnen. Insbesondere einst gut bezahlte Industriejobs stehen auf der Kippe. Innerhalb eines Jahres sank ihre Zahl um 127.300, so die Beratungsgesellschaft EY in einer neuen Studie. Seit 2019 sind damit 341.500 Industriearbeitsplätze weggefallen. Doch sinnvolle Vorschläge, wie die Krise überwunden, neue Technologien gezielt gefördert und neue Märkte erschlossen werden können, kommen aus „der Wirtschaft“, also von den Bossen, keine. Stattdessen ist das Gejammere in den Lobbyverbänden und Chefetagen groß, dass Arbeitskosten, Energiepreise und Bürokratie zu viel seien.

Auch das Bundeswirtschaftsministerium hält sich mit guten Ideen vornehm zurück und schraubt lieber Transformation und Klimaschutz zurück. Aktueller Höhepunkt seiner Low Performance: Das Ministerium teilte auf X ein Imagevideo der [3][Initiative Neue Sozial Marktwirtschaft]. Tenor des 50-sekündigen Motivationsclips: Deutschland kann die Wirtschaftswende schaffen, es brauche nur Reformen. Was die berüchtigte Lobbyorganisation damit bezwecken will, ist klar: Druck machen, dass die Bundesregierung den Sozialstaat abbaut, die Renten kürzt und [4][den Achtstundentag schleift].

Dass Katherina Reiches Ministerium das Video teilt, zeigt einmal mehr, wie ideenlos sie angesichts der gegenwärtigen Krise ist. Die CDU-Politikerin ist die eigentliche Low Performerin im Land. Dass sie noch nicht abgesetzt wurde, hat einen Grund: [5][Sie setzt sich willfährig für die Interessen der Wirtschafftsverbände ein], die vor allem ein Ziel verfolgen: die Kosten der Krisen auf die Beschäftigten abzuwälzen.

25 May 2026

[1] /Arbeitspolitik-des-Kanzlers/!6144359

[2] /Ein-Jahr-Bundesregierung/!6175073

[3] /Initiative-Neue-Soziale-Marktwirtschaft/!5159288

[4] /Bundestag-debattiert-ueber-Arbeitszeit/!6181475

[5] /Gestaerkte-Wirtschaftsministerin-Reiche/!6166576

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Simon Poelchau

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