taz.de -- Buschfeuer in Spanien: Wisente, Ziegen und Schafe gegen Waldbrände

Billiger als teuere Maschinen sind Weidetiere, die Brandschneisen von Gestrüpp und Unterholz freihalten. In Spanien laufen mehrere Projekte.

Bild: Herden gegen Buschfeuer: Grasen für Feuerschneisen

Mit Wisenten und Weidetieren die Waldbrandgefahr senken: Dies ist die Idee hinter einer Reihe von Projekten in Spanien. In El Recuenco, einem 80 Einwohner zählenden Ort am Oberlauf des Tajo in der zentralspanischen Provinz Guadalajara, wurden neun Wisente – das größte europäische Säugetier – angesiedelt. [1][Sie leben halbfrei, das heißt, in einem eingezäunten, wenn auch öffentlich zugänglichen Gebiet von rund 400 Hektar.] Die Organisation Rewilding Spain will untersuchen, wie sie sich an die mediterrane Vegetation anpassen und wie sie den Wald sauber halten.

Die Idee hinter dem Projekt: Die Wisente fressen das Unterholz in den Wäldern. Dort, wo nur Gestrüpp steht, werden nach und nach Wiesen entstehen. Denn die Tiere fressen und knabbern die Pflanzen an, diese sterben ab. Auf den durch die Ausscheidungen der Tiere gut gedüngten Freiflächen wachsen dann Gras und Kräuter.

Das Projekt wird von Wissenschaftlern der nordspanischen Universität des Baskenlandes und der britischen Universität Manchester begleitet. „Für so kleine Gemeinden mit einer riesigen Gemarkung ist es entscheidend, Wege zum Schutz der Umwelt zu finden. Diese Wisente können uns dabei helfen“, hofft Enrique Collada, Bürgermeister von El Recuenco.

Weitere Konzepte in mehreren Provinzen

Ein ähnliches Konzept, wenn auch mit weniger ungewöhnlichen Tieren, verfolgen mehrere Provinzen in Spanien. Sie zahlen Schafs- und Ziegenhirten zwischen 3.000 und 6.000 Euro Zuschuss pro Jahr, damit sie bestimmte Gebiete beweiden. Es geht dabei vor allem um Ginster und anderes Gestrüpp, das nach und nach die überall in Spanien angelegten Schneisen gegen Waldbrände wieder zuwuchert. Diese Pflanzen sind leicht entzündbar und sorgen so dafür, [2][dass das Feuer von einer Seite der Schneise zur anderen kann, was schwere Waldbrände begünstigt.]

Ziegen und Schafe fressen die Triebe des Gestrüpps. Dieses stirbt ab. Nach und nach entstehen auch hier Freiflächen, die mit Gras bewachsen sind. Mancherorts wird auch altes Weideland wieder zurückgewonnen. Es wucherte in den letzten Jahrzehnten völlig zu, da immer mehr Tierhaltung in großen Ställen und nicht wie früher in der Natur stattfindet. Eine Herde von 400 bis 500 Schafen kann eine Waldbrandschneise von rund 100 Hektar sauber halten. Die Zuschüsse an die Hirten sind wesentlich billiger, als mit Maschinen und Personal anzurücken.

16 May 2026

[1] /Wisente-in-Deutschland/!6081677

[2] /Klimawandel-in-Europa/!6174535

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Reiner Wandler

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