taz.de -- Daten Ü-40: Peitsche, Gitter, Plastikmatratze

Mira Milborn besucht zum ersten Mal einen BDSM-Club. Sie trägt kein Höschen und die Plastikmatratze ist unsexy. Abschrecken lässt sie sich aber nicht.

Bild: Ausflug in den Sexclub

F. mustert mich, als ich aus dem Bus steige. „Du bist wohl auf Clubbing aus“, sagt er leicht amüsiert, zieht mich an sich und küsst mich. Ich trage High Heels mit 7-Zentimeter-Pfennigabsätzen über Nylonstrümpfen, viel mehr sieht er gar nicht, mein Kleid liegt unter meinem Mantel verborgen.

Es ist eng anliegend, mit freier Schulter und Outcuts über der Brust und in der Hüfte. Ich habe keine Ahnung, was das passende Outfit gewesen wäre, ich habe gegoogelt, und etwas Schwarzes, Kurzes online bestellt, das für mein Verhältnis viel Haut zeigt.

[1][Der Club] liegt in einem Hinterhof, draußen deutet kein Schild darauf hin. Wir klingeln, ein Mann öffnet uns und führt uns in eine Garderobe, wo wir Jacken ablegen, Handys abgeben und eine Plastikkarte bekommen, über die später Eintritt und Drinks abgerechnet werden.

Ich stöckele mit F. zur Bar, wir holen ein Bier, dann gehen wir erst einmal in den Raucherraum, der auf einer Hochebene liegt und von wo wir die Bar im Blick haben. „Bist du nervös?“, fragt F. Ich nicke. „Wenn du gehen möchtest, gehen wir“, sagt er. Ich nicke wieder. Er ist nicht [2][zum ersten Mal hier.]

Die wenigen Menschen im Barraum sind mit viel weniger Stoff bekleidet als ich. Viel Netz ist dabei, Leder, Kunstleder. Immerhin mit der Farbe liege ich richtig.

Die Faust in der Körperöffnung

Ein Paar kommt zu uns in den Raum. Die Frau seufzt erschöpft, lässt ihre Hand kreisen und knetet ihr Handgelenk. Sie macht ein paar Bemerkungen, die klarmachen: Die Faust war heute schon in mehreren Körperöffnungen drin. Mit Latexhandschuh. „Hast Du Lust?“, fragt mich F. Ich lehne ab.

Nach F.s Zigarette schauen wir uns im restlichen Club um. Ein paar Separees mit Vorhängen, eines mit Gitterstäben, dahinter ein Paar, das Sex hat. Es ist das erste Mal, dass ich anderen Menschen zusehe, die nicht nur auf einem Bildschirm Sex haben. Dennoch ist der Anblick irgendwie so gewöhnlich, dass ich es weniger irritierend oder aufregend finde als gedacht.

In einem großen Raum mit Decke nebenan steht ein Mann rücklings an eine Drehscheibe gefesselt und wird mal zart, mal weniger zart von einer Frau gepeitscht. Weiter hinten hängt ein Mann kopfüber, auch er wird gepeitscht.

Wir gehen eine Treppe hoch und gelangen auf eine Galerie, von der wir den Raum überblicken können. Wir stellen uns ans Geländer und schauen den Peitschen zu. F. streichelt meinen Po über dem engen Kleid, wandert mit seiner Hand nach unten und zwischen meine Beine. „Kein Höschen“, stellt er fest. „Das war deine Ansage“, gebe ich zurück. „Schwarzes Kleid, Strapse, kein Höschen“, hatte er mir aufgetragen, mit lachendem Smiley, ich habe mich trotzdem daran gehalten. Schon spüre ich, wie erst ein Finger, dann noch einer in mich hinein gleiten, raus und rein, raus und rein, während wir dem Paar unter uns zuschauen und ab und zu jemand an uns vorbeiläuft. Das Peitschen interessiert mich gar nicht. Das beobachtet werden, wie F. mich befingert, ist das, was mich heiß macht.

F. zieht seine Finger aus mir, ich zuppele mein Kleid zurecht. Wir schauen uns nach einem Separee um, ich ziehe die High Heels aus und schaue etwas skeptisch auf die vor mir liegende Plastikmatratze, die mich an die dicken Matten im Sportunterricht erinnert.

Sexy ist das nicht, aber ich bin mittlerweile so scharf, dass mich das auch nicht mehr abhält. „Vorhang auf oder zu?“, fragt F. „Halb zu“, antworte ich, weiß nicht, wie ich mich auf dieser Matratze positionieren soll, bleibe auf den Knien, Blick Richtung Wand, ziehe mein Kleid hoch, F. nimmt ein Kondom und wir machen es doggy style. „Da steht einer am Eingang und guckt zu“, sagt F. Er weiß, dass es mich anmacht, zu denken, dass ich vielleicht gesehen werde, ohne dass es tatsächlich so sein muss. Und es erfüllt seinen Zweck.

Am Ende wischt F. mit Küchenpapier und Desinfektionsspray den Bereich sauber, den wir genutzt haben, wir krabbeln aus dem Separee und ich schlüpfe in meine High Heels. Fürs Erste habe ich genug. Wir gehen ein letztes Mal rauchen, tauschen Plastikkarte gegen Bargeld und gehen nach Hause.

10 May 2026

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[2] /Erfahrungen-mit-BDSM-Sex/!5911704

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Mira Milborn

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