taz.de -- Dialogoffensive der ARD: Alle reden durcheinander

Bei den Öffentlich-Rechtlichen florieren in letzter Zeit die Dialogformate. Doch mit Me­di­en­jour­na­lis­t*in­nen redet man bei der ARD immer seltener.

Bild: Noch eins dieser Redeformate: die ARD-Sendung „Dialog vor acht“

Die Öffentlich-Rechtlichen werden in letzter Zeit immer öffentlicher. Vor allem bei der ARD haben Dialogformate Konjunktur. Ingo Zamperoni klärt in „Die 100 – Was Deutschland bewegt“ spielerisch die großen gesellschaftlichen Fragen. Beim BR heißt es „Mitmischen! Beim BR“. Die Hessen kommen etwas trutschiger mit „Weil Hessen mehr verbindet“ um die Ecke. Der NDR setzt mit „VEREINt im Norden“ auf die deutsche Tradition, zu allem und jedem einen Verein und damit eine Meinung zu haben.

Im WDR-Radio lautet die Mission „Mitmischen!“, Radio Bremen bringt Nutzer*innen ganz ungegendert als „Meinungsmelder“ an den Start. Beim MDR sind alle sowieso „mittendrin“, zumal es schon seit über 20 Jahren „Fakt ist!“ gibt, das sein Publikum in die gesellschaftspolitische Debatte einbindet.

Der SWR hat jetzt den „MixTalk“ und … wie, es reicht langsam? Nee, nee, das neue RBB-Format „Wir wollen reden“ muss hier noch rein, sonst sind „Thadeusz und die Beobachter“ traurig. Außerdem ist ein Kompliment für den Saarländischen Rundfunk fällig. Der ist nämlich mit seinem „Treffpunkt Ü-Wagen“ stoisch auf Sendung geblieben. Andere Sender hatten ihre Publikumsformate dagegen vor Jahren abgeschafft, wie der WDR „Funkhaus Wallraffplatz“.

Dass die ARD den Dialog mit ihren Beitragszahler*innen erst mal wieder lernen muss, [1][ist eben überwiegend hausgemachtes Schicksal]. Fakt ist: Die Sache an sich ist vorbehaltlos zu begrüßen. Und der beliebte Spruch „Alle reden durcheinander“ macht endlich mal Sinn.

Und reden mit der Presse?

Während die ARD also wieder mit allen redet, hält sie sich gegenüber dem Medienjournalismus konsequenterweise spürbar zurück. Pressekonferenzen nach den regelmäßigen Intendant*innensitzungen finden kaum noch statt. Und wenn dann doch, gern mit zeitlichem Abstand und/oder nur zu bestimmten Themen. „Weil da immer so viel Kritik abläuft. [2][Der ÖRR ist für alle und jeden da] und nicht nur für die Blase“, sagt die Mitbewohnerin.

Letzte Woche Mittwoch endete mal wieder so eine Chef*innen-Runde mit durchaus wichtigen Themen. Die Zukunft des ARD-Generalsekretariats stand auf dem Spiel, die Schaffung eines ARD-weiten Business Continuity Managements zur Debatte. Aber am Ende gab es nur eine einzige Pressemeldung am Tag danach. Die informierte drüber, dass ab 2027 Radio Bremen [3][den ARD-Vorsitz übernimmt].

Aber auch das hat bestimmt Strategie. Um endlich sich selbst zum Thema ihrer Dialogformate zu machen, ist die neue ARD bestimmt am Donnerstag Thema bei „Mitreden. Deutschland diskutiert“. Und danach stimmen „Die 100“ bei Ingo Zamperoni drüber ab. Wer übrigens die ARD ganz direkt zu sich nach Hause holen möchte, kann das jetzt ganz direkt tun.

Vor ein paar Jahren bot die ARD schon mal ihre Olympia-Ausstattung aus Paris an. Jetzt gibt es beim Auktionshaus Hämmerle gerade „Kunst & Krempel“, aber vom MDR. Der Moderationstisch „Musik für Sie“ ist für schlappe 50 Euro zu haben, geboten hat noch niemand und die Auktion läuft noch drei Wochen!

5 May 2026

[1] /Debatte-ueber-Oeffentlich-Rechtliche/!6079414

[2] /Oeffentlich-Rechtlicher-Rundfunk/!6121927

[3] /Abfindungen-im-Oeffentlich-Rechtlichen/!6090276

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Steffen Grimberg

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