taz.de -- Ab dem 1. Mai stoppt Russland Lieferung: Kein Öl mehr aus Kasachstan für Schwedt

Erst mal ist die Versorgung der PCK-Raffinerie gesichert, doch Bundes- und brandenburgische Landesregierung suchen neue Routen für den Klimakiller.

Bild: Die Raffinerie in Schwedt in der Uckermark versorgt große Teile des Nordostens Deutschlands mit Treibstoff

afp/dpa | Angesichts des von Russland angekündigten Lieferstopps für Öl aus Kasachstan ab 1. Mai geht die Suche nach alternativen Ölrouten für die Raffinerie PCK im Nordosten Brandenburgs weiter. „Die jüngsten Ankündigungen aus Russland bringen schlagartig neue Unruhe in das Unternehmen in Schwedt. Das ist gerade jetzt, in einer Zeit neuer internationaler Konflikte und instabiler Energiemärkte, eine große Herausforderung“, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) nach der Krisensitzung einer Taskforce zur PCK am Mittwoch.

Es wird nach alternativen Lieferwegen gesucht, um trotz eines Ausfalls des kasachischen Öls die Raffinerieproduktion hochzuhalten. „Die Bundesregierung flankiert die PCK derzeit engagiert dabei, entfallende Rohöllieferungen über alternative Bezugswege zu ersetzen. Dazu gehören insbesondere Gespräche, wie schnell zusätzliche Lieferungen über Danzig erreicht werden können“, sagte der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Frank Wetzel, laut Mitteilung aus der Staatskanzlei in Potsdam.

Eine Lösung, wie es nach dem Mai weitergeht, sollte für Juni da sein, sagte die brandenburgische Wirtschaftsministerin Martina Klement (CSU) im Landtagsausschuss am Donnerstag. Sie drang darauf, dass „schnell Alternativen“ geschaffen werden müssten. Eine zuverlässige Versorgung der Raffinerie sei wichtige Voraussetzung für eine stabile Produktion und somit die Sicherung des Standortes mit seinen Arbeitsplätzen.

Unklar ist aber weiterhin, wie lange ein Lieferstopp über die Pipeline durch Russland dauern kann. Der Anteil des Rohöls aus Kasachstan macht nach Angaben der Landesregierung rund 20 Prozent der gesamten Rohölmenge der PCK aus. Zudem kommt Rohöl seit 2023 verstärkt über den Weg der Pipeline Rostock–Schwedt.

Betroffen ist der nördliche Teil der Druschba-Pipeline

Woidke (SPD) sieht die Rohölversorgung der Raffinerie im Mai zu 80 Prozent gesichert. Die Auslastung der PCK sei „stabil“, erklärte Woidk. Die PCK ist für die Versorgung Berlins und des Nordostens Deutschlands mit Diesel, Benzin, Kerosin und Heizöl wichtig. Das Unternehmen gibt an, für 90 Prozent der Versorgung Berlins und Brandenburgs zu stehen. Die Raffinerie wird von der deutschen Tochter des russischen Rosneft-Konzerns kontrolliert. Die Ampelregierung hatte das Unternehmen im Zuge des russischen Angriffs auf die Ukraine unter Treuhandverwaltung durch die Bundesnetzagentur gestellt.

Die Raffinerie verarbeitete nach Angaben der brandenburgischen Staatskanzlei im vergangenen Jahr 2,15 Millionen Tonnen kasachisches Rohöl. Das war demnach ein Fünftel der Gesamtmenge. Mit 60 Prozent sei eine deutlich größere Menge über den Hafen Rostock nach Schwedt gekommen, ein weiteres Fünftel über den Hafen Danzig.

Die Druschba-Pipeline verläuft durch Russland und spaltet sich dann in zwei Stränge auf: der nördliche führt durch Belarus und Polen nach Schwedt, der südliche durch die Ukraine nach Ungarn. Das Durchleitungsverbot für kasachisches Öl betrifft nur den nördlichen Teil.

30 Apr 2026

TAGS

Erdöl

Energiekrise

Energie

Reden wir darüber

ARTIKEL ZUM THEMA

+++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Drohnenangriffe auf beiden Seiten

Die Ukraine und Russland griffen sich in der Nacht mit Drohnen an. Unter anderem wurden ein russischer Hafen und eine ukrainische Grenzstadt attackiert.

Nach Streit zwischen Ungarn und Ukraine: Druschba-Pipeline laut Selenskyj repariert

Kurz vor einem EU-Treffen meldet die Ukraine, dass russisches Öl wieder nach Ungarn und die Slowakei fließen kann. Bekommt sie jetzt den 90-Milliarden-Kredit?

Landratswahl in Brandenburg: Der Rechte oder die Anti-Populistin

Bei der Landratswahl in der Uckermark will der AfD-Kandidat harmlos wirken – mit wenig Erfolg. Die CDU-Landrätin setzt auf bodenständige Sachpolitik.

Beschluss des Landgerichts Flensburg: Letzte Generation keine kriminelle Vereinigung

Das Landgericht Flensburg sieht in der Letzten Generation keine kriminelle Vereinigung. Die Aktionen seien keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit.

Proxied content from gemini://taz.de/%216175314 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%216175314
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.