taz.de -- Energiekonzern verdoppelt Gewinne: Ölkrise lohnt sich für BP

Dank des Irankriegs haben fossile Konzerne ihre Profite enorm gesteigert. „Obszön“ finden das Klimaschützer – und fordern neue Strategien.

Bild: Bei der Hauptversammlung von Shell soll – anders als bei BP – wenigstens offiziell über die Ausrichtung gestritten werden

Dank des Irankriegs hat der britische Ölkonzern BP im ersten Quartal 2026 seinen Gewinn mehr als verdoppelt. Der Profit schnellte von Januar bis März auf 3,2 Milliarden US-Dollar nach oben – nach 1,38 Milliarden im gleichen Vorjahreszeitraum, wie der Konzern am Dienstag mitteilte. Dabei ist der nach Börsenwert zehntgrößte fossile Konzern selbst kaum direkt vom Irankrieg betroffen, da er nur wenig Öl und Gas durch die von Blockaden betroffene Straße von Hormus transportieren muss und am Persischen Golf auch nur wenige Produktionsstätten hat.

Zum besten Ergebnis seit vier Jahren verhalfen dem Ölmulti die durch den Irankrieg ausgelösten Preissprünge am Handelsmarkt. Von „außergewöhnlichen“ Zahlen sprach BP. Am Dienstagmorgen kletterte der Ölpreis erneut über die Marke von 110 US-Dollar pro Fass, damit kostete Öl fast doppelt so viel wie vor dem Ausbruch des Irankrieges.

Auch Deutschland trug zum Top-Ergebnis bei: Zu BP gehört auch Aral, mit 2.400 Tankstellen hiesiger Marktführer. Die seit April amtierende Konzernchefin Meg O’Neill – die erste Chefin eines Ölmultis überhaupt – lobte sich selbst: „Wir sind auf dem richtigen Weg.“ Im vergangenen Jahr hatte der Konzern angekündigt, wieder verstärkt auf fossile Energien zu setzen. Motto: [1][„Back to black“]. „Zurück zu Schwarz“ – das steht für die Farbe von Öl.

Doch es gab auch Kritik: Von „obszönen Gewinnen der fossilen Industrie, während Privatleute weltweit mit explodierenden Energiepreisen und sich verschärfenden Klimafolgen zu kämpfen haben“, sprach die US-Klimaschutzorganisation 350.org. Neue Berechnungen der Entwicklungsorganisation Oxfam zeigen, dass sechs der weltweit größten fossilen Energieunternehmen 2026 Gewinne in Höhe von 94 Milliarden US-Dollar erwarten können.

BP unter Druck von Aktionär*innen

Auch wenn die Geschäfte blendend laufen: Nicht wenige Aktionär*innen sind unzufrieden mit BP. Die aktuelle Dividende sei niedriger ausgefallen als zu Vor-Corona-Zeiten. „Wie will das Unternehmen in einem rückläufigen Markt Shareholder-Value schaffen?“, fragte Mark van Baal, Chef der aktivistischen Aktionärsvereinigung Follow This. „Mit unerwarteten Gewinnen zu prahlen, ist keine Strategie.“ Der Konzern solle endlich einen Plan für die Zeit nach Öl und Gas fassen, um zu überleben.

Mit dieser Forderung hatte van Baal die Bosse von BP bereits in der vergangenen Woche in die Bredouille gebracht. [2][Bei der Hauptversammlung des Ölmultis lehnten die Teilhaber*innen zwei Anträge des Managements krachend ab], darunter einen Antrag zu Klimaberichtspflichten. Gleichzeitig wurde Aufsichtsratschef Albert Manifold mit einem verhältnismäßig miesen Ergebnis im Amt bestätigt. Er erhielt nur 81,8 Prozent der Stimmen, 100 Prozent sind üblich.

Rädelsführer bei der [3][Aktionär*innenrevolte] war [4][Follow This]. Die Vereinigung aus den Niederlanden versucht, sich an Konzernen wie BP zu beteiligen, um die Unternehmen dann von innen zur Transformation zu drängen.

Als Nächstes hat Follow This den BP-Konkurrenten Shell im Visier. Bei dessen Hauptversammlung am 19. Mai will die Aktionär*innengruppe wie schon bei BP fordern, dass Europas größter Ölkonzern eine Strategie für die Zeit sinkender Erträge nach dem Ende der fossilen Ära fasst.

Shell kauft Schiefergasproduzenten

Noch mischen die Konzerne bei der Produktion von klimaschädlichem CO₂ kräftig mit: BP steht auf der [5][Liste der Konzerne mit den weltweit größten Emissionen] von CO₂ auf Platz 24. Danach produzierte der Konzern mit seinen Aktivitäten 2024 rund 354 Millionen Tonnen CO₂ – mehr als Polen. Shell (Platz 20) war sogar für 426 Millionen Tonnen CO₂ verantwortlich – und damit für fast ein Prozent der globalen Emissionen.

Follow This rechnet sich gute Chancen aus, beim Shell-Aktionärstreffen Aufsehen zu erregen. Anders als BP hat Shell nämlich den Strategieantrag zur Abstimmung zugelassen. „In den vergangenen drei Jahren, in denen wir bei Shell Anträge eingereicht haben, fanden unsere Anträge mit Emissionsminderungszielen etwa 20 Prozent Zustimmung“, schreibt Follow This. Der neue Antrag, bei dem es um das künftige Geschäftsmodell geht, werde hoffentlich „mehr Zustimmung finden“.

Aber Shell setzt offenbar weiter auf klimaschädliche Produkte: Vor wenigen Tagen kaufte der Konzern den kanadischen Schiefergasproduzenten ARC Ressources für 16,4 Milliarden US-Dollar. Damit beherrsche das Unternehmen 30 Prozent des globalen Flüssiggashandels, betonte Shell. Schiefergas wird durch die besonders umweltzerstörende Fracking-Methode gewonnen.

28 Apr 2026

[1] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/muss-bp-wieder-schmutzig-werden-energiekonzern-setzt-auf-oel-und-gas-statt-gruene-wende-accg-200682737.html

[2] /Aufstand-der-Aktionaere-bei-Oelkonzern/!6173615

[3] /Abgesagte-Klimastrategie/!6172695

[4] https://follow-this.org/your-vote-at-the-bp-agm-will-send-a-strong-governance-signal/

[5] https://carbonmajors.org/briefing/Carbon-Majors-2024-Data-Update-35466

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Kai Schöneberg

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