taz.de -- Klimawandel in Europa: Spitze bei der Hitze

Europa erhitzt sich schneller als jeder andere Kontinent. 2025 litten darunter besonders Skandinavien, die Wälder Spaniens – und Seegraswiesen.

Bild: Feuerwehrleute bekämpfen einen Waldbrand in Spanien im August 2025

Sterbende Seegraswiesen, Waldbrände, schmelzende Gletscher und Rekordhitzewellen: Der Klimawandel hat im vergangenen Jahr in allen Teilen Europas für Verwerfungen gesorgt. Das geht aus dem europäischen Klimastatusbericht 2025 hervor, den der EU-Erdbeobachtungsdienst Copernicus und die Weltwetterorganisation WMO am Mittwoch veröffentlicht haben.

Den Copernicus-Daten zufolge war 2025 in Europa das zweit- oder drittwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, je nachdem, welche Regionen man zu „Europa“ zählt. Durchschnittlich sei der Kontinent inzwischen 2,5 Grad heißer als vor der Industrialisierung. 95 Prozent Europas seien 2025 Temperaturen [1][über dem Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020 ausgesetzt gewesen]. Der Kontinent erhitzt sich mit 0,56 Grad pro Jahrzehnt doppelt so schnell wie der Rest der Welt, schneller also als jeder andere Kontinent.

Das habe vier Gründe, erklärt die Vizedirektorin von Copernicus, Samantha Burgess: Weil im Winter weniger Schnee liegen bleibt und die Luftverschmutzung aufgrund verschärfter Regulierung sinkt, reflektierten Schnee und Schmutzpartikel weniger Sonnenenergie, die Wärme dringt durch – der sogenannte Albedo-Effekt sinkt. „Außerdem verändern sich infolge des Klimawandels Wettermuster, was zu mehr Hitzewellen führt“, sagt Burgess. Schließlich trage auch die Nähe zur Arktis zu Europas Erhitzung bei, weil die Region um den Nordpol sogar um 0,75 Grad pro Jahrzehnt heißer wird.

In den Meeren Europas zeigt sich der Klimawandel besonders drastisch: Während in den 1980ern noch etwa 40 Prozent der Meere jedes Jahr eine Hitzewelle erlebten, waren es laut Copernicus in den vergangenen drei Jahren jeweils 98 Prozent. Heftige und extreme Hitzewellen, die es vor 40 Jahren noch kaum gab, trafen 2025 36 Prozent der europäischen Meere.

Rekordhitzewelle in Skandinavien

Das führt unter anderem dazu, [2][dass Seegraswiesen absterben]. „Sie sind Hotspots der Artenvielfalt, wichtig als Brutstätte für verschiedene Meerestiere und um Küsten vor Erosion und Sturmfluten zu schützen“, sagt Claire Scannell vom irischen Wetterdienst.

In den vergangenen 50 Jahren sei die Ausbreitung der Mittelmeerart Posidonia oceanica um 34 Prozent zurückgegangen, dem Copernicus-Bericht zufolge könnten bis 2050 aufgrund des Klimawandels 75 Prozent des geeigneten Lebensraums der Art verloren sein. Schützt man die Seegraswiesen allerdings, könnten sie zum Erhalt der Artenvielfalt und zum Klimaschutz beitragen, sagt Scannell: „Sie speichern CO₂ 30-mal schneller als tropische Regenwälder.“

2025 legte sich auch die heftigste jemals dort gemessene Hitzewelle über Skandinavien und Finnland. 21 Tage lang war es über 28 Grad heiß, üblich sind maximal 2 solcher Tage pro Jahr. Damit einher gingen auch tropische Nächte, [3][in denen Menschen deutlich schlechter schlafen], und Krankheitsausbrüche, die einheimische Tier- und Pflanzenarten dezimierten.

Schneller schmelzende Gletscher brachten in Skandinavien, Finnland, aber auch in anderen Teilen Europas Flusssysteme durcheinander. Gleichzeitig gab es bei 70 Prozent der Flüsse unterdurchschnittliche Wasserstände. 2025 kam es aber nur an 12 Prozent der Flüsse zu hohen Überflutungen, 2024 waren es noch 30 Prozent.

Vor allem getrieben von Feuern in Spanien und Portugal, verbrannte 2025 eine Rekordwaldfläche von mehr als 1 Million Hektar. Auf der Iberischen Halbinsel sei es im Frühjahr sehr nass gewesen, erklärt Burgess. Deswegen seien die Pflanzen sehr schnell gewachsen. „Als im Frühsommer Rekordtemperaturen diese Pflanzen austrocknen ließen, gab es dann eine riesige Menge Brennstoff.“

2025 war laut Copernicus das dritte Jahr in Folge, in dem erneuerbare Energien mehr Strom produzierten als fossile Kraftwerke. Im vergangenen Jahr waren es demnach 46 Prozent, während Kohle, Öl und Gas nur 27 Prozent beisteuerten. Dušan Chrenek von der EU-Kommission sagte allerdings, vor dem Hintergrund des Copernicus-Berichts „müssen wir den [4][Klimaschutz weiter beschleunigen]“.

Die Kommission arbeite außerdem [5][an einem Rahmen für gemeinsame Klima-Anpassung], so Chrenek. „Wir brauchen absichtliche Klimaresilienz: beim Errichten neuer Infrastruktur, beim Gründen neuer Unternehmen und bei neuen Gesetzen.“

29 Apr 2026

[1] /Klimaprognose-vom-Deutschen-Wetterdienst/!6167349

[2] /Seegraswiesen-unter-Druck/!6114229

[3] /Schlafforscherin-ueber-Hitze/!6105795

[4] /Petersberger-Klimadialog-und-Irankrieg/!6172981

[5] /Klimawandel-hoehlt-Fundament-der-EU-aus/!6154994

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Jonas Waack

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