taz.de -- Pakistans erstaunliche Vermittlungsrolle: 1:0 für Islamabad

Im Streit um die Gunst von US-Präsident Donald Trump liegt Pakistan aktuell klar vor Indien. Die Rolle als Friedensstifter macht sich auf internationaler Bühne gut.

Bild: Generalstabschef Feldmarschall Asim Munir mit JD Vance bei der Ankunft in Pakistan am 11. April

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die Atommacht Pakistan, die fast schon als „failed state“ galt und im [1][Afghanistankonflikt] jahrelang als Terrorunterstützer ein doppeltes Spiel spielte, plötzlich eine Schlüsselrolle einnimmt beim Versuch, den Krieg zwischen den USA und Iran zu beenden. Zwar handelt Pakistan jetzt nicht allein, sondern wird von China, der Türkei, Saudi-Arabien und Ägypten unterstützt. Doch Pakistan hat klar die wichtigste Rolle und trägt das größte diplomatische wie auch innenpolitische Risiko.

Auffällig ist, wie in Pakistan derzeit die beiden politischen Hauptakteure an einem Strang ziehen. Haben Staaten normalerweise ein Militär, so gilt in Pakistan das Bonmot, dass dort das Militär einen Staat hat. Aktuell aber arbeiten Premierminister [2][Shehbaz Sharif] und Militärchef Asim Munir Hand in Hand. Insbesondere Munir, der seit dem kurzen Krieg gegen Indien vor gut einem Jahr zum Feldmarschall aufgestiegen ist, unterhält beste Beziehungen zu Donald Trump wie zur Führung Irans.

So gilt er erklärtermaßen als „Lieblingsfeldmarschall“ des US-Präsidenten. Pakistan lobte Trumps Rolle als Vermittler im Konflikt mit Indien. Munir war wiederholt zu Gast im Weißen Haus, wo es unter anderem um [3][Kryptogeschäfte] gegangen sein soll. Sehr zum Ärger Delhis hat Pakistan an diplomatischem Gewicht gewonnen, hatte sich doch vorher Indiens Premierminister Narendra Modi noch selbst in der Rolle von Trumps best Buddy gesehen.

Pakistans jetzt international wichtige Rolle ist auch der Innenpolitik geschuldet. Dort erlebt der Antiamerikanismus aktuell einen Aufschwung. Nach der Tötung von Irans Machthaber Ali Chamenei kam es zu tödlichen Unruhen in Pakistan, wo bis zu 40 Millionen Schiiten leben. Ein Vermittlungserfolg ist in Pakistans ureigenem Interesse, abgesehen davon, dass die angedrohte Zerstörung Irans durch das US-Militär auch das direkte Nachbarland Pakistan schwer treffen würde.

22 Apr 2026

[1] /Schwerpunkt-Afghanistan/!t5008056

[2] /Pakistan-und-China-als-Vermittler/!6169199

[3] /Kryptowaehrung/!t5476505

AUTOREN

Sven Hansen

TAGS

Schwerpunkt Iran-Krieg

Islamabad

Pakistan

Reden wir darüber

ARTIKEL ZUM THEMA

Ex-Verhandler zu Iran und USA: „Beide Seiten wollen keinen Schritt machen“

Der französische Diplomat Jacques Audibert hat 2015 das Wiener Abkommen über das iranische Atomprogramm mitverhandelt. Was sagt er zum aktuellen Konflikt?

Iran und USA: Wer blinzelt zuerst?

Offiziell gilt die Waffenruhe, laut Berichten fallen in der Straße von Hormus aber Schüsse. Die US-Blockade trifft derweil nicht nur Iran kritisch.

Iran-Friedensgespräche in Pakistan: Stundenlange Verhandlungen gehen ohne Ergebnis zu Ende

Ohne Vereinbarung reisen die Verhandlungsdelegationen Irans und der USA aus Pakistan ab. Was das für den Waffenstillstand heißt, ist noch unklar.

Krieg Pakistan-Afghanistan: Vertreibung, „Geiseldiplomatie“ und Drohnen

Bereits 14 Tage dauert der Krieg zwischen Pakistan und Afghanistan. Parallel dazu droht die US-Regierung den Taliban eine „Venezuela/Iran-Behandlung“ an.

Kämpfe zwischen Pakistan und Indien: Eskalation im Kaschmir-Konflikt

Die beiden Atommächte Indien und Pakistan liefern sich erbitterte Kämpfe. Und die USA als bewährter Vermittler fallen aus.

Proxied content from gemini://taz.de/%216173030 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%216173030
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.