taz.de -- Kinder fragen, die taz antwortet: Warum sind CEOs immer Männer?
Wir wollen von Kindern wissen, welche Fragen sie beschäftigen. Jede Woche beantworten wir eine. Diese Frage kommt von Lior, 10 Jahre alt.
Bild: Noch eine der wenigen in ihrer Position: Bahnchefin Evelyn Palla
Lieber Lior, wusstest du, dass man vor einigen Jahren das Wort CEO noch gar nicht so benutzt hat? Man hat eher „Chef“ gesagt, meistens waren aber auch diese Chefs tatsächlich Männer. Heute wird stattdessen oft CEO gesagt, das steht für „Chief Executive Officer“ und kommt aus dem Englischen. Gemeint ist das Gleiche: die Person ganz oben in einer Firma, die alle wichtigen Entscheidungen trifft.
Noch immer arbeiten [1][Männer in Deutschland fast doppelt so häufig in Führungspositionen wie Frauen.] Das ist ein ziemlich großer Unterschied, den viele unfair finden. Und das liegt nicht daran, dass Männer einfach bessere Führungskräfte sind. Die Erklärung liegt in der Geschichte: Früher haben fast nur Männer gearbeitet, während Frauen sich um Haushalt und Kinder gekümmert haben.
Gegen diese Rollenverteilung kämpfen viele Frauen schon sehr lange. Die Arbeitswelt war einer von vielen Bereichen, in denen Frauen benachteiligt wurden, wie auch beim Lohn, beim Wahlrecht oder bei der Bildung. Männer konnten deshalb früher leichter Karriere machen und Chefs werden. Irgendwann hat die Gesellschaft anerkannt, dass das unfair ist – zumindest auf Papier. Deswegen steht im Deutschen Grundgesetz seit 1949, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Und doch: Immer noch verdienen Frauen im Durchschnitt weniger als Männer, selbst wenn sie die gleiche Arbeit machen. Sie arbeiten auch häufiger in schlechter bezahlten Berufen.
Dabei zeigen Studien, dass Frauen in Führungspositionen sogar oft [2][kompetenter sind als ihre männlichen Kollegen.] Ein Grund dafür ist, dass sich Frauen oft erst dann auf Führungspositionen bewerben, wenn sie sich top vorbereitet fühlen. Außerdem nehmen sie Rückmeldungen von anderen oft besonders ernst – eine wichtige Eigenschaft als Chefin!
[3][Seit zehn Jahren wächst der Anteil von Frauen][4][][5][in Führungspositionen in][6][Deutschland][7][nur im Schneckentempo.] Dabei gibt es heute sogar Gesetze, die große Firmen dazu verpflichten, mehr Frauen in Führungspositionen einzustellen. Das nennt sich Frauenquote. Bekannte Frauen in CEO-Positionen sind zum Beispiel Susan Wojcicki, die CEO von Youtube war, oder Evelyn Palla, die seit Kurzem Chefin der Deutschen Bahn ist.
Kurz gesagt: Männer sind nicht automatisch bessere Chefs, aber die Bedingungen machen es für sie oft leichter, ganz nach oben zu kommen.
26 Apr 2026
LINKS
[1] https://www.iu.de/news/iu-studie-zur-geschlechterverteilung-in-fuehrungspositionen/
[2] https://hbr.org/2019/06/research-women-score-higher-than-men-in-most-leadership-skills
[3] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/11/PD25_393_13.html
[4] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/11/PD25_393_13.html
[5] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/11/PD25_393_13.html
[6] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/11/PD25_393_13.html
[7] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/11/PD25_393_13.html
AUTOREN
Lilli Messer
Kinderfrage
Chefredakteur*in
Führungskraft
Führungspositionen
Frauen in Führungspositionen
ARTIKEL ZUM THEMA
Frauen als Chefin: Deutschland wieder unterdurchschnittlich
Die Hälfte aller Erwerbstätigen in Deutschland sind Frauen, trotzdem besetzen sie weniger als ein Drittel der Führungspositionen. Das ist unter dem EU-Durchschnitt.
Feministische Führungskräfte: „Feminismus bedeutet Aushandlung“
Sind Linke und FLINTA die besseren Chef*innen? Nein, sagen Steff Urgast und Dana Müller in ihrem Buch. Feministische Institutionen wollen sie nicht angreifen, sondern stärken.
Kinder fragen, die taz antwortet: Was ist wichtiger, Herz oder Gehirn?
Wir wollen von Kindern wissen, welche Fragen sie beschäftigen. Jede Woche beantworten wir eine. Diese Frage kommt von Yara, 7 Jahre alt.
Wie Frauen sich gegenseitig behindern: Wenn Solidarität toxisch wird
Weibliche Solidarität klingt nicht nur gut, sie ist es auch. Es gibt aber auch das Gegenteil davon, gerade in Top-Positionen.
Die SPD und Saskia Esken: Sozialdemokratische Unkultur
Der Umgang der SPD mit Saskia Esken zeigt: Die rüde Intrige und das kalte Abservieren gehören wieder zur SPD wie die Bratwurst zum Parteitag.
Frauenarmut und Gender Pay Gap: Frauen, redet mit euren Partnern!
Nur jede zweite arbeitende Frau kann eigenständig ihre Existenz sichern. Es braucht gerechte Löhne. Aber Frauen müssen auch Karrieren einfordern.