taz.de -- Südostasien und der Irankrieg: Energiepreisschock, Home Office und geschlossene Tankstellen
Für das stark von Öl- und Gasimporten, Tourismus und Arbeitsmigration abhängige Südostasien ist der Krieg am Golf eine unerwartete Katastrophe.
Bild: Eine vorübergehend geschlossene Tankstelle in einem Vorort von Manila
Die Auswirkungen der durch den Irankrieg ausgelösten Energiekrise sind in Südostasien mit die gravierendsten weltweit. Die Region ist sehr stark von Öl- und Gasimporten aus den Golfstaaten abhängig. Länder wie die Philippinen, Vietnam und Thailand sind fast zu 100 Prozent auf Ölimporte aus der Region angewiesen. Selbst die beiden ölfördernden Länder Malaysia und Indonesien decken rund ein Viertel ihres Bedarfs aus dem Nahen Osten.
In Indonesien wird der Kraftstoffpreis mit Subventionen niedrig gehalten. Dafür wurden für 2026 rund 5 Prozent der Haushaltsmittel veranschlagt und von einem Ölpreis von nur 70 Dollar pro Barrel ausgegangen. Damit bei einem Preis von inzwischen mehr als 100 die Kosten nicht aus dem Ruder laufen, [1][rationiert die Regierung in Jakarta den Treibstoff seit dem 1. April]. Zugleich wird als Sparmaßnahme das Programm für kostenlose Schulessen jetzt an einem Tag die Woche ausgesetzt.
Viele südostasiatische Länder nutzen Flüssiggas (LNG) zur Stromerzeugung, das sie im Schnitt zu 30 Prozent importieren. Höhere LNG-Preise bedeuten höhere Stromrechnungen und höhere Preise. Zwischen Bali und Phuket, Hoi An und Boracay wächst in Südostasiens Urlaubsdestinationen zudem die Furcht vor Jobverlusten durch einen Einbruch des Tourismus.
Zwischen Yangon und Manila gehören lange Schlangen an den Tankstellen schon seit kurz nach dem Kriegsausbruch zum Alltag. In den Philippinen hat Präsident Ferdinand Marcos Jr. am 24. März für ein Jahr den „nationalen Energienotstand“ erklärt. Die steigenden Ölpreise stellten eine Bedrohung für die Energiesicherheit des Landes dar, so Marcos. Jetzt kann das Energieministerium Maßnahmen gegen Preistreiberei, Wucher und Marktmanipulation ergreifen. Zugleich kündigte die Regierung an, Fahrern im öffentlichen Nahverkehr sowie Pendlern Treibstoffzuschüsse zu zahlen.
Verdoppelung der Treibstoffpreise in den Philippinen
In dem Inselstaat haben sich die Benzin- und Dieselpreise inzwischen so gut wie verdoppelt. Einige Tankstellen mussten bereits schließen. Die Regierung hat die Viertagewoche eingeführt und wie in anderen Ländern die Produktionskapazität der Kohlekraftwerke hochgefahren. Etwas Linderung verspricht die gerade erfolgte Lieferung von 2,5 Millionen Barrel Rohöl durch einen russischen Tanker. Eine solche Lieferung wäre in der früheren US-Kolonie bis vor kurzem undenkbar gewesen.
[2][Derzeit verhandelt die Regierung in Manila mit Vertretern Irans um die freie Fahrt von Tankern Richtung Philippinen.] Thailand hatte bereits am letzten Wochenende eine entsprechende Einigung mit Teheran erreicht. Manila geht es zudem um die Sicherheit philippinischer Seeleute. Die hängen zu Tausenden auf Schiffen aus aller Welt fest, die auf eine Passage durch die von Teheran gesperrte Straße von Hormus warten.
In den Golfstaaten selbst stecken rund 2,4 Millionen philippinische Arbeitsmigranten in einem Dilemma. Sollen sie, falls es überhaupt bezahlbare Flüge gibt, heimkehren oder aber am Golf trotz Gefahren durch iranische Drohnen und Raketen in Lohn und Brot bleiben.
In Thailand, Vietnam und Indonseien sind Beamte zur Arbeit im Home Office angehalten. Klimaanlagen, so die Regierung, sollten in den Amtsstuben nicht kühler als 24 Grad eingestellt sein und Beamte kurzärmelige Hemden tragen. Im buddhistischen Thailand wird zudem schon Diesel für die Einäscherung der Toten knapp.
Im Bürgerkriegsland Myanmar hat die Militärjunta abwechselnde Fahrtage für Autos mit geraden und ungeraden Nummernschildern angeordnet. Doch ihre Luftwaffe bombardiert die Bevölkerung weiter. Viele hatten gehofft, dass dies angesichts von ausbleibendem Flugbenzin unterbleiben würde. Bisher scheint das aber nicht der Fall zu sein, auch wenn der Lieferant China schon Mitte März ein generelles Exportverbot von Treibstoffen – einschließlich Kerosin – erlassen hatte.
2 Apr 2026
LINKS
[1] https://www.channelnewsasia.com/asia/middle-east-war-indonesia-rations-fuel-prices-soar-6028666
[2] https://www.channelnewsasia.com/asia/philippines-seeks-safe-passage-oil-in-iran-meeting-6031156
AUTOREN
Robert Lenz
Südostasien
Schwerpunkt Iran-Krieg
Philippinen
Thailand
Indonesien
Vietnam
Schwerpunkt Myanmar
Schwerpunkt Nahost-Konflikt
GNS
Reden wir darüber
ARTIKEL ZUM THEMA
LNG-Importe: Europas Kampf ums Flüssiggas
Sanktionen sollen Russland schaden, aber sein Flüssiggas wird in Rekordmengen gekauft. Denn Europas Reserven sind im Winter dramatisch gesunken.
Hohe Spritpreise: Tankrabatt zeigt erste Wirkung an Zapfsäulen
Für Benzin und Diesel gelten jetzt für zwei Monate niedrigere Steuern. Das soll dafür sorgen, dass Tanken nicht noch teurer wird. Die Kritik ist groß.
Preismanipulation in der Energiekrise: Kenias Polizei geht gegen Beamte vor
Die kenianische Regierung fürchtete, dass der Treibstoff ausgeht und kaufte teuer neuen. Aber die besorgniserregenden Zahlen könnten manipuliert sein.
Straße von Hormus: Wer sie kontrolliert, hält einen Trumpf in der Hand
Die USA und Israel hätten den Krieg gegen Iran theoretisch schon gewonnen – wären da nicht zwei Meerengen, die für die Weltwirtschaft wesentlich sind.
+++ Nachrichten im Irankrieg +++: Dieselpreis auf Allzeithoch
In Deutschland ist Diesel so teuer wie nie zuvor. Iran droht USA und Israel mit „vernichtenden“ Angriffen. Die Hisbollah feuert Raketen auf Israel ab.
Indiens Arbeitsmigranten unter Druck: „Manche überdenken ihre langfristigen Pläne“
Millionen indischer Arbeitskräfte harren trotz Krieg weiter in den Golfstaaten aus. In ihrer Heimat wird unterdessen Kochgas knapp und Essen teuer.
Öl und Gas aus dem Golf: IEA-Chef warnt vor heftigstem Energieschock „aller Zeiten“
Die fossile Energiekrise stellt asiatische Staaten vor große Probleme. Ein Gewinner der Krise ist jedoch schon klar: Chinas Batteriesektor.
Globale Folgen des Iran-Krieges: Jenseits der Bomben
Welche Auswirkungen hat der Iran-Krieg auf den Globalen Süden? Und wie entwickeln sich die Öl- und Gaspreise in Deutschland?