taz.de -- Gestrandeter Buckelwal: Wal soll zum Wegschwimmen animiert werden

Ein Expertenteam wird versuchen, den Buckelwal mit dem Klatschen von Paddeln auf Wasser zum Wegschwimmen zu animieren. Weiterhin liegt er in der Bucht.

Bild: Ein Schlauchboot der Polizei fährt am 30. März in der Wismarer Bucht an den Buckelwal heran

afp/dpa | Der Buckelwal, der sich vor Wismar im flachen Wasser der Ostsee befindet, soll heute noch einmal zum Wegschwimmen angeregt werden. Der Wasserstand soll im Laufe des Nachmittags wieder um etwa 30 Zentimeter ansteigen, teilte das Deutsche Meeresmuseum mit.

Dann wolle das Expertenteam vor Ort versuchen, den Wal nochmals zu animieren. „Dies erfolgt durch Klatschen mit dem Paddel auf das Wasser, da der Wal keinesfalls berührt werden sollte“, sagte eine Sprecherin des Deutschen Meeresmuseums. „Der Wal ist sehr geschwächt. Die Atemfrequenz hat sich verlangsamt und die Haut weist Sekundärinfektionen auf.“

Der in der Ostsee verirrte und nun in der Wismarer Bucht liegende Buckelwal zeigte am Morgen nur noch wenige Reaktionen. „Die Überlebenschancen werden leider nicht besser“, sagte Greenpeace-Expertin Franziska Saalmann am Montag im ZDF-„Morgenmagazin“ nach einer Beobachtung des Wals von einem Schiff der Wasserschutzpolizei.

Der Wal atme aber weiterhin, sagte Saalmann. Zu schaffen mache dem Tier, dass der Wasserstand in der Ostsee aktuell gesunken ist. „Es wirkt eben so, als wäre er allgemein geschwächt.“ Noch gebe es Hoffnungen, dass der Buckelwal es schaffen könne. Allgemein sei die Ostsee aber nicht geeignet für Buckelwale. Er müsse „dringend hier raus“.

[1][Der Buckelwal irrt seit längerem durch die Ostsee.] Die Retter hofften bisher, dass er über die Nordsee zurück in den Atlantik findet, wo er eigentlich heimisch ist. Nachdem der Wal mehrere Tage auf einer Sandbank bei Timmendorfer Strand gestrandet lag und sich erst nach einer Rettungsaktion dort selbst befreien konnte, wurde er Samstag in der Wismarbucht nahe der Insel Walfisch entdeckt. Von dort schaffte er es bisher nicht mehr weg.

Weitere Rettungseinsätze sind zurzeit nicht geplant, da das Tier sich im Grunde frei bewegen könnte und nicht gestrandet ist. Die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern verhängten ein Sperrgebiet 500 Meter um den Buckelwal herum. Ziel ist, dem Tier die nötige Ruhe zu geben.

Wal hatte sich zuvor in einem Netz verfangen

Seit Anfang März war der Wal den Angaben zufolge immer wieder an der Ostseeküste aufgetaucht, zunächst im Hafen von Wismar, später in der Lübecker Bucht und an der Küste bei Steinbeck (Kreis Nordwestmecklenburg). Das Tier hatte sich demnach in einem Netz verfangen. Einsatzkräfte und Meeresschützer der Organisation Sea Shepherd hatten es von einem Teil des Materials befreit.

Am vergangenen Montagmorgen war der Meeressäuger dann auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand bei Lübeck entdeckt worden. Eine umfangreiche Rettungsaktion startete, und in der Nacht zu Freitag befreite sich der Buckelwal dann selbst durch eine per Bagger ausgegrabene Rinne. Am Samstag war der Wal dann allerdings [2][wieder gestrandet] – und zwar in der Wismarbucht.

Seitdem hält das Drama um den Buckelwal an. In der Nacht zu Sonntag konnte sich der Meeressäuger bei steigendem Wasserstand zunächst selbst von einer Sandbank vor der kleinen Insel Walfisch in der Wismarer Bucht freischwimmen. Doch wenig später lag er erneut fest – ganz in der Nähe, an einer etwa zwei Meter tiefen Stelle. Augenscheinlich regungslos lag er am Sonntag dort, nur ab und zu stieß er eine Wasserfontäne in die Luft.

Zahlreiche Schaulustige am Wochenende

Die Behörden haben nach eigenen Worten ein Sperrgebiet im Umkreis von 500 Metern rund um den Wal gezogen, in das kein Schiff oder Boot hineinfahren darf. Zahlreiche Schaulustige standen am Wochenende auf der Seebrücke, um einen Blick auf das Tier erhaschen zu können.

Der Direktor des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund, Burkard Baschek, sagte, der Wal liege in einer Wassertiefe, die etwa der in der Nacht zu Sonntag entspreche, als sich das Tier selbst befreit habe. Er beschrieb die jüngste Situation deshalb nicht als Strandung, sondern als „Leibaufsetzen“ des Wals.

Der Ernährungszustand des Wals ist gut, wie Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Tierärztlichen Hochschule Hannover am Wochenende sagte. Buckelwale könnten wochenlang ohne Nahrung auskommen.

30 Mar 2026

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