taz.de -- Freiburger Hausberg Schauinsland: Wenn die Gondeln Wanderer tragen

Auf den Freiburger Hausberg Schauinsland fährt eine alte Seilbahn. Natürlich kann bei der Fahrt überhaupt nichts passieren.

Bild: Eröffnete 1930: Bergstation der Schauinslandbahn bei Freiburg

Man kann ja, das weiß in Freiburg vermutlich jedes Kind, mit der Straßenbahn zum Schauinsland fahren, dem Hausberg, wie sie es da nennen, 1.284 Meter hoch. In Freiburg und Umgebung kann man eigentlich überall hin mit der Straßenbahn fahren, oder mit der S-Bahn. Am Ende vielleicht noch ein bisschen Bus, und gut ist.

Im Falle vom Schaulinsland geht es nach dem Bus bruchlos weiter, wenige Meter nur sind es bis zur Talstation der Schauinslandbahn auf 473 Metern Höhe. [1][Die Schauinslandbahn] ist von 1930, damals war sie auf dem neuesten Stand, die erste erste Großkabinen-Umlaufseilbahn der Welt mit Ausklinkvorrichtung, in der Talstation hängen alte Fotos.

Die Gondeln sind natürlich neuer, wenn auch nicht ganz neu, und die Bahn wird ja bestimmt regelmäßig gewartet, oder was denkt ihr? Mhh, na ja, also Angst hat eigentlich niemand, warum auch. Ist ja eine seriöse Einrichtung, mit Männern in Uniform, die an Fahrkartenschaltern sitzen, und anderen, die beim Einsteigen helfen und dann Zeichen geben zur Abfahrt.

Grün leuchten die Wiesen

„Die Schauinslandbahn ist Teil des öffentlichen Nahverkehrs“, weiß das ortsansässige Mitglied der Reisegruppe. Es ist alles bestens geregelt und es geht mit Schwung nach oben, erst sachte ansteigend, über die Wiesen, die grün leuchten an diesem Ostertag, dann wird es steiler, der Wald kommt, unten windet sich eine Straße hoch.

Und irgendwann kommt der Schnee. Es ist warm an diesem Tag, die Sonne scheint, und er taut vermutlich schon seit Tagen. Aber der Schnee ist da, unzweifelhaft. Baumstümpfe schauen heraus. Unter der Gondel, in der Schneise, die für sie durch den Wald geschlagen worden ist, führen Spuren von Skiern, irgendjemand muss hier gefahren sein.

„Verrückt, wer fährt denn da runter? Das ist doch total steil!“ „Irgendwo hier oben muss es auch Lifte geben, Schauinsland ist auch ein Skigebiet auf meiner Skigebiete-App.“ „Oh, schau doch mal, ob das Skigebiet aufhat?“ „Ein Lift hat noch auf, sagt die App, aber vielleicht ist sie nicht ganz aktuell.“

Oben beim Ausstieg an der Bergstation (1.220 Meter) großes Hallo, die Ortsansässige trifft Bekannte und Freundinnen mit Familie. Freiburg ist ja nicht so groß, und das hier ist sein Hausberg. Beim Gang die letzten Meter rauf zum Gipfel wird der Schnee schnell höher, auf den Wegen durch den Wald, die Stiegen hoch, sinken die Schuhe ein in den Matsch, und wer cool sein will und Turnschuhe trägt, hat es jetzt schwer. „Wir haben’s ja gesagt!“ Ja, ja.

Auf dem Gipfel des Schauinslands ist das Skigebiet mit dem offenen Lift auch nicht zu sehen, dafür aber gibt es den Blick: über Freiburg, ins Rheintal, auf den Kaiserstuhl, auf Dörfer im Schwarzwald, andere Berge im Schwarzwald und dazwischen, weit in der Ferne, die weißen Gipfel der Schweiz: Finsterahorn, Mönch, Jungfrau. „Das ist aber schon sehr weit weg.“ Sie sind es aber wirklich.

Oben windet es stark und es gibt unweit des Gipfels ein Denkmal für eine Schulklasse aus England, von denen einige hier erfroren sind, weil sie nachts im Schneesturm hochgewandert sind. „Aber die meisten wurden gerettet, von Suchtrupps aus dem Dorf.“ „Ein Glück!“ „[2][Das Denkmal ist aber noch aus der Nazizeit].“ „Waren die Engländer da nicht die Feinde?“ „Da noch nicht, das war noch vor dem Krieg.“

In den Abgrund katapultiert

Auf dem Rückweg wird es kälter, der Wind nimmt zu. Beim Einstieg in die Gondel hat sich eine Schlange gebildet, einige Passagiere filmen die Mechanik von 1930, mit der die Kabinen sich ins umlaufende Seil einhaken und dann in den Abgrund katapultiert werden.

Die Gondel stürzt ins Tal, von Mast zu Mast, der Wind pfeift, er erfasst das Gehäuse, das anfängt zu schaukeln. In der Schweiz, gar nicht weit von den Bergen, die vorhin in der Ferne zu sehen waren, kollidierte diesen Winter eine Gondel mit einem Mast und stürzte ab. „Aber das passiert doch hier nicht, die fahren hier doch jeden Tag!“ „Ja, aber …“

Das Schaukeln wird stärker. „Wie groß ist eigentlich der Abstand von der Gondel zum Mast? So ungefähr? Was meint ihr?“ „Schau einfach nicht raus!“ Die Mitarbeiter der Schauinslandbahn werden schon wissen, was sie tun.

11 Apr 2026

[1] https://www.schauinslandbahn.de/de

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Engl%C3%A4nderungl%C3%BCck

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Daniel Wiese

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