taz.de -- herzensort: Auf und ab in Istanbul

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Das erste Mal laufen wir um Mitternacht die Stufen hinauf. Wir sind spät in Istanbul gelandet, über die Treppe kommt man am schnellsten von der Wohnung nahe des Bosporus auf die Straße Richtung Taksimplatz, wo es auch nachts noch Pide und Linsensuppe gibt. Wie bergig Istanbul ist! An die Hauswand rechts hat jemand kunstvoll ein gelb-blaues Gesicht gesprüht.

Am nächsten Tag regnet es in Strömen, ein Bach kommt uns auf den Stufen entgegen. Wir springen von links nach rechts. Oben, am Ende der Treppe, blüht ein Baum, er weckt Frühlingsgefühle, trotz des Regens. Am dritten Tag freuen wir uns, als wir nach einem langen Spaziergang durch die Stadt von oben die Treppe erreichen, sie ist uns schon vertraut.

Am vierten Tag reißt endlich der Himmel auf. Die Straßen sind jetzt voll. Auf der Galatabrücke angeln Männer silberne kleine Fische. Auch die Katzen kommen aus ihren Winkeln. Eine alte Frau steht gebückt auf unserer Treppe und verteilt Trockenfutter. Bestimmt zehn Katzen streifen um sie herum, schnuppern und fressen. Wir laufen ein letztes Mal die Stufen hinunter. Antje Lang-Lendorff

11 Apr 2026

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Antje Lang-Lendorff

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