taz.de -- Intervention in Iran: Kampf der reinen Macht

Die militärische Intervention der USA und Israels in Iran lässt sich nicht in moralischen Kategorien denken. Dass das Regime dadurch beseitigt wird, ist zweifelhaft.

Bild: Vom us-amerikanischen Militär veröffentlichte Bilder zeigen einen Angriff auf eine iranische Militäranlage bei Hajjiabad

Während die Intervention gegen den venezolanischen Präsidenten Maduro nur ein paar Stunden brauchte, dauert jene gegen das iranische Mullah-Regime nun schon über drei Wochen. Und noch immer ist unklar, wie dieses Vorgehen, wie dieser Krieg zu bewerten ist. Ja mehr noch: Es zeigt sich zunehmend, dass die Bewertung des Krieges gewissermaßen unmöglich ist. Denn diesem wohnt eine absolute Ambivalenz inne.

Klar ist nur, dass der Angriff der USA und Israels auf den Iran, beginnend mit dem Enthauptungsschlag gegen die Staatsführung, rechtlich nicht legitimiert war. [1][Weder entspricht er dem Völkerrecht, noch hat er die innenpolitische Legitimation erfüllt]. Das bedeutet: Weder gab es ein UNO-Mandat noch einen Beschluss des Sicherheitsrates. Nur Trumps „Bauchgefühl“ (neuerdings spürt er es auch „in den Knochen“!). Das ist vielfach angemerkt worden.

Stattdessen trat etwas anderes auf den Plan: die Moral. Um es klar zu sagen: Die Moral dient als Ersatz für das Recht.

Und diese hat die emotionale Evidenz auf ihrer Seite. Denn jeder, wirklich jeder Kommentar betont: Dem brutalen Mullah-Regime, das die eigene Bevölkerung bestialisch massakriert, weine man keine Träne nach. Und haben nicht ebendiese religiösen Fanatiker ihre Politik auf absoluten Kategorien aufgebaut? Haben sie doch die USA als „großen Satan“ und Israel als „kleinen Satan“ bezeichnet, die es auszulöschen gelte.

Brüder im Ungeist

Also stimmt es, was Israels Ex-Premier Jair Lapid geschrieben hat: „Endlich, ein gerechter Krieg“ (wenn schon kein rechtmäßiger)?

Und genau da beginnt die Ambivalenz.

Nicht nur wegen der Akteure: Trump und Netanjahu – Brüder im Ungeist – als Hüter der Moral? Als Träger von Gerechtigkeit? Als Schützer der Menschenrechte?

Wenn Trump vom „terroristischen Regime des Irans“ spricht und die iranische Führung als „gestörte Mistkerle“ bezeichnet (es sei ihm eine Ehre, sie zu töten), dann erinnert das in seiner Absurdität an Putin, der sich über den völkerrechtswidrigen Angriff auf den Iran moralisch empört zeigt.

Aber nicht, dass autoritäre Machthaber als Befreier auftreten, macht die grundlegende Widersprüchlichkeit aus. Das könnte immer noch eine paradoxe „List der Geschichte“ sein, wo böse Mächte das Gute schaffen.

Herrschaft der Machtpolitik

Die Widersprüchlichkeit liegt vielmehr im Handeln selbst: Indem sie einen schlechten Machthaber eliminieren, wollen sie zugleich ihre eigene Macht befestigen. Indem sie die Führung umbringen, wollen sie sich als die neuen Herren behaupten. Gut und böse – in ein und demselben Vorgang.

Deshalb ist das in keiner Weise, mit keiner List, in moralischen Kategorien denkbar.

Im Gegenteil: Es ist vielmehr die Auflösung aller moralischen Kategorien. [2][Es ist die Herrschaft der Machtpolitik]. Ein nackter, reiner Kampf der Stärke. Selbstverteidigung wird gleichbedeutend mit dem Ausbau der eigenen Position. Das berechtigte Eigeninteresse des eigenen Überlebens, der eigenen Existenz, kippt in ein Machtstreben – im Falle Israels einer regionalen, im Falle der USA einer globalen Macht.

Widerstandsfähigkeit des iranischen Regimes unterschätzt

Eine solche stellt nicht die Frage der Berechtigung. Weder der rechtlichen noch der moralischen. Da zählt nur die Frage der Effizienz.

Und während Trump postet: „Wir zerstören das terroristische Regime des Irans vollständig, militärisch, wirtschaftlich und auf andere Weise“, schlägt das iranische Regime zurück. Fehleinschätzung! Trumps Bauchgefühl hat die Widerstandsfähigkeit des iranischen Regimes unterschätzt. In militärischer ebenso wie in politischer Hinsicht.

Zurzeit gibt es ein doppeltes Dilemma: Weder gibt es ein Exit-Szenario noch sieht es danach aus, dass das Regime vernichtet, die „Anführer von der Erde getilgt werden“, wie Trump trompetet. Es sieht eher nach einem „Regime Change“ aus – aber anderer Art, als der von vielen Iranern erhoffte: weg vom klerikalen hin zu einem militärischen System. Eine Verschiebung der Macht vom Klerus zu den Revolutionsgarden, der Eliteeinheit der iranischen Armee. Damit würde die Wahrheit des Regimes gewissermaßen rein in Erscheinung treten: ein religiös verbrämter Polizeistaat.

24 Mar 2026

[1] /Voelkerrecht-und-Angriff-auf-Iran/!6157102

[2] /Politische-Theorie/!6148149

AUTOREN

Isolde Charim

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