taz.de -- Handelsabkommen mit Südamerika: Mercosur tritt am 1. Mai vorläufig in Kraft
Das Mercosur-Handelsabkommen der EU mit südamerikanischen Staaten soll ab Mai vorläufig angewendet werden. Das teilte die EU-Kommission mit.
Bild: Eine Frau und viele Männer: Bei der Unterzeichnung des Freihandelsabkommens zwischen der EU und dem Mercosur im Januar 2026
afp | Das EU-Handelsabkommen mit den südamerikanischen [1][Mercosur]-Staaten tritt nach Angaben der EU-Kommission ab dem 1. Mai vorläufig in Kraft. Zahlreiche Zölle zwischen der EU und Brasilien, Argentinien sowie Uruguay sollen dann wegfallen, wie die Kommission am Montag mitteilte. Die drei südamerikanischen Staaten haben das Abkommen ratifiziert, die formale Ratifizierung im Europaparlament steht noch aus.
Auch der vierte Staat des Abkommens, Paraguay, hat den Handelsvertrag bereits ratifiziert, nach Angaben aus Brüssel aber noch keine offizielle Mitteilung an die EU-Kommission geschickt. Erhält die Kommission bis Ende März eine solche Mitteilung, sollen auch die Zölle im Handel mit Paraguay zum 1. Mai wegfallen.
EU-Handelskommissar Maros Sefcovic bezeichnete das vorläufige Inkrafttreten als „wichtigen Schritt, um unsere Glaubwürdigkeit als bedeutender Handelspartner unter Beweis zu stellen“. Hintergrund ist, dass sich die Ratifizierung im Europaparlament noch um mehrere Monate verzögert, weil die Abgeordneten auf Drängen von Kritikern des Abkommens den Europäischen Gerichtshof (EuGH) um eine juristische Prüfung gebeten haben.
Das Handelsabkommen soll eine der weltweit größten Freihandelszonen schaffen und die meisten Zölle auf beiden Seiten beseitigen. Während die Europäer unter anderem Autos und chemische Produkte nach Südamerika exportieren, liefern die Mercosur-Länder hauptsächlich landwirtschaftliche Erzeugnisse und Rohstoffe. Bauern in mehreren europäischen Staaten und vor allem in Frankreich protestieren deshalb gegen das Abkommen.
23 Mar 2026
LINKS
[1] /Mercosur/!t5295520
Mercosur
Europäische Union
Freihandel
Lateinamerika
Südamerika
ARTIKEL ZUM THEMA
Perspektivwechsel in der Globalisierung: Versprechen gebrochen
Handelsabkommen haben Konjunktur, dabei hat genau jene neoliberale Globalisierung die Welt instabiler gemacht. Linke müssen klar benennen, wer profitiert und wer nicht.
Brasiliens Präsident in Hannover: Lula und Merz wollen sich näher kommen
Lula und Merz erklären die Handelsbeziehungen vertiefen zu wollen, etwa im Bereich Rohstoffe. Über die Messe in Hannover laufen sie aber getrennt.
Wissenschaftler zum EU-Mercosur-Abkommen: „Die Kleinbauern auf beiden Seiten des Atlantiks verlieren“
Das Mercosur-Zollabkommen führt zu mehr Pestizideinsatz, sozialer Ungleichheit und Landgrabbing, sagt Ex-Sojabauer Antônio Andrioli.
Landnahme in Brasilien: Die Agrobarone und die Quilombolas
Reisbauern zerstören die Lebensräume indigener Gemeinschaften in Brasilien. Die Regierung verpflichtet sich zum Schutz, hilft aber nur halbherzig.
Handelsvertrag mit Südamerika: EU-Kommission will Mercosur-Abkommen trotzdem anwenden
Brüssel will den Vertrag in Kürze anwenden, obwohl es der EuGH noch prüfen muss. Zuvor hatten Uruguay und Argentinien das Abkommen ratifiziert.
Grüne Handelspolitikerin über Vertrag: „Das Mercosur-Abkommen könnte Gefahr für EU-Gesetzgebung werden“
Die grüne Europa-Abgeordnete Anna Cavazzini verteidigt die gerichtliche Prüfung des Handelsvertrags. Dieser schade Bauern, Regenwald und Klima.
Vertrag zum Freihandel: EU-Parlament ruft wegen Mercosur-Abkommen den EuGH an
Die EU-Kommission hat den Vertrag mit vier südamerikanischen Staaten schon unterzeichnet. Die EU-Parlamentarier*innen verzögern nun die Ratifizierung.