taz.de -- Hohe Spritpreise: Wer elektrisch fährt, kommt billiger weg
Verbände rechnen vor, was E-Auto-Fahren in Zeiten hoher Energiepreise finanziell bringt. Die EU berät über schwächere Klimaregeln für die Autobranche.
Bild: An der Ladesäule zahlen Autofahrer:innen weniger Aufpreis als an der Zapfsäule
E-Auto-Fahrer:innen kommen im Angesicht der stark steigenden Energiepreise besser weg als Menschen, die einen Verbrenner fahren. Das rechnet der Klima- und Verkehrsforschungsverband Transport & Environment (T&E) [1][in einer Kurzstudie vor], die er am Dienstag veröffentlicht hat.
Seit Anfang des Krieges zwischen den USA, Israel und Iran klettert der Ölpreis in die Höhe. Auch der für E-Autos relevante Strompreis ist durch teureres Gas gestiegen – laut T&E schlägt sich der Anstieg des Ölpreises für Fahrer:innen eines Benziners aber stärker nieder. Die zusätzlichen Kosten fürs Tanken seien voraussichtlich fünfmal so hoch wie der Aufschlag, den E-Auto-Fahrer:innen an der Ladesäule zahlen müssen.
Der Verband warnt in seiner Analyse deshalb auch davor, die EU-weit gültigen Regeln für die Verkäufe neuer Pkws, die sogenannten CO₂-Flottengrenzwerte, aufzuweichen. Am Dienstag trafen sich die EU-Umweltminister:innen in Brüssel, um über die Regelung zu beraten. Die Kommission hatte im Dezember [2][einen Kompromiss vorgeschlagen], der Autohersteller verpflichten würde, die CO₂-Emissionen ihrer Neuwagenflotte im Jahr 2035 verglichen mit 2021 um 90 Prozent zu senken. Bisher gilt ein Grenzwert von 100 Prozent für 2035 – neue Verbrenner und Plug-in-Hybride dürften nicht mehr verkauft werden.
Der Krieg in der Golfregion hat den globalen Ölmarkt aufgewühlt. Seit gut zwei Wochen blockiert das iranische Regime die Straße von Hormus, eine Meerenge am Persischen Golf und wichtiger Transportweg für Öl. Der Ölpreis stieg auf rund 102 US-Dollar pro Barrel, vor dem Krieg waren es etwa 70 Dollar.
Auch wenn Deutschland große Teile seines Öls aus anderen Regionen importiert, haben Mineralölkonzerne die Spritpreise an deutschen Tankstellen in die Höhe getrieben. Der deutschlandweite Durchschnittspreis für einen Liter Superbenzin lag am Dienstagnachmittag [3][nach einer Auswertung des Südwestrundfunks] bei 2,08 Euro.
T&E rechnet mit langfristigen Folgen für Spritpreise
Die Autor:innen der T&E-Studie nehmen an, dass die durchschnittlichen Spritpreise in der EU bei etwa 2 Euro pro Liter bleiben. Das schließen sie aus der Energiekrise im Jahr 2022, als Russland seinen Krieg gegen die Ukraine ausweitete, der Ölpreis auf etwa 100 US-Dollar pro Barrel anwuchs und sich die Spritpreise eine Weile auf hohem Niveau hielten.
Das Betanken eines durchschnittlichen Benziners würde so 14,20 Euro pro 100 Kilometer kosten, rechnet T&E vor – 3,80 Euro [4][mehr als vor dem Krieg zwischen Iran und Israel sowie den USA]. Fürs Laden eines E-Autos müssten die Fahrer:innen infolge höherer Gas- und Strompreise 6,50 Euro für 100 Kilometer zahlen, nur 0,70 Euro mehr als vorher. Hierbei setzt T&E voraus, dass der durchschnittliche Strompreis für Kund:innen in der EU „mittelfristig um 12 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 steigen wird“.
Die Auswirkungen des Irankriegs auf die Strompreise seien komplex und schwierig zu beziffern, gibt Patrick Plötz, Leiter der Abteilung Energietechnologien am [5][Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)] in Karlsruhe zu Bedenken. „Die grundsätzliche Aussage der Studie finde ich aber total richtig.“ Selbst wenn sich die akute Ölkrise schnell entspannen würde, blieben die Benzinpreise langfristig teurer – zum Beispiel wegen steigender CO₂-Preise auf nationaler und europäischer Ebene. „Je höher der Benzinpreis, desto attraktiver ist das E-Auto“, meint Plötz.
Dass schwächere Flottengrenzwerte auf EU-Ebene „zu Schaden führen können“, fürchtet auch der Energiewissenschaftler. „Auf dem internationalen Automarkt geht es ganz klar in Richtung batterielektrischer Fahrzeuge“, sagt Plötz. Die [6][europäische Industrie], Politiker:innen und Verbände müssten nun „gucken, dass Europa nicht den Anschluss verliert“.
Europa laut Greenpeace unterdurchschnittlich bei E-Autos
Genau davor, dass Europa bei der Elektromobilität den Anschluss insbesondere an China verliert, warnte am Dienstag auch die Umweltorganisation Greenpeace [7][mit einer neuen Datenrecherche]. Bis Ende 2035 führen drei von vier Autos weltweit elektrisch, in China sogar fast neun von zehn, rechnet Greenpeace vor. In Europa hingegen liege der E-Auto-Anteil dann bei voraussichtlich 71 Prozent, also unter dem weltweiten Durchschnitt.
Statt den Wandel hin zum E-Auto politisch auszubremsen, müsse die Bundesregierung „mit starken Steueranreizen das Tempo beim Umstieg auf Elektromobilität weiter anziehen“, fordert Lena Donat, Verkehrsexpertin bei Greenpeace. Laut T&E müssten europäische Staaten in den nächsten neun Jahren 45 Milliarden Euro weniger für Ölimporte zahlen, wenn die bisherigen EU-Regeln für Verbrennerverkäufe erhalten blieben und der E-Auto-Anteil entsprechend stiege.
Mobilitätsexpertin Katja Diehl schlug in den sozialen Medien derweil vor, seltener Auto zu fahren und erst für Wege ab fünf Kilometern ins Auto zu steigen. Die Verhandlungen über die EU-Flottengrenzwerte werden voraussichtlich einige Monate dauern.
18 Mar 2026
LINKS
[1] https://www.transportenvironment.org/te-deutschland/articles/iran-konflikt-trifft-benziner-fuenfmal-staerker-als-stromer?utm_source=T%26E+News&utm_campaign=3a6e3c2bc0-EMAIL_CAMPAIGN_2026_03_16_07_47&utm_medium=email&utm_term=0_-3a6e3c2bc0-380003442&mc_cid=3a6e3c2bc0&mc_eid=e493a5d5fd
[2] /Aus-fuer-Verbrenner-Aus/!6129924
[3] https://www.swr.de/swraktuell/diesel-und-benzinpreise-aktuell-so-tanken-sie-heute-clever-100.html
[4] /Unverschaemt-hohe-Spritpreise/!6162872
[5] https://www.isi.fraunhofer.de/
[6] /VW-praesentiert-schwaechstes-Ergebnis-seit-11-Jahren-Zehntausende-Stellen-werden-gestrichen/!6161165
[7] https://www.greenpeace.de/publikationen/Elektromobilitaet_boomt.pdf?utm_campaign=verkehr&utm_source=www.greenpeace.de&utm_medium=referral&utm_content=press-release
AUTOREN
Nanja Boenisch
Verkehrswende
Schwerpunkt Iran-Krieg
CO2-Emissionen
Elektromobilität
Ölpreis
Social-Auswahl
Verbrenner
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