taz.de -- Malerei und Kunst: Die tröstendste aller Metropolen

Ein Film von Elia Kazan, eine Folge „Atlanta“ und Malereien von Fedele Spadafora: Der März steht für unsere Autorin im Zeichen des Wiedersehens.

Bild: Wo das Dim Sum nicht fern ist: New York

Es gibt eh viel zu viel oder sowieso nichts Neues, zwischen beiden Polen schwankt dieser Monat. Dabei sind ja die gar nicht so alten Dinge noch kaum richtig verarbeitet, angemessen besehen und gewürdigt. Was im Serienjournalismus auch der rigiden Rezensionspolitik der Streamingdienste geschuldet ist – wenige Folgen müssen meist genügen, damit die Kritik rechtzeitig für den journalistischen Newszyklus rausgeht.

Man könnte sich im März also zum Beispiel noch einmal [1][Donald Glovers Serie „Atlanta“] anschauen, an der so vieles so gut ist, und der mit der zweiten Staffel gar eine Art Transfer des alten, unheimlichen Amerikas auf Europa gelingt.

In der achten Folge, „New Jazz“, wandeln die Protagonisten so durch ein ihnen überraschend fremd werdendes Amsterdam, in dem Blackfacing zum guten Ton gehört (am Nikolaus-Vorabend mit dem sogenannten Zwarte Piet) und die dort sogenannte Euthanasie als Happening durchgeführt wird. In beiden Fällen mit einer Unbekümmertheit, deren unheimliche Qualität vielleicht erst der Blick von außen offenzulegen vermag (beide Staffeln bei Disney Plus).

Die ganz gewöhnliche Mitte 1947 in den USA

Noch weiter zurück liegt ein Hollywoodfilm, der seinerseits blinde Flecken im eigenen Land thematisierte. Wo Antisemitismus mehr denn je der Antisemitismus der anderen ist, derweil jüdische Einrichtungen auch in den USA unter den Augen einer rasch Rechtfertigung suchenden Öffentlichkeit zunehmend attackiert werden, hat der griechisch-amerikanische Regisseur Elia Kazan mit „Gentleman’s Agreement“ (deutsch: „Tabu der Gerechten“) nach dem Roman von Laura Z. Hobson bereits 1947 ein frühes Lehrstück über die Ressentiments der ganz gewöhnlichen, gesellschaftlichen Mitte verfilmt.

Zum Schluss noch Wiedersehen in den Frankfurter Galerien: mit dem [2][Wiener Julian Turner], der die BRD offenbar so gut kennt wie kaum ein anderer zeitgenössischer Künstler. Diesmal ist es unter anderem der Ausblick aus einem Intercity-WC, mitsamt des innen liegenden Interieurs, der gerade als Skulptur in der Galerie FILIALE zu sehen ist („Julian Turner. Esprit“, bis 25. April).

Bilder von Fedele Spadafora

Und dann noch einmal New York City, diese tröstendste aller Metropolen. An der ja auch immer noch begeistert, was viel altmodischer ausschaut als andernorts (wenngleich die schönen Zwei-Sterne-Hotels mit ihrem braun-beigen Interieur spätestens seit Ende von Corona restlos aus dem Stadtbild getilgt worden sind). In der Galerie Kerstin Leuenroth hängen jetzt neue Bilder von Fedele Spadafora, der Orte und Menschen seiner Heimatstadt in gemalten Miniaturen einfängt.

Die klassischen amerikanischen Diners mussten vielerorts zeitgenössischer Café-Ästhetik weichen, aber es gibt sie noch – ebenso wie Chinatown, das scheinbar super-resiliente Ökosystem einer Diaspora, die im Gegensatz zum benachbarten Little Italy noch immer mehr ist als ein bloßes Touristenabbild. Beide Zeitkapseln hat der Maler neben weiteren Vignetten des New Yorker Alltags in fabelhaft kleinen Formaten eingefangen („The Stories in Between. Fedele Spadafora“, bis 18. April).

21 Mar 2026

[1] /Dritte-Staffel-von-Atlanta/!5864401

[2] /Ausstellung-zur-alten-BRD/!5997423

AUTOREN

Katharina J. Cichosch

Katharina J. Chichosch

TAGS

wochentaz

Kolumne High & Low

Kulturkolumnen

Malerei

Skulptur

New York

ARTIKEL ZUM THEMA

Preis des Deutschen Architekturmuseums: Tendenz zum Verwaltungsbau

Beim Preis des Deutschen Architekturmuseums interessiert besonders, wie soziales Bauen geht, das nicht nach Mängelverwaltung aussieht.

Fotoarbeiten von Laura J. Padgett: Sich ein Bild von der Natur machen

Fotografie als menschliche Interpretation der Natur: Laura J. Padgetts großformatige Bilder zeigen Stadtgrün aus Frankfurt, Basel und Brooklyn.

Ausstellung von Lena Schramm in Würzburg: Hysterisches Vergnügen

Von der Freizeitkultur durchtränkt und ein bisschen beknackt: die Soloschau der Berliner Künstlerin Lena Schramm im Museum im Kulturspeicher Würzburg.

Ausstellung Trisha Donnelly in Frankfurt: Die Dinge, bevor sie Dinge werden

Ihre Objekte bleiben rätselhaft: Das Museum für Moderne Kunst richtet der US-amerikanischen Künstlerin Trisha Donnelly eine Einzelschau aus.

Proxied content from gemini://taz.de/%216161406 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%216161406
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.