taz.de -- Nette Berliner: Entschuldigung, Ihre Tasche tropft

Beim ungewöhnlichen Biertransport kommt man schnell mit den Tischnachbarn ins Gespräch. Und die sind sogar netter als in Hamburg.

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Es ist Donnerstagmittag. Einer der ersten Frühlingstage. Im Hof zwitschern die Vögel und ich verspüre große Lust, den Schal zu Hause, die Jacke offen zu lassen und einen Kaffee in der Sonne zu trinken. Sie wird immer größer, je mehr ich eigentlich arbeiten müsste. L. geht es genauso. Wir treffen uns in einem Selbstbedienungscafé, das schon Stühle und Tische draußen stehen hat und genießen die Sonne. Ein älteres Paar kommt und setzt sich an einen Tisch neben uns. Er geht an einem Rollator und sieht müde aus. Sie reicht ihm eine Zeitung und sagt: „Ich hol uns mal was.“

Es dauert, dann kommt sie mit einer Apfelschorle in der Hand wieder. Aus ihrer Tasche tropft es, sodass ihr halber Mantel nass ist. Eine Spur führt vom Eingang bis zu ihrem Tisch. „Entschuldigung!“, rufe ich: „Aus Ihrer Tasche tropft es.“

„Oh. Das ist das Bier. Ich habe das Glas und die Flasche in die Tasche gestellt und dachte, es hält.“ Sie holt beides aus der Tasche, will sich einschenken, aber es kommen nur noch ein paar Tropfen. Sie sieht zu uns: „Ha, das ist dann wohl alles in der Tasche.“ Wir lachen.

L. fragt, ob er Servietten holen soll, aber die Frau winkt ab. „Nicht nötig, aber wenn es nichts ausmacht, gern ein neues Bier.“ Sie reicht ihm 20 Euro. Als L. drinnen ist, sagt sie zu mir: „Das ist aber nett von Ihrer Begleitung. Erstaunlich, wie hilfsbereit die Berliner sind.“ „Ach ja?“, frage ich ungläubig. „Sehr. Wenn man nach dem Weg fragt, laufen sie fast noch mit.“

L. bringt das Bier: „Da sind Sie vielleicht die Einzige, die das sagt.“ Ich muss lachen. „Es liegt vielleicht eher an Ihnen.“ „Ja?“, wundert sich die Frau. „Also wir kommen aus Hamburg und sind sehr gern hier.“ Ihr Mann sieht zum allerersten Mal von seiner Zeitung auf. Dann liest er weiter.

11 Mar 2026

AUTOREN

Isobel Markus

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