taz.de -- Heidenheim vor dem Abstieg: Ode an die Hoffnungslosigkeit

Trainer Frank Schmidt macht sich im Abstiegskampf seiner Heidenheimer keine Illusionen. Wohltuend anders als die üblichen Trainer-Motivationsgurus.

Bild: Angenehmer lebt sich's mit Realimus: Frank Schmidt beim Spiel gegen Werder

Was sind wir nicht für Durchhalteparolen gewohnt zu dieser Phase der Männerbundesliga? Die Trainer abstiegsbedrohter Klubs treten auf wie [1][spirituelle Guides] in obskuren Ecken des Internets. Ständig ist die Rede von ungebrochener Hoffnung, vom Glauben ans rettende Ufer, selbst wenn dieses von der Entfernung her einer Atlantiküberquerung gleichen würde. Und wenn gar nichts mehr geht, heißt es gern: „Wir brauchen ein Wunder.“ Der spirituelle Guide darf keine Müdigkeit vortäuschen, keine Resignation durchblicken lassen.

Wohltuend anders in Heidenheim. Dort sieht es nach dem 24. Spieltag gar nicht gut aus: Heidenheim hat acht Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Mit dem Punktestand zu diesem Zeitpunkt schaffte kein Verein seit Einführung der Drei-Punkte-Regel den Klassenerhalt. Zeit für Einpeitscherformeln? Nein, [2][Trainer Frank Schmidt] akzeptiert die Hoffnungslosigkeit mit offenen Armen. „Unser Weg führt – Stand heute – in die zweite Liga“, gab er nach der 0:2-Niederlage gegen Werder Bremen zu Protokoll.

Schmidt versteht, den Taschenrechner zu nutzen: „Wir müssten mehr Punkte aufholen im Schnitt, als wir im Schnitt nach 24 Spieltagen geholt haben. Daher wäre es auch nicht richtig zu sagen, der Glaube ist ungebrochen.“ Glaube, Liebe, Hoffnung? Nicht in Heidenheim. „Mit Hoffnung kommst du im Fußball sowieso nicht weit.“ Wohl wahr. Und vielleicht zeigt das, dass zumindest die Liebe in Heidenheim besonders groß ist. Schmidt, seit biblischen 18 Jahren im Amt, muss Fans und Spielern nicht mit Hokuspokus beeindrucken. Keine Wunder, [3][Medizinballstrafen], wirren Motivationstricks. Er genießt Vertrauen.

Denn letztlich kommt das Guru-Gehabe ja bloß vom unmenschlichen Erwartungsdruck. Wer als Coach nur eine Sekunde vor dem letzten Schlusspfiff die Flinte ins Korn wirft, gilt als Schwächling, ist vielleicht gleich den Job los. In Heidenheim zeigt sich die Liga mit menschlichem Antlitz. Zumindest bis Saisonende. Denn länger wird es wohl nicht gehen. Das wissen im Geheimen selbst die Gurus.

1 Mar 2026

[1] /Missbrauch-in-der-Tantra-Szene/!5933020

[2] /Heftige-Niederlage-gegen-die-Werkself/!6124298

[3] /Bundesliga-Countdown-2/!5197206

AUTOREN

Alina Schwermer

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