taz.de -- Medienskandal in Serbien: Ein Plan wird Realität
In Serbien sind freie Medien unter Druck von Präsident Vučić. Nun stehen der TV-Sender N1 und die Zeitung „Danas“ vor einschneidenden Änderungen.
Bild: Demonstration in Novi Sad: N1 berichtet fast täglich
Aleksandra Subotić ist ihren Job los. Die Geschäftsführerin von United Media leitete einige der letzten unabhängigen Medien in Serbien, darunter den TV-Sender N1 und die Tageszeitung [1][Danas].
Erst im August machten Investigativjournalist:innen ein abgehörtes Telefonat öffentlich, in dem genau das besprochen wurde. Stan Miller, Chef der United Group, zu der United Media gehört, spricht darin mit Vladimir Lučić, Chef der überwiegend staatlichen Telekom Srbija.
Lučić erklärt, [2][was Präsident Aleksandar Vučić anordne]t: N1 soll an Einfluss verlieren, Subotić müsse gehen. Miller sagte damals, er brauche Zeit, müsse zuerst noch andere Veränderungen anstoßen. Jetzt, sechs Monate später, ist der Plan Realität geworden.
„Ich habe mich unermüdlich dafür eingesetzt, dass alle Medien unserer Gruppe völlig frei von politischer oder unternehmerischer Einflussnahme arbeiten können“, sagte Subotić im Oktober zur taz.
Einschaltquote von N1 verdoppelt
Das machte sie zum Problem für Vučić, der seit Jahren die freie Presse im Land unter Druck setzt. N1 und Nova S sind derzeit die einzigen TV-Sender in Serbien, die nicht unter seiner Kontrolle stehen. N1 berichtet fast täglich von den Protesten, die seit dem verheerenden [3][Einsturz des Bahnhofsvordachs in Novi Sad] im November 2024 das Land erschüttern.
Seit dem Beginn der Demonstrationen hat sich die Einschaltquote von N1 verdoppelt. Deshalb versucht die Regierung seit geraumer Zeit, die Arbeit der Journalist:innen zu behindern, zum Beispiel, indem N1 keine nationale Frequenz bekommt. Zudem üben Anhänger:innen der Regierungspartei SNS Gewalt gegen Reporter:innen aus. Seit Vučić 2017 Präsident wurde, ist [4][Serbien im Ranking der Pressefreiheit] von Platz 59 auf Platz 96 abgerutscht.
Auch die „anderen Veränderungen“, von denen Miller im Telefonat mit Lučić sprach, hat die United Group in die Tat umgesetzt. Am Donnerstag verkündete das Unternehmen die Gründung der Adria News Network (ANN) und übertrug alle United Media-Medien dorthin.
Bei ANN wird Brent Sadler, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von N1 und Ex-CNN-Korrespondent, die redaktionelle Aufsicht über die Medien haben. ANN soll „die redaktionelle Unabhängigkeit stärken und formalisieren“, so United Group-Chef Miller in einer [5][Pressemitteilung].
Daran glauben die Journalist:innen von N1 nicht. Für Igor Božić, Programmchef von N1, ist die Umstrukturierung die Umsetzung des Vučić-Plans. „Ziel ist, später die Kontrolle über die Medien zu erlangen“, sagte er gegenüber der taz. Sadler habe ihn angerufen mit der Anweisung, „nur noch an ihn zu berichten“.
„Solange wir hier sind, arbeiten wir unabhängig“
Besonders beunruhigend ist der Blick auf die weiteren Namen des ANN-Vorstands. Dort sitzt unter anderem Rani Raad, ehemaliger CEO eines Medienportfolios unter Kontrolle von Scheich [6][Mansour bin Zayed Al Nahyan] aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der Scheich pflegt enge Beziehungen zu Vučić. „Der Name bin Zayed lässt alle Alarmglocken läuten“, sagte Mihailo Jovičević, Chefredakteur von Nova.rs, [7][gegenüber N1].
Nachdem die Umstrukturierung bekannt wurde, bestritt Vučić jede Beteiligung. Er hoffe nun auf „höflichere Kritik“.
Davon ist erst mal nicht auszugehen. „Solange wir hier sind, arbeiten wir unabhängig“, sagte Božić bei einer Diskussion auf N1. Und Dragoljub Petrović, Chefredakteur von Danas, fügte hinzu: „Wir werden niemandem dienen.“
25 Feb 2026
LINKS
[1] https://www.danas.rs/
[2] /Pressefreiheit-in-Serbien/!6116213
[3] /Novi-Sad/!6122814
[4] https://www.reporter-ohne-grenzen.de/rangliste/laender/162/serbien
[5] https://united.group/united-group-implements-a-new-governance-framework-to-safeguard-independence-of-its-news-operations/
[6] /Kauf-durch-RedBird-Capital/!6107351
[7] https://n1info.rs/english/news/ug-media-editors-new-management-says-editorial-independence-we-want-defense-against-the-powerful/
AUTOREN
Jana Lapper
Pressefreiheit in Europa
Serbien
Medien
Schwerpunkt Pressefreiheit
Feinde der Pressefreiheit
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