taz.de -- Epstein-Affäre in Großbritannien: Ex-Botschafter Peter Mandelson festgenommen
Dem britischen ehemaligen Labour-Strippenzieher Peter Mandelson droht eine Klage wegen Amtsmissbrauchs. Labour ließ auch zwei unbequeme Journalisten bespitzeln.
Bild: Gegen den ehemaligen britischen Botschafter in den USA, Peter Mandelson, wird polizeilich ermittelt
Die Ermittlungen in Großbritannien wegen Vergehen im Zusammenhang mit den sogenannten Epstein-Akten nehmen an Fahrt auf. Am Montagnachmittag wurde der in Ungnade gefallene ehemalige britische Labour-Politiker [1][Peter Mandelson], im Jahr 2025 einige Monate lang Botschafter in den USA, von Polizeibeamt:innen abgeholt und in einer Polizeidienststelle verhört.
Der 72-Jährige kam erst am Dienstagfrüh unter Auflagen wieder frei. Die Ermittlungen zu seiner Causa laufen nun weiter und könnten zu einer Anklage wegen Amtsmissbrauchs führen.
Für das gleiche Vergehen wurde [2][Andrew Mountbatten-Windsor,] Bruder von König Charles III. und ehemaliger Handelsbeauftragter der britischen Regierung, vergangene Woche kurzzeitig festgenommen und verhört. Es wurden Fragen laut, wieso nicht auch Peter Mandelson drankäme.
Die in den USA veröffentlichten Akten des toten Sexualstraftäters Epstein beweisen, dass Mandelson 2009 und 2010 als britischer Handelsminister vertrauliche Regierungsinformationen an Epstein weiterleitete. Sie zeigen auch, dass Mandelson und sein Ehepartner – er ist homosexuell – Geld von Epstein erhielten.
Mandelson war früher einer der wichtigsten politischen Drahtzieher der Labour-Partei und prägte den Begriff „spin doctor“ vor und während der Labour-Regierungen von Tony Blair und Gordon Brown 1997 bis 2010. Auch beim Aufstieg Keir Starmers an die Labour-Spitze 2020 und an die Regierungsspitze 2024 war er involviert. Bereits während der Blair- und Brown-Regierungen war er in Skandale verwickelt und legte zwei Mal sein Amt, als Handelsminister und als Nordirlandminister, nieder.
Keir Starmer hatte ihn Ende 2024 aus dem politischen Ruhestand geholt und zum Botschafter in den USA ernannt, aber im September 2025 wurde er nach den damaligen ersten Epstein-Enthüllungen [3][entlassen]. Diese Enthüllungen hatten gezeigt, dass Mandelson mit Epstein auch nach dessen Verurteilung für Sexualdelikte an einer Minderjährigen im Jahr 2008 im engen Austausch blieb und dessen Schuld anzweifelte.
Im Januar kamen dann die weiteren Enthüllungen hinzu. Premierminister Starmer behauptet zudem, dass Mandelson bei seiner Befragung vor der Berufung zum Botschafter über das Ausmaß seiner Verbindungen zu Epstein mehrmals gelogen hat. Er selbst musste jedoch zugeben, mehr über diese Verbindungen gewusst zu haben, als er ursprünglich zugab.
Alle Einzelheiten des Verfahrens wurden der Polizei für Ermittlungen zur Verfügung gestellt. Ein Teil der Dokumente soll im März auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, mit vorübergehender Ausnahme jener, die Polizei und Staatsanwaltschaft brauchen können.
Anfang Februar hatten die Polizeibehörden bereits Mandelsons Londoner Luxushaus und sein Landgut in Wiltshire durchsucht. Peter Mandelson entschuldigte sich für seinen Kontakt mit Epstein und gab an, dass er nie aus seiner Verbindung zu Epstein persönlichen Profit schlagen wollte.
Das Bekanntwerden dieser Verbindung bringt ihm Verluste: Das von Mandelson mitbegründete Lobbyunternehmen [4][Global Counsel] – es hatte auch ein Büro in Berlin und betreute Kunden wie BMW, Duolingo, Shell, Barklays, Tik Tok, Shell und die Premier League – meldete vergangene Woche Konkurs an.
Investigativjournalisten ausspioniert
Nicht nur Peter Mandelson steht im Zwielicht. Auf Wunsch Starmers wird auch Digitalminister Josh Simons überprüft. Simons war einst Chef des Starmer-treuen Labour-Thinktanks Labour Together, der von Mandelsons ehemaligem Mitarbeiter und späteren Starmer-Stabschef Morgan McSweeney aufgebaut wurde. Ende 2023 beauftragte Simons das US-Unternehmen Apco Worldwide zwei Journalisten der Sunday Times auszuschnüffeln – sie hatten [5][enthüllt], dass Labour Together Spenden in Höhe von 700.000 Pfund nicht deklariert hatte.
Apco sammelte falsche und persönliche Informationen über die Journalisten Gabriel Pogrund und Harry Yorke, etwa über angebliche Verbindungen nach Russland, die dann unter der Hand an verschiedene Stellen [6][verteilt wurden].
Mandelsons Festnahme stellt Labour wieder ins Zentrum der britischen Aufmerksamkeit in Sachen Epstein, nachdem tagelang stattdessen über die Königsfamilie diskutiert worden war. Das kommt der Regierung ziemlich ungelegen, nur wenige Tage vor einer wichtigen [7][Nachwahl im Wahlkreis Gorton and Denton] bei Manchester am kommenden Donnerstag. In der ehemaligen Labour-Hochburg wird die Partei jetzt schwer von Reform UK sowie den Grünen bedrängt.
24 Feb 2026
LINKS
[1] /Keir-Starmer-in-der-Krise/!6152408
[2] /Epstein-Akten-und-britische-Royals/!6156110
[3] /Wegen-Epstein-Skandal/!6105461
[4] https://www.global-counsel.com/
[5] https://www.thetimes.com/uk/politics/article/keir-starmer-prime-minister-morgan-mcsweeney-investigation-65fnh8zrt
[6] https://www.thetimes.com/uk/politics/article/peter-mandelson-labour-together-news-5njn9qzw8
[7] /Starmer-Regierung-in-Grossbritannien/!6153296
AUTOREN
Daniel Zylbersztajn-Lewandowski
Großbritannien
Labour Party
Keir Starmer
Reden wir darüber
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