taz.de -- Katholische Kirche zeigt Reliquien: Franz von Assisi zurück unter den Lebenden
Erstmals seit fast 800 Jahren werden die Gebeine des heiligen Franz von Assisi öffentlich gezeigt – für vier Wochen. Der Andrang ist groß.
Bild: Da isser wieder: Franz von Assisi
afp | Erstmals seit fast 800 Jahren werden die Gebeine des katholischen Heiligen Franz von Assisi der Öffentlichkeit präsentiert. Seit Sonntag sind die Reliquien des 1226 verstorbenen Bettelmönchs und Gründers des Franziskanerordens in der ihm gewidmeten Basilika San Francesco der italienischen Bergstadt Assisi ausgestellt. Für die vier Wochen dauernde Ausstellung haben sich nach Angaben der katholischen Kirche bereits rund „400.000 Menschen aus aller Welt“ angemeldet.
Die bis zum 22. März zugängliche Ausstellung werde Gläubigen und sonstigen Besucherinnen und Besuchern eine „bedeutungsvolle Erfahrung“ ermöglichen, erklärte der Sprecher des Franziskanerklosters von Assisi, Giulio Cesareo. Der „versehrte“ Zustand der Knochen des katholischen Heiligen zeige, dass sich er sich „voll und ganz“ seinem Lebenswerk verschrieben habe.
Mit Stickstoff gefüllte Plexiglasvitrine
Franz von Assisi [1][wirkte im 13. Jahrhundert]. Als Sohn eines reichen Tuchhändlers entsagte er jeglichen Besitzes und widmete sein Leben den Armen. Am 3. Oktober 1226 starb er, zwei Jahre später wurde er heilig gesprochen. Seine Gebeine wurden in die 1230 zu seinen Ehren erbaute Basilika überführt. 1818 wurde das Skelett des Heiligen wieder ausgegraben, mehrfach wissenschaftlich untersucht und auf seine Echtheit überprüft. Es gilt seitdem als Reliquie. Seitdem wurden die Gebeine lediglich ein einziges Mal 1978 für einen Tag einer begrenzten Personenzahl gezeigt.
Das 800 Jahre alte Skelett ist in einer mit Stickstoff gefüllten Plexiglasvitrine aufgebahrt, die mit der lateinischen Inschrift „Corpus Sancti Francisci“ (Der Leib des heiligen Franz) versehen ist. Die Vitrine ruhte seit 1978 in einem Metallkasten innerhalb eines Steingrabs der Krypta der Basilika San Francesco.
Geschützt werden die Gebeine durch einen weiteren versiegelten und kugelsicheren Glaskasten. Überwachungskameras sollen rund um die Uhr in Betrieb sein, um die Unversehrtheit der sterblichen Überreste zusätzlich zu gewährleisten.
Feiertag aus finanziellen Gründen abgeschafft
Der heilige Franz von Assisi gilt als Schutzpatron Italiens. Anlässlich seines 800. Todestages wurde der 4. Oktober zu seinen Ehren erneut zum nationalen Feiertag erklärt. Vor rund 50 Jahren war der Feiertag aus finanziellen Gründen abgeschafft worden.
Die Wiedereinführung des Feiertags ist auch eine Hommage an den im vergangenen Jahr verstorbenen [2][Papst Franziskus]: Als erster Papst überhaupt [3][hatte er den Namen des heiligen Franz angenommen]. Papst Franziskus verstarb im April 2025 im Alter von 88 Jahren.
22 Feb 2026
LINKS
[1] /Pilgern-in-Mittelitalien/!5115469
[2] /Neue-Papst-Enzyklika/!5715866
[3] /Papst-Franziskus/!5071365
ARTIKEL ZUM THEMA
Neue Untersuchungen im Magdeburger Dom: Otto der Große war wirklich groß
Das mittelalterliche Grabmal Kaiser Ottos I. muss saniert werden. Offen war bislang, ob die sterblichen Überreste im Sarg tatsächlich dem Kaiser gehören.
Nach dem Tod von Papst Franziskus: Was bleibt, wenn der Rauch sich legt?
Papst Franziskus hat die katholische Kirche reformiert, das war nicht überall beliebt. Ein Blick auf sein Erbe in Afrika, Asien, Europa und Lateinamerika.
Nachruf auf Papst Franziskus: Unerlässlich in einer Zeit der politischen Härte
Papst Franziskus war ein klassischer Vertreter der Befreiungstheologie. Er hat die Kirche maßgeblich verändert. Am Ostermontag starb er nach längerer Krankheit.
Caravaggio-Kunstraub in Palermo: Offene Wunde, heilende Kunst
Aus einer Kirche in Palermo wurde 1969 ein Caravaggio-Gemälde gestohlen. Jährlich an Heiligabend wird an seiner Stelle ein neues Kunstwerk enthüllt.