taz.de -- Diskussion über Medaillenspiegel: Schon wieder zu wenig Gold

Deutschland hat nur 26 statt der angestrebten 27 Medaillen bei Olympia geholt und rekordmäßig viele vierte Plätze. Das geht so natürlich nicht.

Bild: Freestyle-Skierin Daniela Maier – eine von wenigen Deutschen mit Goldmedaille bei diesen Winterspielen

Die Spiele waren noch gar nicht offiziell beendet, da brach auch schon die Diskussion aus, die sich in den letzten Tagen mit jeder [1][vertanen Medaillenchance] immer weiter angebahnt hatte. Ja, die eigentlich schon die ganze Zeit in der Luft lag, zusammen mit der vagen Hoffnung, dass „wir“, die Wintersportnation Deutschland, wenigstens im Wintersport nicht ganz so schlecht abschneiden würden wie bei den Sommerspielen. Bei denen landete Deutschland im Medaillenspiegel „nur“ auf Platz 10, was eine Riesendiskussion über Sportförderung auslöste.

Jetzt ist es wieder so weit: Deutschland hat schon wieder zu wenig Medaillen geholt. Jedenfalls aus Sicht von Olaf Tabor, Chef de Mission des Teams Deutschland und Vorstand für Leistungssport des DOSB, der von „Freude, Stolz und einer Prise Ernüchterung“ spricht.

27 Medaillen hatte man angestrebt. 26 Stück hat Deutschland am Ende insgesamt holen können. Das reicht nicht! Das ist nicht nur eine zu wenig, sondern eigentlich viel zu wenig – so der Tenor. Vor allem, weil darunter auch nur acht von den wertvollen Goldmedaillen waren. Und sowieso kamen die meisten Medaillen diesmal nur von den Rennrodlern und Bobfahrern, bei denen lief’s okay. Aber ansonsten? Katastrophal. Ja, geradezu beschämend.

[2][Von den zehn Medaillen], die der DOSB und das Bundesministerium des Inneren mit dem Deutschen Skiverband (DSV) für die Ski-Disziplinen vereinbart hatten – als könnte man sowas vertraglich absichern – sind doch nur sechs in Erfüllung gegangen. Geht eventuell jeder Enttäuschung doch eine Selbsttäuschung voraus?

Dafür so viel Blech wie noch nie

Immerhin: Keine Nation hat bei diesen Winterspielen mehr vierte Plätze gesammelt als Deutschland. So ist es nun mal im sportlichen Wettbewerb, da können selbst den Profis Fehler passieren. Oder diese einfach Pech haben. Oder andere Sportlerinnen einen besseren Tag haben und besser abschneiden. Garantien gibt es eben keine. Man könnte sich auch mal damit zufriedengeben, dass die eigene Nation eben mal den Titel der „Könige des Blechs“ mit nach Hause bringt. Nein, den ewigen Kritikern reicht das nicht.

Bei den Winterspielen 2022 schaffte es Deutschland schließlich noch auf Platz zwei im Medaillenspiegel, hinter Norwegen, das war noch zu verkraften. Diesmal ist es ein peinlicher fünfter Platz, sogar noch hinter Italien! Diese Mittelmäßigkeit ist so schrecklich, dass sich sogar der bayerische Ministerpräsident einschalten muss: „Ich finde, wir sollten uns beim Medaillenspiegel nicht mit 9, 10, 11 Medaillen zufriedengeben.“ Moment, es waren doch 26?!

Markus Söder ist jedenfalls überzeugt davon, dass Olympische Spiele im eigenen Land „Deutschland und Bayern einen Riesenschub geben“ würden. Außerdem – so der klassische Lösungsansatz – brauche es einfach noch mehr Geld für Sportförderung. Und natürlich: wieder mehr Disziplin für den Nachwuchs. Zurück zu den guten alten Bundesjugendspielen und zur Devise: Leistung muss sich wieder lohnen.

Alternativ könnte man ja auch mal hinterfragen, warum das jetzt eigentlich sooo wichtig ist, dass die deutsche Nation immer ganz oben stehen muss im Medaillenspiegel. Aber egal.

22 Feb 2026

[1] /Deutsche-Biathleten-am-Abgrund/!6156103

[2] /DSV-Sportchef-Maier-ueber-Olympia-Es-wird-entscheidend-sein-dass-man-Emma-Aicher-diese-Leichtigkeit-laesst/!6151494

AUTOREN

Ruth Lang Fuentes

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