taz.de -- Atomkraft in den USA: Erstflug eines Mini-Atomreaktors

In den USA hat das Militär einen Reaktor per Flugzeug transportiert. Das Manöver ist Teil einer Renaissance der Atomkraft. Kritiker sind alarmiert.

Bild: Der Mini-Atomreaktor im Transportflugzeug C-17

Es war ein Erstflug der besonderen Art. Zum ersten Mal hat das amerikanische Militär einen Atomreaktor per Flugzeug transportiert. Der kurze Flug zwischen Kalifornien und Utah am vergangenen Wochenende sei Teil der „amerikanischen Atomkraft-Renaissance“ unter Präsident Donald Trump, erklärte US-Energieminister Chris Wright. Kritiker sehen darin eine Fehlinvestition und mögliche Gefahren.

Im Rumpf einer Militärtransportmaschine vom Typ C-17 ging der Mini-Atomreaktor von der Größe eines Kleinbusses am Sonntag auf Reise. Der Reaktor des Start-ups Valar Atomics hat einer Kapazität von 5 Megawatt und könnte rund 5.000 Einfamilienhäuser mit Strom versorgen.

Der Transport diente laut Energieunternehmer Maksim Sonin auch dazu, gesellschaftliche Bedenken auszuräumen. „Dieser Test war ein weiterer Schritt zur Risikominimierung, in einem Bereich, der von der Gesellschaft als extrem gefährlich wahrgenommen wird“, sagte Sonin gegenüber taz.

Kernenergie erlebt in den USA [3][aktuell eine neue Hochphase]. Sowohl Demokraten als auch Republikaner unterstützen Investitionen in die Technologie, wenn auch aus verschiedenen Gründen. Demokraten geht es um Klimaschutz, Republikanern um die Energiesicherheit. Sowohl die Regierung von Präsident Joe Biden als auch die aktuelle Trump-Regierung setzten vor allem auf Entwicklungen im Bereich der [4][Mini-AKWs]. Diese sollen die großen Kernkraftwerke aus dem vergangenen Jahrhundert ergänzen und deren Schwächen im Bereich Kosten eliminieren.

Einsatz in entlegenen Gebieten

Für das Militär bieten Mini-Reaktoren eine Alternative zu Dieselgeneratoren und sollen bei Missionen in entlegenen Gebieten zum Einsatz kommen. Auch der Einsatz in Katastrophenfällen steht zur Debatte. Kritiker warnen allerdings das selbst Mini-AKWs große Mengen an Atommüll produzieren und deren Geschäftsmodell noch immer fraglich ist.

„Es gibt keine wirtschaftliche Grundlage für Mini-Reaktoren, die (…) Strom zu weitaus höheren Kosten erzeugen würden als große Kernreaktoren, ganz zu schweigen von erneuerbaren Energien wie Wind oder Sonne“, sagte Edwin Lyman, Direktor für nukleare Sicherheit bei der Union of Concerned Scientists, gegenüber Reuters.

Aktuell befinden sich [5][Mini-Atomreaktoren] noch in der Design- und Testphase. Mit ersten kommerziellen Anwendungen wird frühestens in einigen Jahren gerechnet.

20 Feb 2026

[3] /Brennstoff-fuer-Reaktoren/!6143203

[4] /Hype-um-Mini-Atomkraftwerke/!5996573

[5] /Energieunternehmen-steigen-aus/!5973390

AUTOREN

Hansjürgen Mai

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