taz.de -- Alarm zum Frühstück: Das kalte Haus

An einem normalen Montagmorgen springt auf einmal der Kohlenmonoxid-Melder an. Wann kann man sich danach wohl wieder nach Hause trauen?

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Wie ich nach Hause zurückkomme und drinnen alles so aussieht wie draußen: voller Schnee, mit weißen Nebeln und bläulichem Licht, das stellte ich mir vor in der U-Bahn, auf dem Weg dorthin. Tauben picken etwas von meinem Tisch, vielleicht kriechen andere Tiere unter Möbelstücke, wie im [1][neuen Rosalía-Video zum Song „Berghain“]. Mir tat es leid, mein Zuhause so zurückzulassen, als wäre es ein Mensch in Not, als wäre ich selbst noch dort, zusammengerollt, um mich zu wärmen. Aber ich sah keine andere Option.

„Du wirst es nie wieder warm kriegen“, sagte meine Nachbarin mit großen Augen, als ich sie auf meiner Flucht kurz unten traf und ihr davon erzählte – an diesem Tag waren es gefühlt minus 15 Grad.

Der Tag begann als ganz normaler Montagmorgen: Ich war frisch geduscht, hatte ein Glas Joghurt in der Hand und endlich viele Stunden am Stück zum Schreiben vor mir. Als der Kohlenmonoxid-Alarm zu piepsen anfing, öffnete ich alle Fenster und verließ rennend das Haus. Vielleicht wegen des Schocks rief ich niemanden an. Ich versuchte, meinen Tag normal fortzuführen, als wäre nichts passiert. Ich ging in die Bibliothek, um weiterzuarbeiten, aß eine Linsensuppe und lief später zum Tanzkurs in Kreuzberg. Danach dachte ich kurz daran, woanders zu schlafen, doch die Erinnerung an die Worte meiner Nachbarin überzeugte mich, die Realität zu konfrontieren.

Als ich die Wohnung betrat, war es still. Es gab keinen Schnee und keine Tiere, doch es war eiskalt. Ich schlief unter allen Decken, die ich besitze, und fühlte mich, als läge ich in einem Zelt in Sibirien. Dank des noch geöffneten Zimmerfensters hatte ich keine Angst mehr, an einer Kohlenmonoxidvergiftung zu sterben, und als der Tag anbrach, wurde ich vom Lärm der getragenen Mülltonnen und vom Duft von Kaffee aus einer anderen Wohnung geweckt. Zitternd vor Kälte, aber froh, überlebt zu haben, machte ich mir selbst einen.

11 Feb 2026

[1] /Neues-Album-von-Superstar-Rosalia/!6123529

AUTOREN

Luciana Ferrando

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