taz.de -- Bewährungsstrafe wegen Satire: Comedian zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt

Der persische Poet Ferdosi wird in Iran bis heute als Nationaldichter verehrt. Satire über ihn hat für eine Bloggerin nun juristische Folgen.

Bild: Das Grab des Dichters Ferdosi in der Stadt Maschhad in der Provinz Chorasan Razavi

dpa | Die Satire einer iranischen Bloggerin über den berühmten persischen Dichter Ferdosi hat juristische Folgen. Ein Gericht in der Hauptstadt Teheran verurteilte die bekannte Influencerin Zeynab Mussawi zu sechs Monaten Haft auf Bewährung, wie iranische Medien übereinstimmend berichteten. Zudem muss sie eine Abhandlung über den Einfluss des Dichters verfassen, der das bekannte Nationalepos „Schahnameh“ geschrieben hat, da sie ihn beleidigt haben soll. [2][Das Urteil ist rechtskräftig].

Mussawi ist vor allem auf Instagram mit ihrem Alter Ego „Imperator Kusku“ aktiv, einer Parodiefigur einer alten verschleierten Dorfbewohnerin. Mit Hunderttausenden Followern in den sozialen Medien zählt sie zu den bekanntesten weiblichen Comedians im Iran. Im Sommer 2025 veröffentlichte sie eine Satire über Ferdosi, die eine landesweite Kontroverse auslöste. Sie zitierte einen Vers des Dichters und stellte ihn in einen sexuellen Zusammenhang. Das Video ist inzwischen gelöscht.

Ferdosi, der um das Jahr 1020 starb, gilt als einer der bedeutendsten Dichter der persischen Literatur. Sein Hauptwerk, das „Schahnameh“ (Buch der Könige), umfasst rund 50.000 Verse und erzählt die mythische und historische Geschichte Persiens. Das Epos spielt eine zentrale Rolle für die iranische Identität und den Erhalt der persischen Sprache nach der Islamisierung. Ferdosi wird bis heute als Nationaldichter verehrt, sein Werk ist fester Bestandteil von Bildung, Kultur und staatlicher Erinnerungspolitik.

9 Feb 2026

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