taz.de -- Antisemitismus von Stefan Raab: Im Dschungel der Anfeindungen

Die falschen Antisemitismus-Vorwürfe von Gil Ofarim werden im Dschungelcamp kaum besprochen. Das macht nun Stefan Raab – mit antisemitischer Häme.

Bild: Von Stefan Raab als Jude verächtlich gemacht: Musiker Gil Ofarim auf einem Promo-Bild zu „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“

Ein Gespenst geht um in Australien. Es ist eines, das letztlich gar nicht im dortigen Dschungel niederkam, sondern – hier stellen wir uns vor, wie die Studiokapelle einen Tusch spielt – in Köln.

Mit Gil Ofarim ist ein B-Promi im RTL-Dschungelcamp, der 2021 mit der falschen Anschuldigung, ein Hotelmitarbeiter habe ihn antisemitisch drangsaliert, für einen Skandal gesorgt hatte. Auch wenn das Gerichtsverfahren gegen eine Auflage eingestellt ist, erregt der Fall immer noch viele. „Einige seiner Mitcamper bringen Fragen mit – wohl stellvertretend für unzählige Menschen in Deutschland“, hatte RTL vorab verkündet.

Ofarim hat im Camp keine Fragen beantwortet. Er bezieht sich auf eine „Verschwiegenheitsklausel“, die er unterschrieben habe, und ergeht sich in kleinen, merkwürdigen Andeutungen. Für das diesjährige Dschungelcamp bedeutete Ofarims Weigerung anfänglich zwar satte Anfeindungen, aber irgendwann verebbte jede „Du Verbrecher-“- und „Zeig endlich Reue!“-Anklage.

„Man hat irgendwann keinen Bock mehr“, begründete Kandidatin Samira Yavuz ihre abnehmende Fragelust und bezweifelte auch, ob das RTL-Format wirklich der beste Ort der Wahrheitsfindung ist: „Ich bin ja kein Richter.“

Sendung am Holocaustgedenktag

[1][Stefan Raab] scheint das anders zu sehen. Eine Stunde nach der wichtigtuerischen Analyserunde „Die Stunde danach“ schickt RTL seinen Schwergewichtspromi zur Nachbearbeitung der Dschungelshow auf den Sender. Am 27. Januar, nebenbei gesagt: dem Holocaustgedenktag, stellte Raab den Dschungelkandidaten Gil Ofarim vor, Sohn des israelischen Sängers Abi Ofarim.

Dieser Gil, berichtete eine gequält-witzige Off-Stimme, trage in sich ein „Betrüger-Gen“, das habe er von seinem extra für diesen Gag erfundenen „Onkel Samuel“ geerbt. Dazu passend wurde Ofarims Musik mit Bildern tanzender ultraorthodoxer Juden unterlegt.

Nichts wurde ausgelassen. Es kam noch die Behauptung, der Musiker lande seine Hits nur bei der „jüdischen Gemeinde“, und dann wurde noch ein Gewinnspiel namens „Geld oder Gil“ präsentiert. Der ideologische Boden, das Juden ja eh am Geld interessiert seien, war ja nun zur Genüge bereitet worden.

Ein A-Promi hat also gemacht, was keinem der mit unübersehbarer Häme im Dschungel hockenden B-Promis über die Lippen kam: antisemitische Ressentiments über einen jüdischen Kandidaten. Was sie nicht machten, machte Raab: In seiner Show wurde Ofarim nicht wegen seiner damaligen Tat oder wegen seines ihr folgenden Verhaltens zum Gegenstand der Kritik, sondern der Jude wurde verächtlich gemacht.

Das hat ein A-Promi zu verantworten, der mit einem großen Team an Gagschreibern arbeitet und dessen Einspielerfilme von einer Redaktion abgenommen werden.

Das Gespenst in Köln

Es ist doch bemerkenswert, dass diese Entgleisung nicht der bunt zusammengewürfelten Horde an Reality-TV-Darstellerinnen und Vorabendserien-Schauspielern unterlaufen ist, die doch ohne gescriptete Texte über den Sendern gehen, ja, bei denen sogar vermeintlich vertrauliche nächtliche Lagerfeuergespräche für ein Millionenpublikum aufbereitet werden.

Das Gespenst, das in Australien vermutet wurde, hat sich ganz real in Köln gezeigt, in Stefan Raabs Studio. Die Häme, die über Darsteller und Darstellerinnen wie Samira oder Ariel, Bauer Patrick oder Eva geschüttet wird, zerschellt an dieser Erkenntnis: Humanistische Grundhaltungen sind bei denen besser aufgehoben als dort, wo sich A-Prominenz für unanfechtbar hält.

RTL hat inzwischen den Clip gelöscht und seine Einsicht mitgeteilt, „dass der Einspieler zu Missverständnissen führen konnte“. Schade eigentlich, dass das Dschungelcamp zu Ende geht und uns Stefan Raab erhalten bleibt.

4 Feb 2026

[1] /Abschied-von-Stefan-Raab/!5204658

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Martin Krauss

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