taz.de -- Die Kunst der Woche: Die großen Fragen des Zusammenlebens
Vom Scheitern der Liebe und von der Identität in der Diaspora erzählen zwei aktuelle Ausstellungen in den Galerien PSM und Under the Mango Tree.
Bild: Eine Installationsansicht von „Love is a losing game“ bei PSM, zu sehen sind Arbeiten von Marc-Aurèle Debut und Ziva Drvaric
Ist die Liebe ein Spiel, das nur Verlierer:innen kennt? Das jedenfalls behauptete die britische Sängerin Amy Winehouse vor fast 20 Jahren in „Love is a Losing Game“, der letzten Single, die sie [1][zu Lebzeiten veröffentlichte]. Ums Scheitern der Liebe geht es darin; für Kurator Philipp Lange steckt in der Aussage des Songs auch eine Idee der Selbstermächtigung, vorausgesetzt man akzeptiert, dass das Herz eben manchmal schmerzt. Ein Gedanke, den er in einer nach dem Song benannten [2][Gruppenausstellung bei PSM] verfolgt.
So erzählen einige der Arbeiten von Einsamkeit und Verletzungen. Nicolás Astorga sogar in aller Brutalität: Er hat ein herzförmiges Stück Steinkohle mit Pfeilen durchbohrt. Andere fassen in Bilder, wie die Verliebtheit auflodert und ausbrennt, ähnlich der Pusteblumen, die Katja Aufleger für das Smartphone-Video „I'm angry just not sure about what“ (2021) angezündet hat.
Näher analysiert hat Flaka Haliti das Werden und Vergehen von Fernbeziehungen. „I miss you, I miss you, till I don't miss you anymore“ (2012-2014) gliedert die Liebe auf Distanz in drei Phasen anhand semifiktionaler Textnachrichten, vorgetragen von unterkühlten Computerstimmen.
Selbstliebe und Nähe sprechen aus anderen Arbeiten. Selbst wenn es sich nur um solche zwischen zwei Heizungsrohren handelt, wie auf einem der Drucke von Ziva Drvaric. Marc-Aurèle Debut präsentiert Objekte, die an abgenutzte Matratzen erinnern, in die sich Intimität eingeschrieben hat.
Lange hat zu all dem einen unbedingt lesenswerten Text verfasst -einen [3][Brief an Amy Winehouse], in der er ihr und gleichsam den Besucher:innen sein Konzept erläutert, seine Suche nach Antworten „auf die großen Fragen der Liebe“ und Bildern für „ihre Undurchdringlichkeit und ihre Schönheit, die selbst im Schmerz vorzufinden ist“.
Migration und Identität
Auch in der Gruppenausstellung „Found in Translation“, die noch bis zum 6. Februar [4][bei Under the Mango Tree zu sehen ist], geht es um Selbstbestimmung, aber unter anderen Vorzeichen. Alle sieben Künstlerinnen beschäftigen sich mit Migration und Identität in der Diaspora.
Die in Berlin lebende Japanerin Sugano Matsusaki untersucht Wörter und Kalligrafie. Hira Khan hat aus Reissäcken BHs gefertigt, womit sie auf die Tabuisierung weiblicher Unterwäsche in Pakistan sowie die Rolle des Landes in der globalisierten Textilindustrie verweist.
Pegah Keshmirshekan malt „Impossible Bouquets“, der niederländischen Stilllebenmalerei des 17. Jahrhunderts nachempfundene Blumenarrangements. Impossible, unmöglich, weil die Blumen an weit entfernten Orten oder unterschiedlichen Zeiten blühen. Immer eingebunden in ihre Sträiße ist die aus ihrem Geburtsland Iran stammende Kaiserkrone, eine in Europa beliebte Zierpflanze, die dort inzwischen vom Aussterben bedroht ist.
2 Feb 2026
LINKS
[1] /Nachruf-auf-Amy-Winehouse/!5115691
[2] https://www.psm-gallery.com/home/
[3] https://www.psm-gallery.com/wp-content/uploads/2026/01/PRESS-REALEASE-NEU-DEUTSCH-FINAL.pdf
[4] https://underthemangotree.de/exhibitions-2025-found-in-translation-seven-rising-female-artists
AUTOREN
Beate Scheder
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